SLF simuliert Bergstürze an einem 3D-Modell von Blatten VS
Forschende des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF haben ein detailgetreues 3D-Modell der Region Blatten VS erstellt, um Massenbewegungen zu untersuchen. Die Experimente sollen helfen, Naturgefahren zuverlässiger einzuschätzen.
Quelle: Roman Oester / SLF
Die Region um Blatten (VS) im Modell: Wegen räumlicher Gegebenheiten mussten die Forschenden des SLF ihr Modell spiegelverkehrt aufbauen. Der Ort liegt in der rechten Hälfte der Ebene.
Die Versuche sollen die Zuverlässigkeit von Computermodellen erhöhen, mit denen Behörden von Kantonen und Gemeinden künftig Gefahren für Siedlungen und Infrastruktur beurteilen, wie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF am Dienstag mitteilte. Für die Experimente wurde die Landschaft um Blatten im Massstab 1:577 nachgebaut.
Parallel zu solchen physischen Modellen entwickelt die Forschungsgruppe auch virtuelle Modelle am Computer, die Szenarien von Massenbewegungen in den Alpen zeigen, vom Murgang bis zum Bergsturz. In Zukunft sollen damit gemäss Mitteilung die Verantwortlichen für Naturgefahren von Kantonen und Gemeinden erkennen, ob Infrastruktur oder gar Siedlungen bedroht sind.
Modell aus 56 Einzelteilen
Das Modell von Blatten befindet sich in einem ehemaligen Militärbunker bei Davos. Es hat eine maximale Grösse von 5,4 auf 4,5 Metern und besteht aus 56 gedruckten Einzelteilen. Nach dem Zusammensetzen wurde das Modell beschichtet und lackiert, um die gewünschte Rauheit und die optischen Eigenschaften zu erzielen, so Hervé Vicari, wissenschaftlicher Mitarbeiter am SLF, in der Mitteilung.
Quelle: Roman Oester / SLF
Ablagerung: Die weissen Linien kennzeichnen, wie weit die Felsmassen in der Realität gekommen sind.
In den Experimenten wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Lehm in einem Eimer angerührt und in einem Kasten mit einer Klappe über das Modell geleitet. Zahlreiche Kameras, Laser, Sensoren sowie ein 3D-Scanner messen dabei Grössen wie Abflusshöhe, Geschwindigkeit, Auslaufstrecke, Ablagerung und Aufpralldynamik der künstlich erzeugten Massenbewegung.
Weitere Projekte geplant
«Derzeit interessieren wir uns besonders für den Einfluss der Geländekrümmung auf die Strömungsdynamik», wurde Johan Gaume, Leiter der Forschungsgruppe Alpine Massenbewegungen am SLF und ausserordentlicher Professor für Alpine Massenbewegungen an der ETH Zürich, in der Mitteilung zitiert.
Künftig könnten laut SLF auf dem Unterbau des Modells auch andere Regionen und Geländeformen montiert werden. Zahlreiche weitere Projekte seien geplant, die unterschiedliche Effekte untersuchen sollen, etwa Erosion, den Aufprall auf Hindernisse oder das Hochlaufen der Massen an Gegenhängen. Laut den Forschenden handelt es sich beim Modell um eine langfristige Forschungsinvestition. (pb/mgt/sda)
Zur ausführlichen Mitteilung des SLF: www.slf.ch