Was derzeit im Kanton Bern und Solothurn geplant und gebaut wird
Welche Bauprojekte stehen in den Kantonen Bern und Solothurn an, wo gibt es Architekturwettbewerbe und wie haben die Stimmberechtigten über baurelevante Vorlagen entschieden? Ein Überblick über aktuelle Projekte in der Region sowie ein Rück- und Ausblick auf Abstimmungen.
Projekte in Bau oder in Planung
Quelle: Swiss Interactive AG
Visualisierung der geplanten Überbauung auf dem Delta-Areal in Langendorf SO.
Industrieareal wird zu Wohnquartier
Langendorf SO – Wo einst rund 550 Décolleteure und Uhrenarbeiter arbeiteten, sollen bald ebenso viele Menschen wohnen: Auf dem ehemaligen Industrieareal der Delta AG entsteht für über 100 Mil- lionen Franken ein neues Wohn- und Gewerbequartier. Die F. Aeschbach AG realisiert mit «ssm Architekten» sieben Mehrfamilienhäuser mit rund 250 Mietwohnungen und 3000 Quadratmetern Gewerbefläche. Seit Februar 2026 wird in zwei Etappen gebaut.
Quelle: Kanton Solothurn
Neubau Zentralgefängnis SO 1
Ein Zentralgefängnis für den Kanton Solothurn
Flumenthal / Deitingen SO – Die Untersuchungsgefängnisse in Olten und Solothurn sind veraltet. Der Kanton Solothurn baut deshalb als Ersatz nördlich der bestehenden Justizvollzugsanstalt in Flumenthal / Deitingen ein neues Zentralgefängnis mit 130 Haftplätzen. Die Bauarbeiten sind im März gestartet, die Inbetriebnahme ist für Juli 2029 geplant. Die Gesamtkosten betragen 120 Millionen Franken, wovon der Bund rund 18 Millionen Franken übernimmt.
Quelle: Büro B, Bern
So soll sich die Berufsfachschule Langenthal dereinst präsentieren.
Langenthal erhält einen Bildungscampus
Langenthal BE – Die grösste Schule im Oberaargau wird umfassend erneuert: Der Kanton Bern investiert rund 140 Millionen Franken in einen Bildungscampus an der Weststrasse – davon fliessen rund 95 Millionen in die Sanierung und Erweiterung der Berufsfachschule Langenthal (bfsl). Mit dem Projekt werden die bisher auf zwei Standorte verteilten Angebote an einem Ort konzentriert. Das bestehende Schulgebäude wird saniert und aufgestockt, zudem entsteht ein Neubau mit gemeinsamer Mensa für Berufsschule und Gymnasium. Die Baueingabe liegt aktuell bei der Stadt Langenthal, die Bauarbeiten sollen 2027 starten. Die Fertigstellung ist für 2030 geplant.
Quelle: VBS
Visualisierung des geplanten Logistik-Neubaus der Armee in Burgdorf.
Ein Logistikneubau für die Armee in Burgdorf
Burgdorf BE – Das Armeelogistikzentrum auf der Lochbachmatte in Burgdorf wird für 163 Millionen Franken ausgebaut: Geplant sind ein Logistikgebäude mit Platz für rund 2000 Militärfahrzeuge sowie eine sanierte Werkstatt mit Büroflächen. Drei Privatpersonen hatten Beschwerde gegen das Projekt eingelegt, weil der Bau den Grundwasserspiegel tangiert – das Bundesverwaltungsgericht wies sie im Januar jedoch ab. Der Ausbau soll bis 2030 fertig sein.
Quelle: OlhaSolodenko - Own work, wikimedia, CC BY-SA 4.0
Soll dereinst die nordöstlichen Quartiere in Bern mit Wärme versorgen: Die Aare.
Fernwärme aus der Aare
Bern – Die nordöstlichen Quartiere Berns sollen künftig mit Wärme aus der Aare versorgt werden. Der Grosse Rat hat vergangenen März die 40-jährige Konzession für die Nutzung des Aarewassers sowie die Baubewilligung für ein entsprechendes Fassungsbauwerk am westlichen Aareufer genehmigt. Dieses wird das Wasser durch eine bestehende Kaverne der EWB leiten und über zwei Energiezentralen in die umliegenden Quartiere verteilen. Bauherrin ist Energie Wasser Bern (EWB). Der Baustart für das Fassungsbauwerk und die Energiezentralen ist 2027 geplant. Ab Ende 2031 sollen erste Liegenschaften mit Wärme aus der Aare versorgt werden.
Quelle: Projektverfasser Reprise, Ingenieurgemeinschaft «dsp/SPP»
Visualisierung: Die Eisenbahnbrücke, ein wichtiges Element der Bahnlinie Solothurn–Biel, wird aus Altersgründen durch einen neuen Überbau ersetzt.
Historische Bahnbrücke über Aare wird ersetzt
Solothurn – Die SBB investiert rund 60 Millionen Franken in zwei Infrastrukturprojekte. Seit Dezember 2025 wird der Bahnhof West barrierefrei umgebaut. Gleichzeitig wird die historische Eisenbahnbrücke über die Aare ersetzt – der Wettbewerb gewann das Projekt «Reprise» von dsp/SPP und Architektin Corinna Menn (Bild oben). Der neue Überbau wird als Stahlbetonverbundbrücke ausgeführt. Bahnhof West soll Ende 2027 fertig sein, die Brücke 2028.
Neues Leben für altes Schloss
Quelle: helveticarchives.ch; Swiss National Library, Prints and Drawings Department, Gemeinfrei
Ein Gemälde (1784 – 1846) von Lory, Mathias Gabriel zeigt das zum Ende des Mittelalters errichtete Schloss in der Nähe von Murten.
Münchenwiler BE – Seit 1943 war das mittelalterliche Schloss Münchenwiler bei Murten im Besitz des Kantons Bern – nun wechselt es den Besitzer. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden die Landschaftsarchitekten Maren und Andreas Geser als Käufer auserkoren.
Das Ehepaar plant, das Schloss als Ensemble mit Park, Kirche und dem Schlossgut zu entwickeln: Neben einem reduzierten Hotel- und Gastronomiebetrieb sollen Miet- und Alterswohnungen für Menschen aus der Gemeinde entstehen. Weiter soll der Park öffentlich zugänglich sein und die Schlosssäle sollen von Vereinen genutzt werden können. Diesen November will man das Schloss für 2,5 Millionen Franken im 90-jährigen Baurecht übergeben.
Zweiter Anlauf für Sporthalle in Interlaken
Quelle: b-architekten
Der Rohbau der Dreifachsporthalle Interlaken steht, die Holzbauarbeiten haben begonnen.
Interlaken BE – Die Dreifachsporthalle des Gymnasiums Interlaken musste nach Baumängeln vollständig neu gebaut werden. Rund zehn Monate nach Baustart hoben sich im Februar 2024 die Bodenplatten in der Baugrube, weil die Verankerungen zwischen Bodenplatten und Fundamentpfählen versagten. Um weitere Schäden zu verhindern, wurde die Halle geflutet.
Eine Expertise stellte später Mängel am Tragwerk fest. Der Kanton Bern entschied sich daraufhin für einen Totalneubau. Und der Wiederaufbau kommt gut voran: Zusätzliche Pfähle und neue Bodenplatten stabilisieren das Fundament, der Rohbau steht und inzwischen haben die Holzbauarbeiten begonnen. Die Fertigstellung ist nun für Anfang 2027 geplant.
Aktuelle Wettbewerbe
Abstimmmungen
Das wurde im März an der Urne entschieden
Die Berner Stimmberechtigten haben im März über mehrere kommunale Vorlagen entschieden. Besonders deutlich fiel das Ergebnis in der Stadt Bern aus: Mit 83,1 Prozent Ja-Stimmen wurde der Baukredit von 22,3 Millionen Franken für die Sanierung des Lorrainebads gutgeheissen. Das 1892 erbaute Flussbad – eines der ältesten der Schweiz – soll ab Herbst 2027 umfassend erneuert werden. Geplant ist unter anderem, das Schwimmbecken direkt mit der Aare zu verbinden und einen neuen Kinderbereich zu schaffen.
Beim Gaswerk-Areal geht's voran
Im November 2025 stimmte die Stadtberner Bevölkerung den drei Vorlagen zur Überbauung des Gaswerkareals deutlich zu – mit Ja-Anteilen zwischen 73 und 79 Prozent. Auf dem Areal an der Aare sollen dereinst 300 bis 500 Wohnungen entstehen, ein Viertel davon als preisgünstiger Wohnraum. Nun geht es beim Areal voran: Die Stadt hat Anfang Mai das Baufeld «2B» ausgeschrieben und sucht nach marktorientierten Bauträgerschaften.
Bachverlegung nach Unwetter
In Brienz sprachen die Stimmberechtigten einen Rahmenkredit von 950’000 Franken für den Landkauf beim Milibach. Der Bach hatte im August 2024 eine Gerölllawine ins Dorf gebracht und zahlreiche Gebäude beschädigt. Nun soll er westwärts verlegt werden, um den betroffenen Dorfteil besser zu schützen. Der Kanton Bern sprach einen Kredit von 12,75 Millionen Franken. Mit den Mitteln unterstützt der Kanton die stark belastete Brienzer Schwellenkorporation.
Weitere Entscheide in den Berner Gemeinden: In Köniz wurden temporäre für 6,85 Millionen Franken Holzmodulbauten beim Schulhaus Juch bewilligt (76,9 % Ja), und Biel genehmigte die Sanierung der Kita Mett (6,3 Millionen Franken, 75 % Ja).
Neuer Polizeistützpunkt kommt
Der Kanton Solothurn kann für 84,5 Millionen Franken einen neuen zentralen Polizeistützpunkt in Oensingen bauen. Die Stimmberechtigten hiessen das Projekt am 8. März mit 61 Prozent Ja gut – 97 von 104 Gemeinden stimmten dafür. Der Neubau ersetzt die heute auf 16 Standorte verteilte, veraltete Infrastruktur der Kantonspolizei. Die Bauarbeiten sollen 2028 starten.
Die Solothurner Stimmberechtigten haben im März zwei kommunale Bauprojekte gutgeheissen. In Olten sprachen sich 71 Prozent für den Bau eines neuen Vierfachkindergartens auf dem Areal des Bannfeldschulhauses aus. Der zweistöckige Pavillon kostet 6,7 Millionen Franken und soll im Sommer 2028 bezugsbereit sein. Und in Fulenbach hiessen knapp 70 Prozent einen Kredit von 6 Millionen Franken für eine neue Sport- und Freizeithalle gut.
Ausblick auf Berner Vorlagen im Juni
Die Stadtberner Stimmberechtigten befinden am 14. Juni über ein breites Paket an Bauprojekten. Im Zentrum steht die Gesamtsanierung des Bernischen Historischen Museums: Das 1894 erbaute Haupthaus soll für 120 Millionen Franken saniert werden. Die Stadt Bern übernimmt ein Drittel der Kosten – rund 40,4 Millionen Franken. Parallel dazu wird über die Zonenplanänderung für den Tierpark Dählhölzli abgestimmt, die einen Ersatzneubau des Ökonomiegebäudes sowie ein neues Haupteingangsgebäude ermöglichen soll. Zudem entscheiden die Stadtberner über einen Baukredit von 8,3 Millionen Franken für ein zweites Schulraumprovisorium der Volksschule Steigerhubel. Ausserdem wird über den Kauf des Monbijou-Areals von Energie Wasser Bern für 63 Millionen Franken und über die Überbauungsordnung Ausserholligen abgestimmt. Sie soll auf dem ehemaligen EWB-Gelände vier Hochhäuser mit über 200 Wohnungen und 1000 Arbeitsplätzen ermöglichen.