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Historische Holzbrücken: Ein Gang durch die Kulturgeschichte

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Erst Holzbrücken ermöglichten einen intensiveren Austausch zwischen den Menschen sowie von Gütern. Ihrer Bedeutung wegen wurde damals mit Brücken Machtpolitik betrieben. Den Höhepunkt der technischen Meisterschaft mit grossen Spannweiten erreichten die Zimmerleute Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Flüsse verbinden, ihnen entlang vollzog sich über Jahrtausende die Besiedlung. Zugleich trennte die Bedrohung unbändiger Naturgewalt. Erst mit Holzbrücken liess sich die Gefahr elegant überwinden. Sie beschleunigte in der Schweiz den Austausch zwischen den Menschen und von Waren. Vor dem modernen Brückenbau war Holz wegen der vielfältigen Möglichkeiten des Baustoffs für die Realisierung grosser Spannweiten lange Zeit das bevorzugte Material. Holzbrücken sind deshalb besondere Bauwerke der Ingenieurskunst.

Brücke in Hasle-Rüegsau

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Schon früh war es der Ehrgeiz der Zimmerleute, Brücken mit grossen Spannweiten zu konstruieren. Die Haslebrücke im bernischen Hasle-Rüegsau mit Baujahr 1839 überspannt die Emme über 58 Meter.

Grubenmanns Meisterschaft

Hans Ulrich Grubenmann und seine Brüder aus dem appenzellischen Teufen begründeten im 18. Jahrhundert eine Tradition, mit der laut einhelliger Meinung der Fachwelt der konstruktive Holzbrückenbau ein später nie mehr übertroffenes Niveau erreicht. Der Brückenkonstrukteur konnte weder eine Meisterprüfung vorweisen, noch war er Mitglied einer Zunft, die jeweils die besten Aufträge verteilte. Deshalb mussten die Grubenmanns besser und vermutlich auch billiger sein als die Konkurrenz.

Pläne zeichnete er nur auf Verlangen der Bauherrschaft. Dagegen fertigte er jeweils massstabsgetreue Modelle an, wobei die persönliche Erfahrung bei der Dimensionierung und der realen Umsetzung entscheidend war. Ohne grosse Schulbildung prägten die Grubenmanns über drei Generationen in der Ostschweiz den Brücken- und Kirchenbau massgeblich mit.

Diese spannende Geschichte genialer Konstrukteure des Holzbrückenbaus schildern Hanspeter Buholzer und Daniel Fuchs in ihrem Buch «Historische Holzbrücken der Schweiz bis 1850». Fähren und Fuhrten wurden zwar lange ebenfalls zur Überquerung von Wasserläufen genutzt, sie boten jedoch wegen der geringen Kapazität nur beschränkt eine Alternative.

Ausreizen der Spannweiten

Mit Holzkonstruktionen möglichst grosse Spannweiten zu erreichen – diesem Ziel galt Hans Ulrich Grubenmanns Ehrgeiz. Unter seiner Leitung und mit der Auflage, den Pfeiler der alten Brücke mitzuverwenden, errichteten die Grubenmanns 1758bei Schaffhausen eine Holzkonstruktion über den Rhein mit zwei Bogen von 52 und 59 Metern Länge. Doch Grubenmann erkannte, dass sich die Holzkonstruktion noch optimieren liess.

1766 erteilte der Abt von Wettingen ihm nach Präsentation eines «wohlverständlichen» Modells den Auftrag zum Bau einer Brücke über die Limmat. Sie gilt als die erste Bogenbrücke der Schweiz mit einer Spannweite von 61 Metern. Beide Brücken wurden von den französischen Truppen zerstört. Hans Ulrich Grubenmann wird der Bau von insgesamt 20 Brücken zugeschrieben.

Doch bereits in den Jahrhunderten davor gab es bedeutende Brückenbauten. Wegen der technischen Herausforderungen und der Kosten wurden nach dem Abzug der Römer vergleichsweise wenige Brücken gebaut oder dann nur an wichtigen Wegkreuzungen.

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