Eveline Althaus: «Baukulturelle Bildung – spielerisch erkunden und kennenlernen»
In ihrer Kolumne beleuchtet Eveline Althaus, Geschäftsführerin von Archijeunes, wie baukulturelle Bildung Kinder und Jugendliche für die gebaute Umwelt sensibilisiert – und weshalb spielerische Vermittlungsformen grosses Potenzial für Schule, Gesellschaft und Teilhabe bieten.
Wir verbringen weit mehr als 90 Prozent unserer Zeit in gebauter Umwelt. Umso erstaunlicher, dass wir in der Schule nicht mehr über Baukultur lernen. Wer die Schweizer Lehrpläne genauer studiert, merkt allerdings, dass es viele Anknüpfungspunkte zu ganz unterschiedlichen Schulfächern auf allen Altersstufen gibt. Gerade zur Vermittlung von fächerverbindenden Kompetenzen gäbe es viel Potenzial. Die Archijeunes-Studie «Baukulturelle Bildung an Schweizer Schulen» von Elisabeth Gaus hat eine solche Lehrplananalyse vorgenommen und wichtige Grundlagen zur Entwicklung und Systematisierung von baukulturellen Lerninhalten erarbeitet.
Baukultur im Unterricht
Archijeunes setzt sich für baukulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche in der Schweiz ein. Die dreisprachige Online-Plattform www.archijeunes.ch versammelt eine Vielzahl an qualitativ guten Unterrichtseinheiten und Lernmedien, wovon die meisten Open Source genutzt werden können. Lehrpersonen verschiedener Fächer und Altersstufen können vielseitige didaktische Ressourcen und Unterrichtseinheiten herunterladen. Hinweise auf Fach- und Kinderbücher, Filme, Spiele und Podcasts bieten weitere Inspirationen zur Gestaltung von Lernprozessen.
Zu bedenken ist, dass Lehrpersonen selbst in der Regel auch nicht in baukulturellen Fragen geschult sind. Gerade zur Vermittlung komplexerer Themen bietet sich deshalb die Zusammenarbeit mit ausserschulischen Baukultur-Vermittlerinnen an. Auf der Archijeunes-Plattform finden sich Kontakte aus allen Landesteilen, die Schulen für Beratungen oder zur Durchführung von Projekten zur Verfügung stehen: von einzelnen Lektionen oder Workshops bis zu ganzen Semesterprogrammen.
Baukultur wird erlebbar
Baukulturelle Bildung bedeutet, dass sich Kinder und Jugendliche seit klein mit der gebauten Umwelt in all ihren Facetten auseinandersetzen. Letztlich geht es darum, die jüngste Generation zu befähigen, sich auch im Erwachsenenalter aktiv an der Gestaltung ihrer Lebensumwelt zu beteiligen. Der Begriff «baukulturelle Bildung» selbst ist allerdings ziemlich sperrig und sagt vielen erstmal nichts. Umso schöner sind deshalb alle Gelegenheiten und Initiativen, die es ermöglichen, deren Potenzial einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Eine solche Chance bietet sich momentan im Freilichtmuseum Ballenberg. Dort ist seit Kurzem im Haus aus Matten die von Archijeunes kuratierte Ausstellung «Fenster in die Welt der baukulturellen Bildung» zu besichtigen. Bis zum Saisonende am 1. November 2026 gibt es dort auf einem spielerischen Parcours viel zu entdecken und auszuprobieren.
«Wie nehme ich Raum wahr? Atmosphären auf der Spur», «Bau- und Handwerksberufe im Zusammenspiel», «Lebenswelten entdecken – Geräusche erzählen Geschichten» oder «Platz für Dialog und Teilhabe» sind einige Titel von Stationen, die sich im Haus erkunden lassen. Um einen grossen Tisch herum kann man spielen und auf der Ofenbank in Bilder- oder Fachbüchern stöbern. Im Raum «Bühne frei! Einblicke in die Vermittlung» stellen sich 22 Vermittelnde vor. Gleichzeitig steht das Haus aus Matten Baukulturvermittelnden aus dem Archijeunes-Netzwerk während der ganzen Saison für Treffen und Austausch zur Verfügung.
Dadurch wird baukulturelle Bildung, deren faszinierenden Inhalte, Lernangebote und Akteure nicht nur verständlich, sondern auch lebendig und erlebbar.
Mehr Infos finden Sie unter: www.archijeunes.ch/ballenberg