10:33 BAUPROJEKTE

Viererfeld-Überbauung in Bern kostet mindestens 80 Millionen mehr

Teaserbild-Quelle: Stadt Bern

Die geplante Überbauung Viererfeld/Mittelfeld in Bern kostet mindestens 80 Millionen Franken mehr als zunächst grob geschätzt. Grund dafür sind unter anderem die PFAS-Belastung des Bodens sowie die aufgelaufene Bauteuerung. 

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Quelle: Stadt Bern

Das Siegerprojekt fürs Viererfeld mit 1100 Wohnungen. Das Vorhaben gilt als ambitioniertes Prestigeprojekt der Stadt Bern, hat sich aber bereits mehrfach verzögert. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass der Bau der Wohnungen frühestens 2030 beginnen kann. Aktuell behindern Chemikalien-Funde das Weiterkommen.

Das Projekt Viererfeld/Mittelfeld sei in den vergangenen Monaten weiterentwickelt worden, heisst es in einer Mitteilung des Berner Gemeinderats von Freitag. So wurden die Vorprojekte und der Detailerschliessungsplan erarbeitet, die Teilprojekte konsolidiert und Anpassungen an der Projektorganisation für die nächsten Bauphasen beschlossen.

Gleichzeitig seien die Kosten für die Überbauung neu geschätzt und die Auswirkungen der PFAS-Belastung des Bodens vertieft abgeklärt worden. Denn zwischen 1970 und 2004 wurden die landwirtschaftlichen Flächen des Vierer- und Mittelfeldes mit Klärschlamm gedüngt – dieser enthielt PFAS, primär aus Industrieabwässern und Löschschäumen. Die Schadstoffe wurden im Frühjahr 2025 nachgewiesen.

Nach heutigem Kenntnisstand sei gegenüber den Grobkostenschätzungen von 2019 nun mit einem zusätzlichen Aufwand im Umfang von mindestens 80 Millionen Franken zu rechnen, heisst es. Die Stimmberechtigten hatten auf Basis der damaligen Schätzungen einen Kredit von rund 200 Millionen Franken bewilligt. Ein grosser Teil der Ursachen für die Mehrkosten sei nicht beeinflussbar gewesen, schreibt der Gemeinderat.

Teil des Bodens wird auf Areal verwertet

Die Mehrkosten durch die Aufbereitung der PFAS-Belastung werden auf rund 24 Millionen Franken beziffert. Der Kanton legte auf Antrag der Stadt projektspezifische Richt- und Prüfwerte fest, die im November 2025 vom Bundesamt für Umwelt bestätigt wurden. Ein Teil des Bodens könne damit nun wie geplant auf dem Areal verwertet werden – jedoch mit grossem zusätzlichem Aufwand. Belastetes überschüssiges Bodenmaterial muss hingegen kostspielig verbrannt und entsorgt werden.

Ebenfalls beziffert werden können laut Gemeinderat die 21 Millionen Franken, die seit 2019 bis heute an Teuerung aufgelaufen sind. Berücksichtigt werden hierbei gemäss Mitteilung die effektive Teuerung sowie die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes. Lediglich geschätzt werden können dagegen zusätzliche Aufwände bei der Infrastruktur, die teils durch die Folgen der Bodenaufbereitung entstehen sowie weitere Kosten, die in der fortschreitenden Planung sichtbar werden.

So habe zum Beispiel die PFAS-Belastung neben den Entsorgungskosten auch Auswirkungen auf einzelne Teilprojekte und die Abwicklung des Gesamtprojekts, heisst es weiter. Diese zusätzlichen Kosten werden laut Gemeinderat im weiteren Projektverlauf konkretisiert – sie belaufen sich auf mindestens 35 Millionen Franken.

Korrektur bei Planungsmehrwertabgabe

Zusätzlich zu den 80 Millionen Franken Mehraufwand ergeben sich weitere rund 26 Millionen Franken aus der Neubeurteilung der Planungsmehrwertabgabe. Sie steigt von ursprünglich 9,4 Millionen auf rund 35 Millionen Franken. «Diese Korrektur wird aufgrund eines Hinweises der Finanzkontrolle vorgenommen», heisst es in der Mitteilung.

Die höhere Abgabe fliesst in die Spezialfinanzierung Planungsmehrwertabgabe und kommt damit dem städtischen Gesamthaushalt zugute, während das Finanzvermögen belastet wird. Zurzeit werde geprüft, ob und in welchem Ausmass die zusätzliche Abgabe für die Finanzierung der Infrastruktur in der Gesamtentwicklung Viererfeld/Mittelfeld verwendet werden könne.

Generationenprojekt wird weitergeführt

Als nächster Schritt erarbeitet die Verwaltung Entscheidungsgrundlagen für den Umgang mit den nicht beeinflussbaren und den weiteren Kostenüberschreitungen. Dabei wird laut Gemeinderat auch die Frage geklärt, ob auf einzelne Projektelemente verzichtet werden kann und in welcher Höhe ein Nachkredit nötig ist. Die Entscheidungsgrundlagen sollen dem Gemeinderat spätestens im Sommer 2027 vorliegen.

Die Kostenentwicklung stehe der Weiterarbeit am Projekt derweil nicht im Weg, heisst es weiter. Auf dem rund 19 Hektar grossen Areal soll ein neues Wohnquartier entstehen. Vorgesehen sind zudem Arbeitsplätze, Naherholungsgebiete und eine neue Schule. Insgesamt sollen rund 3000 Menschen auf dem Areal wohnen können. Der Baustart mit Beginn der Bodenaufwertung ist nach heutigem Stand weiterhin im Herbst 2027 vorgesehen. (mgt/pb)


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