14:01 BAUPRAXIS

So werden Elektroautos zu Stromspeichern für Gebäude

Geschrieben von: Stefan Gyr (stg)
Teaserbild-Quelle: Sun2wheel, zvg

Elektrische Fahrzeuge können künftig Strom für Gebäude liefern. Das Schweizer Start-up Sun2wheel hat eine neue Ladestation entwickelt. Damit kann Strom aus der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach im Akku des Elektroautos gespeichert und für den Betrieb elektrischer Geräte genutzt werden.

Elektroauto Tiefgarage Mehrfamilienhaus

Quelle: Sun2wheel, zvg

Mit der neuen Zweiweg-Ladetechnik kann die überschüssige Batteriekapazität von Elektroautos als Stromspeicher für Gebäude genutzt werden.

Viele Fahrzeuge sind die meiste Zeit nicht unterwegs, sondern stehen auf Parkplätzen oder in Tiefgaragen. Dies gilt auch für Elektroautos. Die riesigen Akkus dieser Fahrzeuge haben eine weitaus grössere Speicherkapazität als im Normalfall für die tägliche Mobilität benötigt wird. Das Schweizer Jungunternehmen Sun2wheel AG mit Hauptsitz im luzernischen Obernau will das Potenzial dieser grossen, ungenutzten Batteriespeicher nutzbar machen. Die Firma um den bekannten Schweizer Elektroauto-Pionier Marco Piffaretti hat eine neue Ladestation entwickelt, mit der sich E-Fahrzeuge nicht nur auftanken, sondern auch wieder entladen lassen. Im Fachchinesisch spricht man von bidirektionalem Laden.

Der Akku eines E-Fahrzeugs kann damit nicht nur Strom für die nächste Fahrt speichern, sondern auch für alle elektrischen Anwendungen in Wohn- und Gewerbehäusern angezapft werden. So kann beispielsweise Strom mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt und im Elektroauto in der Garage gespeichert werden, um bei Bedarf im Gebäude eingesetzt zu werden. Solarstrom könnte tagsüber gewonnen, im Fahrzeug gespeichert und in der Nacht für den Betrieb elektrischer Geräte verwendet werden. Auch den für eine Wärmepumpe benötigten Strom könnte nachts der E-Auto-Akku liefern. «Vehicle to home» – kurz: V2H – wird diese Anwendung genannt.

Elektromobilität boomt

Mit 23 Prozent Marktanteil erreichten Elektroautos und Plug-in-Hybride gemäss dem Verband Auto Schweiz im Juni 2021 einen neuen Rekordwert bei den Neuzulassungen. Es scheint klar: Die Zukunft gehört der elektrischen Mobilität. Dieser Wandel ergibt nur Sinn, wenn die elektrischen Fahrzeuge mit erneuerbarer Energie fahren. Dieser Gedanke steht auch hinter dem System von Sun2wheel: «Mit der bidirektionalen Ladetechnik wird die überschüssige Batteriekapazität der Elektroautos erstmals als Stromspeicher für Gebäude nutzbar. Damit lässt sich der Anteil des Eigenverbrauchs der Photovoltaikanlage im Gebäude deutlich steigern», sagt Dominik Müller, der für Marktentwicklung und Vertrieb zuständig ist.

Damit das Elektroauto nicht mehr Strom liefert, als es selbst für den Betrieb benötigt, kann ein Mindestladestand der Batterie programmiert werden. Ist das festgelegte Minimum erreicht, ist der Akku für die Entladung gesperrt. Die neu entwickelte Software steuert dazu alle Energieflüsse zwischen Fahrzeug, Solaranlage, Batteriespeicher, Gebäude und öffentlichem Netz. Diese intelligente Integration über eine App gibt es sonst noch nicht auf dem Markt. Das Ladesystem von Sun2wheel lässt sich mit ausgedienten Elektrofahrzeugbatterien ergänzen. Diese Second-Use-Akkus eigneten sich ideal als lokale Stromspeicher und seien eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Speicherlösungen, zeigen sich die Verantwortlichen des Start-ups überzeugt.


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