Gotthard-Strassentunnel: Die Meissel rollen wieder
Nach einem Gesteinsniederbruch im Juni 2024 musste die Tunnelbohrmaschine «Paulina» im Gotthard-Strassentunnel monatelang pausieren. Nun rotieren die Rollenmeissel wieder – der konventionelle Sprengvortrieb hat die Störungszone erfolgreich entschärft.
Quelle: Astra - Nicola Demaldi
Die Störungszone Süd mit konventionellem Vortrieb entschärft. Dazu wurde sprengtechnisch vom Zugangsstollen Süd ein Verbindungsstollen auf die Ebene der zweiten Röhre erstellt.
Nach der Andrehfeier am 14. Februar 2025 setzte sich die Tunnelbohrmaschine «Paulina» bei Airolo in Gang. Mit zwei bis vier Umdrehungen pro Minute brechen die Rollenmeissel der 110 Meter langen Maschine Felsen aus dem Gotthardmassiv. Rund acht Kilometer lang ist der Streckenabschnitt auf der Südseite. In diesem Teil befindet sich die sogenannte Guspis-Zone, welche die Gesteinsformation nach oben hin zum Monte Prosa durchzieht. Bei der «Störungszone Süd» handelt es sich um ein vergleichsweise kurzes Teilstück, der laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) aus stark geklüftetem und teilweise losem Gestein besteht.
Quelle: Astra
Sowohl im nördlich gelegenen Teilstück des zweiten Strassentunnels als auch im südlichen Abschnitt befindet sich eine Störungszone.
Im Juni letzten Jahres befand sich die TBM in dieser «Störungszone Süd». Infolge eines Gesteinsniederbruchs musste am 23. Juni der Bohrvorgang nach rund 190 Metern kontrolliert angehalten werden. Unmittelbar nach dem Vorfall wurde im Bereich des Vortriebs die Störungszone mit konventionellen Bauhilfemassnahmen gesichert. Mit den Massnahmen sollte die Wiederaufnahme des maschinellen Vortriebs vorbereitet werden.
Konventionell ausgebrochen für maschinellen Vortrieb
In der Folge hat das Astra damals entschieden, den restlichen Abschnitt der komplexen Tremola-Geologie auf einer Länge von rund 500 Metern konventionell im Sprengvortrieb auszubrechen. Realisiert wurde laut Mitteilung des Astra ein Teilausbruch, bei dem bergmännisch lediglich das obere Drittel des Tunnelquerschnitts, die sogenannte Kalotte, abgetragen wird. Dafür habe sprengtechnisch vom Zugangsstollen Süd ein Verbindungsstollen auf die Ebene der zweiten Röhre erstellt werden müssen, der Ende Oktober fertiggestellt worden sei.
Quelle: Astra - Nicola Demaldi
Bei der Störungszone Süd erfolgte der konventionelle Vortrieb in beide Richtungen. Bild: Vorbereitung der Sprengung.
In dieser Zeit habe der Gegenvortrieb auch in Richtung Süden zur TBM hin aufgenommen werden können. Gleichzeitig sei auch in nördlicher Richtung konventionell vorgetrieben worden, wie das Astra im Februar erklärte. Damit kann die TBM ab Tunnelmeter 740 wieder in festem Gestein eingesetzt werden. Der Ausbruch der «Störzone Süd» verlaufe planmässig, hiess es damals.
Störungszone «Mesozoikum» im nördlichen Teil
Eine Störungszone quert auch im nördlichen Teil der Tunnelbaustelle die Gesteinsschichten. Insbesondere seit dem Bau der ersten Gotthard-Strassenröhre ist die Geologie entlang der Tunnelachse gut bekannt. Die «Mesozoikum» genannte Störungszone ist dort rund 320 Meter lang. Sie besteht nach Angaben des Astra grösstenteils aus Lockergestein.
Quelle: Astra - Valentin Luthiger
Die Störungszone Nord wurde bereits 2024 über einen separaten Zugangsstollen erschlossen und anschliessend bis September 2025 im Sprengvortrieb ausgebrochen.
Dieses Teilstück sei bereits 2024 über einen separaten Zugangsstollen erschlossen und anschliessend im Sprengvortrieb ausgebrochen worden. Die Arbeiten hätten im September 2025 abgeschlossen werden können. Ende April hat die TBM seit Beginn der Arbeiten vor 14 Monaten im harten Gestein bereits vier Kilometer zurückgelegt.
Im April wurden zudem die dreijährigen Vorbereitungsarbeiten für die bevorstehende Sanierung der ersten Gotthard-Röhre ab 2030 aufgenommen. Dafür werden laut dem Astra in einem ersten Schritt die asbesthaltigen Rinnen entfernt. (mgt/sts)
Quelle: Astra - Valentin Luthiger
Im nördlichen Abschnitt sind über weite Strecken die Werkleitungskanäle, die sich unter der künftigen Fahrbahn befinden, bereits eingezogen. Die Netzwerkgesellschaft Swissgrid wird Kabel hier durchführen.