13:09 BAUBRANCHE

Gotthard-Strassentunnel: Wie der Durchschlag doch noch gelang

Autoren: Stefan Gyr (stg)
Teaserbild-Quelle: Walter Scheidegger

Der Journalist Alexander Grass hat die Entstehungsgeschichte des Gotthard-Strassentunnels aufgearbeitet. Sein Buch beleuchtet die langwierige Planung und die Krisen während der Bauzeit. Bereichert wird es durch viele historische Fotos des Bauführers Walter Scheidegger.

Zwischenangriff im Paragneis Gotthard Strassentunnel

Quelle: Walter Scheidegger

20.6.1975, Haupttunnel: Zwischenangriff im Paragneis. Ausbruch der Kalotte und Verstärkung des Stahleinbaus mit mächtigen Holzbalken.

Mit mittlerweile mehr als sechs Millionen Durchfahrten pro Jahr ist er ein Grundpfeiler im schweizerischen Strassenverkehr: der Gotthard-Strassentunnel. Unzählige Autofahrern nutzen diesen Tunnel jedes Jahr, und auch im Güterverkehr spielt er eine wichtige Rolle. Doch kaum jemand weiss etwas über die Details der Entstehung. 

Im Unterschied zu den beiden Eisenbahntunneln am Gotthard – Scheiteltunnel und Basistunnel – ist die Geschichte des Strassentunnels nie umfassend aufgearbeitet worden. Alexander Grass, ehemaliger Leiter der Auslandredaktion und Tessin-Korrespondent beim Schweizer Radio SRF, hat dies rund 40 Jahre nach der Eröffnung nachgeholt.

Nach seiner Frühpensionierung beschäftigte er sich drei Jahre lang mit dem Bau des Gotthard-Strassentunnels. Grass stieg in die Archive von Bund, Kantonen und Unternehmen, aber auch in jene der Suva, der SBB und der Gewerkschaften. Er wertete Tausende von Dokumenten aus und führte viele Gespräche mit Beteiligten, Verantwortlichen und Zeitzeugen. 

Daraus ist ein historisch relevantes und trotzdem leicht lesbares Buch entstanden: «Durchschlag am Gotthard – Der Bau des Strassentunnels 1970-1980». Beschrieben werden etwa der 45 Jahre dauernde Planungsprozess voller Utopien und Kontroversen, die Technik, die Kosten- und Konstruktionskrisen während der Bauzeit, die Arbeitsbedingungen der Mineure sowie die Situation der SBB, die ihre Cashcow am Gotthard verlor. Zuletzt schildert das Buch die kulturelle Debatte, die den Tunnelbau begleitete, und den politischen Prozess zur zweiten Röhre, deren Bau 2022 in Angriff genommen werden soll.

Ein Kind der Autobahneuphorie

Geplant wurde der Bau des Gotthard-Strassentunnels in den 1960er-Jahren, in einer Zeit der fast unbegrenzten Autobahneuphorie. Von dem starken Verkehrswachstum erhoffte man sich neue Arbeitsplätze und Wohlstand. Die Eröffnungen der ersten Teilabschnitte der Gotthard-Autobahn wurden denn auch von der Bevölkerung noch richtig gefeiert. 

Als der Strassentunnel 1980 eröffnet wurde, war die Kritik an der ungebremsten Zunahme des Strassenverkehrs und der damit verbundenen Umweltverschmutzung stark gewachsen. «Am Gotthard entstand ein Tunnel in der Zeitenwende», so Grass. Das Bauwerk war ein Symbol für Motorenlärm, Gestank und Staus in den Bergtälern. 1994 nahm die Schweizer Stimmbevölkerung die Alpeninitiative an, die den Schwerverkehr am Gotthard begrenzen sollte.

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