15:01 VERSCHIEDENES

Wasser: Pflanzen in den Alpen trocknen Flüsse aus

Teaserbild-Quelle: ilyessuit, Pixabay-Lizenz

Während heissen, besonders dürren Sommern gedeihen Pflanzen in der Höhe zwischen 1300 und 3000 Metern über Meer im Vergleich zu ihren Schwestern im Tal unten besonders gut. Sie graben ihnen und den Menschen auf diese Weise im wörtlichen Sinne das Wasser ab. Dies ist die Erkenntnis einer Studie von Forschern der ETH.

Alprosen

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Durstige Pflanzen: Alprosen in den Bergen.

Bisher sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die meisten Pflanzen während Dürren unter Trockenstress litten, meldet die ETH in ihren Online-News. Um Wasserverluste zu vermeiden, schliessen die Pflanzen ihre Öffnungen, in der Folge wachsen sie nicht mehr und verdorren im schlimmsten Fall. Aus diesem Grund verdunsten Pflanzen bei Dürre weniger Wasser, ebenso verringert sich die Vedunstung von Wasser bei Boden- und Gewässeroberflächen. Diesen Vorgang bezeichnen Fachleute als Evapotranspiration.

„In höhreren Lagen, etwas bewaldeten Berggebieten, ist das jedoch nicht der Fall“, wird Simone Fatichi, Oberassistent am Institut für Umweltingenieurwissenschaften der ETH auf ethz.ch zitiert. Denn: Beobachtungen aus dem Hitzesommer vom 2003 und anderen sehr heissen Sommern legen den Schluss nahe, dass Berge und Grasland höherer Lagen während Dürrezeiten mehr Wasser in die Luft abgeben, als bei durchschnittlichen Temperaturen und genügend Niederschlägen.

Wachstum und Durst bei Sonne und Wärme

Den Grund hierfür orten die ETH-Wissenschaftler im Umstand, darin, dass viel Sonne und Wärme das Wachstum fördern und die Pflanzen dabei dann „den letzten Tropfen Wasser“ aus dem Grund saugen. Dementsprechend sei die Evapotranspiration in höheren Lagen bei Trockenheit viel höher als erwartet, heisst es im Newsportal der Hochschule.

Dieses Phänomen haben Fatichi und seine Kollegen nun mit Hilfe einee Computersimulation für den ganzen Alpenbogen untersucht, das auf Daten von über 1200 Messstationen des gesamten Alpenraums basiert. Damit berechneten sie, wie hoch die Anteile von sogenanntem grünem und blauem Wasser sind. Bei grünem Wasser handelt es sich um Wasser, das über Evapotranspiration in die Luft gelangt, bei blauem um solches, das aus Gewässern abfliesst.

Wenn Pflanzen für trockene Flussbette sorgen

Mit der Simulation berechneten die Forscher, dass die Evapotranspiration bewaldeter Berggebiete im Hitzesommer 2003 in grossen Teilen der Alpen überdurchschnittlich war. In jenem Sommer hätten die Fliessgewässer der Alpen im Durchschnitt nur die Hälfte der sonst üblichen Wassermenge geführt. Der Anteil den die Evapotranspiration verursacht hatte, lag bei einem Drittel. „Die Vegetation in dieser Höhenlage sei somit massgeblich an den halbausgetrockneten Flüssen und Bächen gelegen, so Fatichi auf ethzh.ch. Zudem haben die Forscher einen Temperaturanstieg von drei Grad im Alpenraum simuliert. Ein Szenario, das Ende des Jahrhunderts Realität sein könnte.

Die Folge einer sochen Entwicklung: Die Abflussmenge von Flüssen und Bächen steht noch mehr unter Druck. Fatichi rechnet mit einer Verschiebung von blauem zu grünem Wasser, was wiederum die Wasserversorgung in tiefer gelegenen Regionen innerhalb der und am Rand der Alpen langfristig gefährdet. (mai)

Den Artikel finden Sie hier: ethzh.ch

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