Wenn Fichtenholz aus den Alpen für aussergewöhnliche Geigen sorgt
Wie eine neue Studie zeigt, verwendete der berühmte Geigenbauer Antonio Stradivari systematisch Holz aus den Höhenlagen der Alpenwälder, insbesondere aus dem Fleimstal (Val di Fiemme) im Südtirol in Italien: Es eignet sich besonders für Resonanzböden.
Quelle: Gottardo Pestalozzi
Eine Geige – aber keine Stradivari – im Jahrringlabor der WSL.
Ihre Qualität verdanken die Violinen Antonio Stradivaris nicht nur dem Genie des Geigenbauers, sondern auch seiner sorgfältigen Wahl beim Holz: Die Fichten, die Stradivari verwendete, stammten aus hochgelegenen alpinen Wäldern, insbesondere aus dem Val di Fiemme oder dem Fleimstal im Trentino. Die Zeit, in der diese Bäume heranwuchsen, zeichnete sich durch niedrige Temperaturen und kurze Vegetationsperioden aus zeichnete, wie eine internationale Studie zeigt. Für die Analyse wurden die 314 Jahrring-Zeitreihen von 284 authentischen Stradivari-Geigen auswertet. Dabei stellte sich heraus, dass der Meister aus Cremona systematisch eine besonders homogene Holzqualität auswählte, die sich ideal für Resonanzböden eignete. - Wie die WSL mitteilt, ist die in der Zeitschrift Dendrochronologia veröffentlichte Studie die umfangreichste dendrochronologische Untersuchung, die jemals zum Werk Stradivaris durchgeführt worden ist.
Aus einem Baumstamm wurden mehrere Geigen gebaut
«Viele Instrumente weisen sehr ähnliche Ringsequenzen auf. Das deutet darauf hin, dass Stradivari oft Bretter aus demselben Stamm verwendete, um verschiedene Geigen herzustellen, auch wenn sie im Abstand von mehreren Jahren produziert wurden», erklärt Mauro Bernabei vom italienischen Consiglio nazionale delle ricerche (CNR), der Koordinator der Forschungsarbeit. «Dieses Verhalten scheint eine sehr sorgfältige Auswahl des Holzes widerzuspiegeln. Er wusste Materialien zu nutzen, die er als besonders geeignet betrachtete.»
Quelle: Rawpixel
Holzstrunk einer Fichte. (Symbolbild)
Weiter weisen die Analysen auf die besondere Qualität der in Höhenlagen gewachsenen Fichten (Picea abies) hin, die sehr dünne und regelmässige Jahrringe besitzen. Die analysierten Jahrringe zeigen ausserdem, dass die Fichten besonders langsam gewachsen sind, was nicht ihren heutigen Wachstumsbedingungen entspricht. Laut den Studienautoren widerspiegeln due Jahrringe das Klima während des Maunder-Minimums respektive die Zeit zwischen 1645 und 1715 – eine Periode, in der die Sonnenaktivität vermindert war und sich daher eine allgemeine Abkühlung bermerkbar machte. Ausserden lässt sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine deutliche Wende in der Arbeit Stradivaris ausmachen: Die Holzeigenschaften seiner ältesten Geigen sind auf unterschiedliche Herkunftsorte der Bäume zurückzuführen, die nicht immer genau lokalisiert werden können. In der Phase seiner grössten künstlerischen und technischen Reife oder dem sogenannten «goldenen Zeitalter», bezog Stradivari aber fast ausschliesslich Fichtenholz aus dem Fleimstal respektive dem Val di Fiemme im östlichen Trentino.
«Dank Jahrringdaten war schon bekannt, dass viele norditalienische Geigenbauer im 18. Jahrhundert Fichtenholz aus dem Fleimstal nutzten», sagt Paolo Cherubini, Jahrringforscher an der WSL und Mitautor der Studie. «Nun konnten wir dank der Analyse von hunderten Stradivari-Geigen zeigen, dass der Meister in seiner Blütezeit fast nur noch diese Fichten verwendete.»
Stradivari hatte viel Gespür für das perfekte Holz
Die Ergebnisse verfeinern laut dem Forschungsteam das Wissen darüber, wie Stradivari sein Material auswählte. Aus ihnen kann auf ein sehr genaues Bewusstsein des Geigenbauers für die Eigenschaften des Holzes geschlossen werden. Und sie bestätigen die Bedeutung der Alpenwälder für die Tradition des Geigenbaus in Cremona. Bernabei dazu: «Die Vertiefung der dendrochronologischen Aspekte ermöglicht es, zu klären, wie Klima, Umwelt und Entscheidungen des Geigenbauers zur Herstellung von Instrumenten beigetragen haben, die heute als unübertroffen gelten.»
«Dank Jahrringdaten war schon bekannt, dass viele norditalienische Geigenbauer im 18. Jahrhundert Fichtenholz aus dem Fleimstal nutzten», sagt Paolo Cherubini, Jahrringforscher an der WSL und Mitautor der Studie. «Nun konnten wir dank der Analyse von hunderten Stradivari-Geigen zeigen, dass der Meister in seiner Blütezeit fast nur noch diese Fichten verwendete.»
Die Ergebnisse verfeinern laut dem Forschungsteam das Wissen darüber, wie Stradivari sein Material auswählte. Aus ihnen kann auf ein sehr genaues Bewusstsein des Geigenbauers für die Eigenschaften des Holzes geschlossen werden. Und sie bestätigen die Bedeutung der Alpenwälder für die Tradition des Geigenbaus in Cremona. Bernabei dazu: «Die Vertiefung der dendrochronologischen Aspekte ermöglicht es, zu klären, wie Klima, Umwelt und Entscheidungen des Geigenbauers zur Herstellung von Instrumenten beigetragen haben, die heute als unübertroffen gelten.» (mgt/mai)
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Violinenmuseums in Cremona
Antonio Stradivari (1644c.-1737) – Violine aus Cremona, 1715