08:10 BAUPRAXIS

Burgdorfer Brückenbautag: Sicher, schön und wirtschaftlich

Teaserbild-Quelle: BLS AG

Die Schweiz gilt als innovatives Zentrum des weltweiten Brückenbaus. Die topographischen und klimatischen Bedingungen erfordern Ideenvielfalt und anspruchsvolle Lösungen. Neubauten sowie der Erhalt und die Verstärkung bestehender Bauten standen im Mittelpunkt des Treffens, das zum zweiten Mal Schweizer Brückenbauingenieure und Infrastrukturbetreiber zusammenführte.

Ausbau Saaneviadukt

Quelle: BLS AG

Das Saaneviadukt wurde im Sommer fünf Wochen lang für den Einbau der neuen Stahlbrücke total gesperrt.

Schweizer Brücken erscheinen nicht auf den vorderen Plätzen der Ranglisten der imposantesten, höchsten oder längsten Bauwerke, die gewaltige Flüsse, Täler oder gar Meeresarme überspannen. Dennoch sind sie keineswegs weniger imposant, und ihre Anzahl ist angesichts der bescheidenen Grösse des Schweizer Territoriums sehr beeindrucken. Unter ihnen befinden sich auch einige Perlen der Architektur, die sich angesichts ihrer Ausführung, Lage und Form besonders hervorheben. Über 8000 Brücken sind allein im Schweizer Schienennetz aufgelistet, rund 3000 sind es auf den Nationalstrassen. 

Brücken wurden und werden für die Zukunft gebaut. Einige der Schweizer Brücken hätten ihre Lebens- beziehungsweise Nutzungsdauer längst überschritten, setzt man die während ihrer Erbauung getätigten Prognosen an. Doch Brücken werden im Gegensatz zu anderen Hochbauten nicht voreilig abgerissen. In teilweise aufwendigen Verfahren wird geprüft, wo Schäden bestehen, wie sie sich auf die statischen Eigenschaften des Bauwerks auswirken, ob die Brücke die teilweise stark zunehmenden Lasten weiterhin tragen kann und inwieweit Sanierungs-und Verstärkungsmassnahmen ökonomisch vertretbar sind. 

Sanierungen und Ersatzbauten für bestehende Brücken stehen im Mittelpunkt der Tätigkeit der Schweizer Brückenkonstrukteure. Aber auch Neubauten zeigen, wie vielfältig und ideenreich die zeitgenössischen Planer arbeiten. Der Hauptschwerpunkt der Tagung lag auf der Neuplanung und Erhaltung von Brücken unter anspruchsvollen topographischen und klimatischen Bedingungen. «Wir wollen Brücken bauen, die schön und gleichzeitig wirtschaftlich sind. Der Brückenbautag bringt Vertreter aus der Forschung Baufirmen und Planer zusammen. Dies fördert den Austausch und ermöglicht die Vorstellung interessanter aktueller Bauprojekte», betont der Veranstaltungsleiter und Professor of Risk Management an der Berner Fachhochschule, Dirk Proske. Das Programm gab einen abwechslungsreichen Einblick in das Schweizer BrückenbauGeschehen. 

Ersatzneubau über die Emme

Über 1000 Kunstbauten befinden sich auf auf den Strassen auf solothurnischen Gebiet, darunter sind 555 Brücken, Tunnel und Durchlässe. Drei der Strassenbrücke überspannen die Emme. Zwei dieser Emmebrücken finden sich zwischen Luterbach und Zuchwil. Dem Nutzer erscheinen sie als ein Einzelobjekt, die parallel verlaufenden Brücken wurden mit einer Längsfüge nebeneinander errichtet. Die alte, dreifeldrige Brücke stammt aus dem Jahr 1924. Bereits in den 1960er-Jahren wurde aufgrund des schlechten Zustands eine Studie zur Verbreiterung und Verstärkung aufgenommen. 1974 wurde die neue eigenständige Brücke mit gleicher Spannweite neben alte Brücke gestellt. 

2010 ergaben Überprüfungen, dass die alte Brücke aufgrund statischer Defizite am Ende ihrer Lebensdauer war. Eine Verstärkung wäre nur mit sehr hohem Aufwand möglich gewesen, deshalb wurde aus wirtschaftlichen Gründen ein Ersatzbau empfohlen. Die statische Überprüfung der jüngeren Brücke konnte keine statischen Defizite an den Bauteilen nachweisen. Parallel dazu erfolgten weitere materialtechnologische Überprüfungen. Sie ergaben Schwachstellen durch lokale Chloridkontamination aufgrund ungenügender Abdichtungen und Entwässerung, Betonkarbonatisierung, Kiesnester, Risse und Abplatzungen, zudem korrodierte Lager und Fahrbahnübergänge. «Die Brücke war noch statisch gut durchgebildet, aber es wäre nach der halben Nutzungsdauer eine umfassende Instandsetzung innerhalb fünf Jahren nötig gewesen», erklärt Nader Winkler, stellvertretender Abteilungsleiter Kunstbauten im Amt für Verkehr und Tiefbau, Solothurn. 

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