Wenn nach dem Waldbrand der Borkenkäfer kommt
In geschwächten Fichten an Brandrändern können Borkenkäfern neue Brutmöglichkeiten finden. Wie sich ein Massenbefall der Insekten verhindern lässt und weshalb ein gezieltes Monitoring nach einem Waldbrand wichtig ist, weiss Alessandra Bottero, Waldökologin vom WSL Institut für Schnee und Lawinenforschung.
Quelle: Yves Bühler, Andreas Stoffel, Pierre Huguenin
Luftbild des Waldbrandgebiets Bitsch (VS) aus dem Jahr 2024. Links ist die verbrannte Fläche zu sehen, rechts der nicht direkt vom Brand betroffene Wald. Im Übergangsbereich befinden sich teilweise verbrannte sowie möglicherweise durch den Brand geschwächte Fichten. Solche Bäume können anfälliger für einen Befall durch den Buchdrucker sein.
Entziehen die Waldbrände den Borkenkäfern die Lebensgrundlage?
Nicht unbedingt.In den stark verbrannten Flächen finden Buchdrucker zwar meist keine geeigneten Brutbäume mehr. An den Rändern der Brandflächen kann die Situation jedoch anders aussehen. Dort überleben oft Fichten, die durch Hitze, Trockenheit, Wurzelschäden geschwächt wurden. Solche Bäume sind anfälliger für einen Befall und können geeignetes Brutmaterial für den Buchdrucker bieten. Ob sich daraus tatsächlich ein Ausbruch entwickelt, ist jedoch keineswegs sicher. Dafür müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein.
Welche?
Die Käfer müssen geschwächte Bäume besiedeln, solange deren Abwehrkräfte noch reduziert sind. Die Bäume müssen zudem noch genügend intaktes Bastgewebe unter der Rinde besitzen, damit sich Larven entwickeln können. Zudem dürfen natürliche Feinde die Zahl der Borkenkäfer nicht stark begrenzen. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren kann eine starke Zunahme der Population begünstigen.
Kann man etwas dagegen tun, dass sich die Borkenkäfer an den Grenzen zu den abgebrannten Flächen im grossen Stil niederlassen?
Besonders wichtig ist es, die Waldränder nach einem Brand aufmerksam zu beobachten. Geschwächte oder neu befallene Bäume sollten möglichst früh erkannt werden, damit sie – falls nötig – rechtzeitig entfernt werden können, bevor sich die Käfer massenhaft vermehren. Eine flächige Räumung der Waldränder ist dagegen meist weder notwendig noch sinnvoll. Entscheidend sind ein gezieltes und rasches Handeln.
Wenn in Folge des Klimawandels immer häufiger die Wälder in Europa brennen, findet der Borkenkäfer dann immer mehr gestresste Bäume als Habitat?
Generell erwarten wir, dass Trockenheit zunimmt und Störungen wie Waldbrände, Stürme und Borkenkäferbefall künftig häufiger oder intensiver auftreten. Für den Buchdrucker können insbesondere höhere Temperaturen günstige Bedingungen schaffen, denn die können seine Entwicklung beschleunigen, und Trockenstress schwächt die Abwehrkräfte der Fichten. Waldbrände sind dabei einer von mehreren Faktoren, die Bäume zusätzlich stressen können. Grundsätzlich gilt: Je mehr Fichten geschwächt sind – unabhängig davon, ob durch Trockenheit, Feuer oder andere Einflüsse –, desto anfälliger sind sie für einen Befall durch den Buchdrucker. (Interview Jochen Bettzieche, WSL / bb)
Quelle: Theresa Banzer / SLF
Durch den Waldbrand stark geschädigte Fichten im Waldbrandgebiet Bitsch (VS). Solche Bäume bieten dem Buchdrucker in der Regel keine geeigneten Brutbedingungen mehr.
Quelle: Gemeinfrei
Buchdrucker (Ips typographicus), früher als Fichtenborkenkäfer (Bostrichus typographus) bezeichnet. Illustration aus Meyers Konversations-Lexikon, um 1888.