Sarah Stämpfli: «Wer baut, muss auch erzählen»
In ihrer Kolumne erklärt Sarah Stämpfli, Leiterin Kommunikation bei Bauenschweiz, warum die Bauwirtschaft ihre Geschichten stärker erzählen muss – damit ihre Bedeutung für die Zukunft der Schweiz sichtbar wird und junge Menschen den Weg in die Branche finden.
Quelle: zvg
Mit einer Sonderausgabe zum Thema Bauen macht das Jugendmagazin Spick die Vielfalt der Schweizer Bauwirtschaft für Kinder und Jugendliche erlebbar.
Die Bauwirtschaft baut die Schweiz von morgen – und wird dabei erstaunlich selten wahrgenommen. Dabei entstehen Antworten auf zentrale gesellschaftliche Herausforderungen zu einem grossen Teil auf Baustellen. Wer Akzeptanz für diese Leistungen schaffen und die nächste Generation für die Branche begeistern will, muss deshalb nicht nur bauen, sondern auch erzählen.
Die Schweiz diskutiert über Wohnungsnot, Energie, Mobilität oder Klimaanpassung. DieLösungen dafür werden zu einem grossen Teil auf Baustellen umgesetzt. Trotzdem steht die Bauwirtschaft mit dieser Leistung selten im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das ist erstaunlich. Denn kaum ein anderer Wirtschaftszweig prägt unseren Alltag so unmittelbar. Die Bauwirtschaft beschäftigt eine halbe Million Menschen, bietet jede fünfte Lehrstelle an, erwirtschaftet rund zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts und setzt jährlich rund 67 Milliarden Franken Investitionen in Gebäude und Infrastrukturen um. Sie baut die Schweiz von morgen. Doch wer über die Zukunft spricht, spricht oft über Ziele – und selten über jene, die sie konkret umsetzen. Diese Wahrnehmungslücke hat Folgen. Politische Vertretende und Stimmbevölkerung entscheiden regelmässig über Zielsetzungen und Rahmenbedingungen, die die Arbeit der Bauwirtschaft direkt beeinflussen. Gleichzeitig wird in vielen politischen und gesellschaftlichen Debatten unterschätzt, welche Leistungen die Bauwirtschaft bereits heute erbringt. Die Diskussionen im Frühling um Wohnungsnot, Energieversorgung oder einen Bevölkerungsdeckel haben ausgeblendet, wie viel Innovation und kreative Lösungen in diesen Fragen bereits existieren.
Die Jungen erreichen
Deutlich zeigt sich die Sichtbarkeit beim Nachwuchs. Kinder kennen Polizistinnen, Lokführer oder Ärztinnen. Kaum jemand weiss hingegen, was Geomatiker, Fassadenbauerinnen, Gebäudetechnikplaner oder Bauingenieurinnen konkret tun. Dabei entstehen gerade in der Bauwirtschaft Berufe, die Innovation im Bereich Nachhaltigkeit, Digitalisierung und handwerkliches Können auf einzigartige Weise verbinden.
Als die Redaktion des Jugendmagazins Spick eine Sonderausgabe zum Thema «Bauen» vorschlug, waren Bauenschweiz, Mitglieder und Partner deshalb sofort dabei. Die Ausgabe, die im April 2026 erschienen ist, zeigt jungen Leserinnen und Lesern die Vielfalt der Bauwirtschaft einfach verständlich auf – mit Einblicken in unterschiedliche Baustellen und Berufe oder in Themenfelder wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die grosse positive Resonanz zeigt, dass die enorme Bandbreite der Bauwirtschaftsberufe interessiert.
Verständnis schaffen
Die Bauwirtschaft muss ihre Leistungen kontinuierlich weitererzählen – nicht nur in politischen Debatten oder Abstimmungskämpfen, sondern auch im gesellschaftlichen Alltag. Parallel zur Sonderausgabe «Bauen» wurde deshalb ein digitaler Themenhub lanciert, der Daten, Fakten und Geschichten aus der Schweizer Bauwirtschaft bündelt. Dieser bildet die Basis, um Verständnis zu schaffen, wie Gebäude entstehen, wie Infrastruktur geplant wird und welche Innovationen dahinterstehen.
Die Bauwirtschaft erstellt nicht nur die Infrastruktur der Schweiz. Sie schafft auch die Voraussetzungen für Wohnraum, wirtschaftliche Entwicklung und eine resiliente Schweiz. Gerade deshalb dürfen wir nicht davon ausgehen, dass unsere Bedeutung selbstverständlich erkannt wird. Wer Akzeptanz und Nachwuchs gewinnen will, muss heute ebenso überzeugend kommunizieren wie bauen.
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