15:11 BAUPRAXIS

Solaranlage auf Staumauer Valle di Lei: Mauerkrone veredeln

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaserbild-Quelle: Stefan Schmid

Bei der Staumauer Valle di Lei in Graubünden hat das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen. Der Zubau von Solarflächen soll auch auf städtischen Gebäuden sowie auf privaten Dächern erfolgen, um die Solarstromproduktion bis 2030 zu vervierfachen. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Beteiligungsmodell.

Staumauer Valle di Lei

Quelle: Stefan Schmid

Bei der Kraftwerkgruppe Valle di Lei handelt es sich um ein italienisch-schweizerisches Gemeinschaftsunternehmen. Der See befindet sich grösstenteils ennet der Grenze, die Staumauer diesseits. Nutzen werden den Strom der Photovoltaik-Anlage (rechts) Verbraucher der Stadt Zürich sowie jene im EWZ-Versorgungsgebiet in Teilen Graubündens.

Während der Nachwuchs der italienischen Rudernationalmannschaft mit den Booten durch das Wasser des Staubeckens Lago di Lei pflügt, schieben die Facharbeiter des Kraftwerksbetreibers auf der Mauerkrone die letzten Panele in die Trägerkonstruktion. Die Bedingungen auf 1900 Metern sind nicht nur für Höhentrainings ideal, sondern auch für die Nutzung der Photovoltaik (PV). 

Neben der Höhenlage bietet auch die Ausrichtung der Staumauer Valle di Lei der Kraftwerke Hinterrhein AG (KHR) beste Voraussetzungen für eine effiziente Stromproduktion. Die rund 700 Meter lange Staumauer ist nach Süden ausgerichtet, sodass die seeseits montierten Solarmodule den Sonnenlauf optimal nutzen können. Mit der PV-Anlage erhöht das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) bei der nachhaltigen Stromproduktion die Schlagzahl. 

Bis 2030 will die Stadt Zürich laut Philipp Heinzer, Leiter Energie beim EWZ, die Produktion von PV-Strom vervierfachen. Im Einklang mit der Energiestrategie der Stadt soll das ambitionierte Ziel auch mit dem Zubau von PV-Flächen im hochalpinen Raum und auf städtischen Gebäuden erreicht werden. Der grösste Teil soll jedoch auf Dächern von privaten beziehungsweise institutionellen Eigentümerinnen und Eigentümer realisiert werden.

Gute Erfahrung mit ersten Anlage

Im alpinen Raum funktionieren PV-Anlagen hocheffizient, sodass im Jahresdurchschnitt 25 Prozent mehr Energie produziert werden kann als mit vergleichbaren Flächen im Mittelland. Eine Anlage mit äquivalenter Leistung müsste im Unterland eine um rund 20 Prozent grössere Fläche aufweisen. Die Gründe für die hohe Effizienz liegen in der besseren Sonneneinstrahlung, den tieferen Temperaturen sowie der Reflektion der Sonnenenergie durch Wasser und Schnee. Letzteres wird auch Albedo-Effekt genannt. 

Als vorteilhaft erweist sich zudem, dass in höher gelegenen Regionen der Alpen bei PV-Anlagen rund 50 Prozent des Stroms im Winterhalbjahr anfällt, wenn Energie am dringendsten benötigt wird und die Stauseen tiefe Pegelstände erreichen. Erfahrungen des EWZ mit einer Anlage ähnlicher Art bei der Albigna-Staumauer im Bergell zeigen, dass konstant gute Wintererträge resultieren.

Massanfertigung an Bogenmauer

Die Anlage beim Valle di Lei erstreckt sich über eine Länge von rund 550 Metern. Dabei mussten die PV-Module bei der Montage an die Neigung der doppelt gekrümmten Staumauer angepasst werden. In der Mitte beträgt der tiefste Winkel des Mauergefälles rund 65 Grad, seitlich sind es zwischen 80 und 90 Grad. Im Schnitt sind die rund zwölf Meter langen 48 Blöcke mit 22 Panelen bestückt. 

Um Inspektionen durchführen zu können, waren Auflagen des Bundesamts für Energie (BfE) zu erfüllen, beispielsweise das Freilassen der Blockfugen zu Kontrollzwecken. Eine knifflige Angelegenheit war daher die Anordnung der Blöcke, um auf der gesamten Länge der Anlage gleichmässig breite Blockfugen zu erhalten, sagt Tamás Szacsvay, Leiter Technik und Engineering der auf Planung und Realisierung von PV-Anlagen spezialisierten Reech GmbH. Das flexible Konzept der Anlage erleichtert zudem die Montage und den Ersatz von Panelen.

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Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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