16:37 VERSCHIEDENES

Die weltweit grösste Diamanten-Kollektion für Forschung und Lehre geht an Universität Bern

Teaserbild-Quelle: Dres Hubacher, Universität Bern

Die Universität Bern gilt als Diamantenforschungszentrum. Nun hat sie neues Forschungsmaterial erhalten: Jeffrey W. Harris und seine Gattin Francesca Harris haben der Universität ihre Diamantenkollektion gestiftet. Laut der Universität ist sie die weltweit grösste Sammlung für Forschung und Lehre.  

Oktaederische Mikrodiamanten aus Cullinan, Südafrika.

Quelle: Dres Hubacher, Universität Bern

Oktaederische Mikrodiamanten aus Cullinan, Südafrika.

Sie funkeln und glitzern einzigartig: Diamanten faszinieren nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen der Geschichten, die sie aus den Tiefen der Erde erzählen. Chemisch inert oder vielmehr äusserst widerstandsfähig und chemisch beinahe unveränderlich sind Diamanten denn auch eine Art Zeitkapseln, in denen Informationen über die Bedingungen ihrer Entstehung gespeichert sind. So sind die ältesten datierten Diamanten zirka 3,5 Milliarden Jahre alt, die jüngsten rund 55 Millionen. Sie umfassen damit einen bemerkenswerten Teil der 4,6 Milliarden Jahre alten Erdgeschichte. 

Manche von ihnen weisen winzige Einschlüsse von hochdichter Flüssigkeit, Schmelze oder Mineralien auf, die Einblicke in die Entwicklung der Erde gewähren. Sie ermöglichen Rückschlüsse auf die chemische Entwicklung des Erdmantels und auf die Abläufe der Plattentektonik  aber auch auf die Entstehung der Diamanten selbst. 

Die Universität Bern hat in diesen Tagen solch kostbares Material erhalten:  Jeffrey W. Harris, Honorary Research Fellow an der School of Geographical and Earth Sciences der Universität Glasgow, und seine Gattin Francesca Harris haben der Universität Bern ihre Sammlung gestiftet. Bern gilt als Zentrum für Diamantenforschung.  Mit der Erforschungs der Steine der «Harris Diamond Collection» wird Suzette Timmerman, Professorin für Isotopengeologie am Institut für Geologie der Universität Bern, betraut.

«Meine Untersuchungen sind insbesondere dank der einzigartigen Infrastruktur an der Universität Bern möglich», wird Timmerman in der Medienmitteilung zitiert. «Die Universität Bern verfügt als eine der wenigen Universitäten weltweit über eine eigene Diamantschleifscheibe, eine Diamantbrechanlage, modernste Massenspektrometrie für hochpräzise Isotopenanalysen sowie über weitere hochspezialisierte Anlagen und Methoden, um chemische Zusammensetzungen von Materialien räumlich sichtbar zu machen.» - Harris hatte sich für Timmermannach über zehnjähriger Zusammenarbeit für die Wissenschaftlerin als seine Nachfolgerin für die Aufsicht über die Diamanten entschieden. 

29'000 Rohdiamanten für Forschung und Lehre 


04_20260922_Medienmitteilung_UniBE_Diamantensammlung_©UniBE_Dres_Hubacher_web

Quelle: Dre Hubacher, Universität Bern

Ein Schachtel mit gefalteten Papierpäckchen, die Diamantproben enthalten.

Bei der «Harris Diamond Collection» handelt es sich um die grösste Diamantensammlung für Forschung und Lehre weltweit. Sie umfasst über 29’000 Rohdiamanten mit einem durchschnittlichen Wert von 10 US-Dollar pro Diamanten. Damit sei der materielle Wert der Sammlung beschränkt, heisst es in der Medienmitteilung der Universität Bern. Für die Forschung seien die Diamanten jedoch umso bedeutsamer. Timmerman dazu: «Diese grosse Anzahl an Diamanten bedeutet, dass für viele weitere Jahrhunderte Forschung damit betrieben werden kann.» 

Die Rohdiamanten stammen aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Asien und Ozeanien und sind von der Diamond Trading Company (DTC) in London für wissenschaftliche Forschungszwecke an Jeffrey W. Harris gespendet worden. Jede Spende sei durch die Original-Schenkungsurkunde dokumentiert, heisst es weiter. Die Sammlung wird ausserhalb der Universität aufbewahrt. 

Dank der «Harris Diamond Collection» neue Diamantenvorkommen entdecken 

Die Sammlung soll der Entdeckung neuer Mineralien sowie der Erforschung der Bewegung von Flüssigkeiten im Erdmantel dienen und des sogenannten tiefen Kohlenstoffkreislaufs. So stammen viele Proben der Sammlung von Orten, die nicht mehr zugänglich und noch nicht untersucht worden sind. Laut Timmerman hilft die Erforschung der Kollektion dabei, einen umfassenderen regionalen und globalen Überblick über die Prozesse der Diamantenbildung und die Veränderungen im Erdmantel zu gewinnen. 

Überdies kann ein besseres Verständnis der Bedingungen der Diamantenbildung dazu beitragen, neue Diamantenvorkommen zu finden. «Dies ist dringend notwendig, da Diamanten viele praktische Anwendungen haben, beispielweise in der Medizin oder in der Industrie, und viele Diamantenminen sich dem Ende ihrer Lebensdauer nähern», erklärt Timmerman. Zwar lässt laut der Forscherin der Bedarf an Diamanten etwa im Bereich der Medizin oder für Bohrer in der Industrie mit  synthetischen Diamanten decken, aber noch wird der Markt noch weitgehend von natürlichen Diamanten beherrscht. 

«Die Beschaffung von Diamantproben für die Forschung ist immer ein langwieriger Prozess, der stark von Unternehmen abhängt, die Diamanten für die Forschung spenden », sagt Timmerman. Die «Harris Diamond Collection» mache die Untersuchung von Diamantproben viel einfacher. (mai/mgt)

 


Jeffrey W. Harris mit einem 10-Karat-Diamanten.

Quelle: Jeffrey W. Harris

Jeffrey W. Harris mit einem 10-Karat-Diamanten.

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