Berner Kantonsparlament stellt sich hinter Grimsel-Kompromiss
Der bernische Grosse Rat sagte heute einstimmig ja zu einer Konzessionsänderung zur Erhöhung der Grimselstaumauer. Er stellte sich damit auch hinter einen Kompromiss zwischen der Stromwirtschaft und den Umweltverbänden, der mancherorts für rote Köpfe gesorgt hatte. Das Geschäft war bei allen Fraktionen unbestritten gewesen: Der gefundene Kompromiss erntete viel Lob. Gewisse Kritik gab es lediglich von SVP und EDU. Sie betraf Umweltmassnahmen betraf, die Teil des Kompromisses sind.
Quelle: Ximonic, Simo Räsänen - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Kubikmetern gehört der Grimselsee zu den grösseren Stauseen der Schweiz. Das höchste Fassungsvermögen hat der Lac des Dix mit rund 400 Millionen Kubikmetern.
Weil die Kraftwerke Oberhasli (KWO) den maximalen Wasserspiegel des Grimselsees um 23 Meter anheben wollen, will man die beiden Staumauern Spitallamm und Seeuferegg erhöhen. Mit einem solchen liesse sich zusätzliche Energie speichern und insbesondere im Winter nutzen. Laut Regierung entspricht dies einer Strommenge für die Versorgung von mehr als 53'000 Haushalten. Das Vorhaben sei von äusserst grossem öffentlichen Interesse und von kantonaler und nationaler Bedeutung, betonte der Regierungsrat. Die vorberatende Grossratskommission empfahl die Zustimmung zur nötigen Konzessionsänderung.
Mit Blick auf bedeutende Ausbauvorhaben im Grimsel- und Sustengebiet sicherten zahlreiche Umweltverbände dem Kanton Bern und den KWO zu, keine Beschwerden zu erheben. Im Gegenzug soll im Kanton Bern unter anderem auf die Nutzung von 53 Gewässerabschnitten zur Stromgewinnung verzichtet werden. Vereinzelte Kraftwerksanlagen, darunter das Simmewehr in Wimmis, sollen zurückgebaut werden. Namentlich im Berner Oberland hatte der Deal um die ökologischen Ausgleichsmassnahmen für hitzige Diskussionen gesorgt: Verschiedene Gemeinden, darunter auch die KWO-Standortgemeinde Innertkirchen, kritisieren, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden worden sei.
Der Grimsel-Kompromiss, eine Pionierarbeit
Es
gehe um ein Schlüsselprojekt der Berner, ja auch der Schweizer
Energieversorgung, sagte Regierungsrätin Evi Allemann (SP) heute vor dem
Rat. Der Kompromiss sei Pionierarbeit. Es sei unverständlich,
dass der Kompromiss bekämpft werde, sagte Beat Kohler namens der Grünen.
Man setze damit den Wasserkraftausbau aufs Spiel. Derweil zeigte sich SVP-Sprecher
Ruedi Fischer befremdet, dass die Umweltverbände
nur auf Beschwerden verzichten wollten, wenn an dem Kompromiss nicht
mehr geschraubt werde. "Das klingt doch sehr erpresserisch", sagte
Fischer. Doch trotz dieser "unschönen Nebengeschichte" wolle seine
Fraktion zustimmen. Er sei froh, dass es an der Grimsel nun
vorwärts gehe, betonte Stefan Nobs namens der FDP. Und auch Maya Weber
Hadorn (SP) bezeichnete den Kompromiss als "echten Tausch": mehr
Winterstrom gegen ökologische Massnahmen.
Am Ende gab es im Rat keine einzige Gegenstimme zur Konzessionsänderung. (sda/mai)