«Cielo»: Hochhaus auf drei Tennisfeldern
In der zentralindischen Stadt Nagpur hat das Büro Sanjay Puri Architects einen ungewöhnlichen Bau realisiert: ein zwölfstöckiges Hochhaus, auf einer Grundstücksfläche von gerade mal neunhundert Quadratmetern.
Quelle: V2/Vinay Panjwani
Zwölf Stockwerke ragt das markante Hochhaus «Cielo» in den Himmel der indischen Stadt Nagpur.
In der zentralindischen Stadt Nagpur, die rund 2,4 Millionen Einwohner hat, ist der Platz mitunter knapp. Deshalb stand auch für das Projekt des Hochhauses «Cielo» (italienisch: Himmel) gerade mal ein Grundstück von neunhundert Quadratmetern zur Verfügung, was ungefähr drei Tennisplätzen entspricht. Das Büro Sanjay Puri Architects schaffte es dennoch, ein den geltenden Vorschriften gemässes, zwölf Stockwerke hohes Gebäude zu realisieren, mit einer bebaubaren Gesamtfläche von 3600 Quadratmetern.
Das kompakte Wohngebäude weist gerade mal eine bebaubare Fläche von 270 Quadratmetern pro Etage auf; gerade mal Platz für eine 4-Zimmer-Wohnung pro Stock. Ziel der Architekten war es dabei nicht nur, ein äusserlich ansprechendes Gebäude zu entwerfen, sondern auch im Inneren natürlich querbelüftete Räume zu schaffen: Drei der Schlafzimmer befinden sich an drei Ecken, wobei die Küche die vierte Ecke bildet, um eine Querlüftung in jedem Raum zu ermöglichen. Die Wohnbereiche sind zudem zentral angeordnet, um einen sozialen Interaktionsraum zu bilden.
Quelle: V2/Vinay Panjwani
Pro Stockwerk weist das Hochhaus nur eine einzige Vierzimmer-Wohnung auf.
Kleiner CO2-Fussabdruck
Jeder der Haupträume öffnet sich ausserdem zu zwei Balkonbereichen hin, einen offenen und einem abgeschirmten, was die Belüftung unterstützt. Gleichzeitig bietet dieses Layout geschützte Freiflächen für jeden Raum. Eine isolierte Fassade trägt ihrerseits wesentlich zur Reduzierung der Wärmezufuhr bei. Sie bestehe aus einzelnen nach aussen gewölbten Platten, die den Sockelbereich des Hochhauses nach aussen abschirmen.
In den oberen Stockwerken bilden die Platten die Balkons, wobei sie sich abschnittsweise horizontal und vertikal über das Gebäude hoch abwechseln: So bilden sie grüne Freiflächen für jeden Raum und verleihen dem Gebäude eine skulpturale Qualität. Zugleich greift diese Bauweise das architektonische Erbe der Region auf, bei welchem diese Form der hitzemindernden Fassadengestaltung bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht.
Acht Monate Sommer
Komplettiert wird das Gebäude von einem Solardach sowie Anlagen für Wassergewinnung und -recycling. All diese Massnahmen zusammen reduzieren die Energiekosten für Klimaanlagen erheblich, und auch der CO2-Fussabdruck des Gebäudes wird über die gesamte Lebenszeit deutlich verkleinert.
Der umfassende Hitzeschutz ist zudem bitter nötig: Die Stadt Nagpur bildet das geografische Zentrum Indiens: Hier dauert der Sommer acht Monate lang, und die Temperaturen erreichen dabei des Öfteren über 40 Grad Celsius. (bk)
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Cielo Nagpur
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Cielo Nagpur
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