15:11 BAUBRANCHE

Bauregion Basel: Die Stadt wird zur Baustelle

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaserbild-Quelle: Ben Kron

Der Kanton Basel-Stadt baut die Fernwärme massiv aus – und beschert den Bewohnern für die nächsten 15 Jahre 50 Prozent mehr Baustellen. Finanziell geht es dem Stadtkanton prächtig, wie schon seit einigen Jahren. Auch Basel-Land schreibt schwarze Zahlen, hat aber mit den Gesundheitskosten zu kämpfen.

Bauregion Nordwestschweiz 2023, Basel, Marktplatz, Globus, Sanierung

Quelle: Ben Kron

Nur die Fassade blieb stehen: Das altehrwürdige Kaufhaus Globus am Basler Marktplatz wird von Grund auf neu gebaut.

Der Stadtkanton am Rheinknie wächst und floriert: Basel-Stadt verzeichnet vor allem dank Menschen aus der Ukraine und aus Deutschland die grösste Nettozuwanderung der letzten zehn Jahre. Konkret wuchs die Bevölkerung mit 2885 Personen, von denen 62 Prozent aus dem Ausland zuzogen.

Dazu hat der Kanton dank hoher Steuereinnahmen viel mehr Geld eingenommen als budgetiert, in Basel inzwischen ein Running Gag. Dieses Jahr dürfte ein Plus von 189 Millionen Franken resultieren; erwartet wurden lediglich 39 Millionen. Fürs nächste Jahr rechnet man mit einem Überschuss von 52 Millionen. Bereits in den letzten zehn Jahren gab es zum Teil üppige Gewinne – mit Ausnahme von 2016, als eine Pensionskassenreform die Bilanz trübte.

Steuererleichterungen beschlossen

Der Steuerfuss bleibt in Basel unverändert, doch hat das Stimmvolk ein 88 Millionen Franken schweres Paket gutgeheissen, das höhere Abzüge für Familien und andere Erleichterungen für die tieferen Einkommensschichten bringt, rückwirkend auf ­Beginn dieses Jahres.

Mit solider finanzieller Basis kann die Basler Regierung also wichtige Vorhaben vorantreiben: Sie hat kürzlich ihre Klimaschutzstrategie vorgestellt, in deren Rahmen sie den Langsamverkehr fördern, die Photovoltaik ausbauen und die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umkrempeln will. Auf diese Strategie soll ein konkreter Aktionsplan folgen, wobei die Regierung schon jetzt verspricht: Bis 2030 ist die ­Verwaltung von Basel-Stadt klimaneutral.

Zahlen Basel-Stadt

Quelle: Bundesamt für Statistik / *Zahlen per 31. 12. 2022 / **prov. Zahlen per 30. 06. 2023

Bauregion Nordwestschweiz 2023, Basel, Neubau Biozentrum

Quelle: Ben Kron

Mahnendes Beispiel: Der Neubau des Biozentrums dauerte drei Jahre länger als geplant und kostete über 100 Millionen Franken mehr.

15 Jahre lang Baustellen

Ein Pfeiler der nachhaltigen Energieversorgung ist im dicht besiedelten Halbkanton die Fernwärme: Bereits jetzt liegen 120 Kilometer Leitungen im Basler Untergrund. Und bis 2037 sollen weitere 60 Kilometer dazukommen, so dass am Ende 70 Prozent aller Haushalte angeschlossen sein werden. Der Weg dahin ist aber nicht ohne Hürden: Für die nächsten fünfzehn Jahre muss sich Basel-Stadt mit rund 50 Prozent mehr Baustellen herumschlagen. Bereits jetzt sind grössere Bauarbeiten im Gang, im Klein­basel sowie in den Grossbasler Quartieren Gellert und Gundeldingen. 460 Millionen beträgt das Investitionsvolumen des Gesamtprojekts, das der Kanton und der Energieversorger IWB gemeinsam realisieren.

Während diese Tiefbau-Arbeiten wegen ihrer Komplexität lange dauern, geht es bei anderen Bauprojekten des Kantons zu langsam voran, was diese am Ende auch verteuert. So zumindest sehen es Basler Politiker von links bis rechts: In einer Motion fordern sie eine deutliche Beschleunigung der Arbeiten auf öffentlichen Baustellen. Zur Illustration des Problems wird das neue Biozentrum herangezogen: Die Bauarbeiten dauerten statt vier ganze sieben Jahre, zudem wurde der Neubau letztlich über 100 Millionen teurer als geplant. Die Motion dazu lakonisch: «Die Roche hat das höchste Bürogebäude der Schweiz innerhalb von weniger als fünf Jahren gebaut.» Die Regierung soll deshalb innert Jahresfrist einen Massnahmenkatalog erarbeiten, um die Bauzeiten um mindestens ein Drittel zu verkürzen.

Grossprojekt im St. Johann

Im Fokus steht dabei auch ein anderes Grossprojekt: der gemeinsame Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs im Quartier St. Johann. Die Bau­arbeiten sind 2021 gestartet, 2026 soll das Gebäude den neuen Nutzern übergeben werden. Bis zur Eröffnung wird es dann aber nochmal dauern, denn die Institutionen brauchen Zeit für den aufwendigen Umzug ihrer Bestände. Aktuell soll das Grossprojekt beim Bahnhof St. Johann 214 Millionen Franken kosten.

Ein Fragezeichen schwebt derweil über einer anderen Grossbaustelle: Vom Kaufhaus Globus am Marktplatz, einer Basler Institution, ist nur noch die denkmalgeschützte Fassade übrig. Im Inneren wird das Gebäude seit einem Jahr komplett erneuert, was bis 2025 dauern soll. Da der Globus-Besitzer gemäss Medienberichten aber in finanzielle Schieflage geraten ist, machte man sich entsprechend auch Sorgen um den Fortgang der Bauarbeiten. Doch gemäss Investoren ist vom Bau­kredit von 172 Millionen Franken noch genug übrig.

Zwist um Federer-Halle

Auf ein paar Sandplätze auf der Sportanlage Schützenmatte lernte damals ein gewisser Roger Federer seine Tenniskünste. Nun soll auf dem Gelände die neue Halle des Tennisclubs Old Boys gebaut werden, bei denen Federer Ehrenmitglied ist.

Anders als bei seinem Anwesen bei Rapperswil geht es aber mit der Halle nicht voran: Anwohner störten sich an Lärm und Flutlicht durch die auf dem Dach geplanten Plätze. Diese sind deshalb aus dem Projekt gestrichen worden. Doch auch jetzt noch rechnen die Clubverantwortlichen, dass die Anwohner weiter gegen das Projekt vorgehen werden.

Da nützt es offenbar auch nichts, dass das prominente Ehrenmitglied beim Projekt mit an Bord ist: Federer unterstützt das Bauprojekt mit immerhin sieben Millionen Franken. (bk) 

Mehr dazu in der Projekt-Übersicht: www.baublatt.ch/basel-stadt

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Quelle: Ben Kron

Direkt an den Gleisen Richtung Frankreich entsteht der Neubau des Staatsarchivs und des Naturhistorischen Museums.

Neuer Hotspot der Innenstadt

Mit nur 30 Millionen eine Nummer kleiner ist eine andere Baustelle, nur einen Katzensprung vom Globus entfernt: Die altehrwürdige Hauptpost von 1880 wird umgebaut und soll nach dem Willen der lokalen Stararchitekten Herzog und De Meuron der neue Hotspot der Grossbasler Innenstadt werden: In den nächsten drei Jahren entstehen im Inneren Läden, Cafés und ­Büros. Und mit etwas Glück eine Rooftop-Bar, die eine einmalige Rundsicht der Altstadt bieten würde.

Kopfzerbrechen bereiten dem Halbkanton Basel-Stadt seine grossen Entwicklungsgebiete Dreispitz, Klybeck und Kleinhüningen: Die eingereichte Initiative «Basel baut Zukunft» verlangt, dass die Hälfte des neu geschaffenen Wohnraums in diesen Transformationsarealen gemeinnützig und in Kostenmiete vermietet wird, sehr zum Ärger der Investoren, die mit einem Rückzug drohten. Bedroht sind Projekte der Swiss Life, die rund die Hälfte des ­Klybeck-Areals aufgekauft hat, oder  der Christoph-Merian-Stiftung, der Besitzerin des Dreispitz-Areals.

Gegenvorschlag weckt Hoffnung

Die Regierung hat nun einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, der lediglich ein Drittel Kostenmiete vorsieht und von den ­Parteien allgemein als gute Lösung kommentiert wurde. Die Investoren reagierten ihrerseits vorsichtig positiv. Die Initianten sprechen von einem Schritt in die richtige Richtung, lassen aber noch offen, ob sie ihr Volksbegehren nun zurückziehen.

Bewegung kommt auch in eine weitere raumplanerische Pendenz, die 2014 vom Stimmvolk abgelehnte «Stadtrandent-wicklung Ost», also das Gebiet zwischen Schwarzwaldbrücke, Rheinacker und Landauer auf Kleinbasler Seite. Hier war ein Dutzend Wohnbauten geplant, was der Bevölkerung wohl zu wuchtig war. Eine anschliessende Befragung indes ergab, dass die Baslerinnen und Basler die Entwicklung des etwas abseits liegenden Quartiers sehr wohl begrüssen würden. Deshalb hat die Regierung sechs Büros eingeladen, um bis Ende Jahr in einer Ideenstudie Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. 

Basel, Sanierung Hauptpost, Herzog und de Meuron, Visualisierung

Quelle: www.hauptpost-basel.ch

So soll es im Inneren der erneuerten Hauptpost an der Freienstrasse aussehen, in der Mitte zwischen Markt- und Barfüsserplatz gelegen.

Durststrecke fürs Baselbiet

Auch Basel-Land freut sich heuer über schwarze Zahlen: Ein Plus von 26 Millionen Franken wird erwartet. Danach folgen drei Jahre mit leichten Defiziten, wobei vor allem die Bildungs- und Gesundheitskosten und anstehende Investitionen auf dem Staatssäckel lasten. Allein die erste Etappe des «Sek-II Campus Polyfeld» im Muttenz schlägt mit 43,4 Millionen Franken zu ­Buche. Immerhin: Ab 2026 soll die Finanzrechnung wieder im Plus abschliessen.

Solide sind auch die Gemeindefinanzen im Kanton Basel-Land: Das statistische Amt hat für 2023 nur in vier Gemeinden eine Anpassung des Steuerfusses für natürliche Personen verzeichnet. Bei den ­juristischen Personen erfolgte ein Systemwechsel vom Steuersatz zum Steuerfuss. 62 Gemeinden haben dabei sowohl bei der Ertrags- als auch bei der Kapitalsteuer den Maximalsteuerfuss von 55 Prozent festgelegt. 

Life-Science-Boom

Ein Ausscherer ist die Gemeinde Arlesheim, die kürzlich einen Steuerfuss von nur 50 Prozent beschlossen hat, um für Unternehmen attraktiver zu werden. Zum Unmut der Nachbargemeinden Muttenz, Münchenstein, Reinach und Aesch, welche die üblichen 55 Prozent verlangen. Arlesheim will damit an einem Baselbieter Boom teilhaben: Die Region wächst in Windeseile zu einem der weltweit grössten Life-­Science-Standorte heran. Ein Zentrum der Entwicklung ist das Bachgraben-Areal in Allschwil, direkt an der Landesgrenze zu Frankreich. Nach dem Baselink-Areal wurde kürzlich der Main Campus des «Switzerland Innovation Park Basel Area» eingeweiht, ein Riesenbau von Herzog und De Meuron, der 3000 Menschen Platz bietet und bereits zu 80 Prozent vermietet ist. 

Insgesamt sollen in den nächsten Jahren noch 4000 zusätzliche Arbeitsplätze im ehemaligen «Schlafdorf» Allschwil entstehen, wo zuletzt zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden und auch die Bevölkerung wieder wächst. Die grösste Baselbieter Gemeinde, die aktuell 21 000 Einwohner zählt, hat deshalb schon vor Jahren ein räumliches Entwicklungskonzept erarbeitet, um Quartierzentren zu stärken und die Hauptverkehrsachsen weiterzuentwickeln.

Allschwil, Campus, Herzog und de Meuron, (Links: Schweizerisches Tropeninstitut).

Quelle: Ben Kron

Das Allschwiler Bachgraben-Areal wird zum Zentrum für Medizin und Biotechnologie: 3000 Personen finden Platz im neu eröffneten Campus-Gebäude (links im Vordergrund der Bau des Tropeninstituts der Uni Basel).

Zentrum für Quanten-Computing

Arlesheim selbst wurde durch die Projekte «Uptown Basel» und «Quantum Basel» in den letzten Jahren bereits zu einem Zentrum für Quanten-Computing: Hier werden die kommerzialisierten Hochleistungs­rechner gebaut, welche die lokale Biotech-­Forschung benötigt.

Ebenfalls mit an Bord ist Reinach mit «iCity Reinach»: Das Dorf will eine erschwingliche Infrastruktur für Biotech-Start-ups bereitstellen: Das Projekt profitiert dabei von gleich mehreren, voll eingerichteten Laborgebäuden, welche die Chemiefirma Clariant hinterlassen hatte, und die vom Investor übernommen werden konnten.

Zahlen Baselland

Quelle: Bundesamt für Statistik / *Zahlen per 31. 12. 2022 / **prov. Zahlen per 30. 06. 2023

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Freier Mitarbeiter für das Baublatt.

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