Studie: Warum es aktuell wenig Agri-Photovoltaik-Anlagen gibt
Agri-Photovoltaik-Anlagen liefern nicht nur Strom und sondern können auch ein Salatfeld vor Hagel schützen oder Bodenfeuchtigkeit für die unter ihnen gedeihenden Erdbeeren erhalten. Dennoch tragen solche Anlagen wenig zur Stromversorgung bei. Warum das so ist, klärte ein Team der ZHAW. Eine der Ursachen: Bewilligungsverfahren und fehlende Stromabnehmer.
Quelle: ZHAW
Agri-PV-Anlage auf dem ZHAW Campus Grüental in Wädenswil.
Von der starken Sonneneinstrahlung profitieren und gleichzeitig bessere Bedingungen für Gemüse und Co. schaffen: Am geeigneten Ort installiert könnte Agri-Photovolatik – Anlagen auf Landwirtschaftsflächen –bei der Anpassung an die zunehmend wärmeren Temperaturen helfen. Denn weil der Schatten der Solarmodule dafür sorgt, dass Bodentemperatur und Verdunstung sinken, bleibt die Feuchtigkeit im Boden länger erhalten. Überdies bremsen solche Anlagen Wind in Bodennähe und können so die Gefahr von Winderosion verringern. . Und bei Kulturen wie Beeren oder Obst können Agri-PV-Anlagen gar gegen Hagel oder starke Niederschläge teilweise ergänzen oder ersetzen oder bereits bestehende, entsprechende Massnahmen ergänzen. Allerdings: Wie stark sich derlei auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken, hängt von Standort und Anlagendesign aber auch von den Kulturen ab – und muss standortspezifisch beurteilt werden
«Die Technologie ist nicht das Problem»
Trotz ihres Potenzials tragen Agri-PV-Anlagen zurzeit weniger als ein Promille zur Schweizer PV-Stromproduktion bei. Weshalb das so ist, versuchte ein Team der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Rahmen mit einem Bericht zu klären.
Es kam zum Schluss, dass Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit stark vom Standort abhängen. Fehlen zum Beispiel lokale Stromabnehmer, sinkt die Rentabilität meist deutlich. Zudem wirken sich gemäss Studie die kantonal unterschiedlich interpretierten Bewilligungsanforderungen hemmend aus. Aber auch die Kosten für Netzabklärungen, Bodenuntersuchungen oder Vorstudien, die bereits anfallen, bevor überhaupt klar ist, ob das Projekt überhaupt bewilligt und sich wirtschaftlich umsetzen lässt. «Die Technologie ist nicht das Problem. Entscheidend ist, ob ein Projekt trotz den hohen Anforderungen bewilligt werden kann, ob der Anschluss ans Stromnetz zu vertretbaren Kosten möglich ist und ob sich die Anlage unter den heutigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lässt», sagt Jürg Rohrer, Professor für Erneuerbare Energien an der ZHAW und Co-Autor des Berichts.
Autoren empfehlen klarere und verlässlichere Rahmenbedingungen
Rohrer und seine Kollegen empfehlen daher, die Investitionssicherheit zu erhöhen, den gesetzlichen Rahmen für Agri-PV-Anlagen zu vereinfachen und schweizweit zu harmonisieren. Im Weiteren sollten neutrale Beratungsangebote interessierte Landwirtschaftsbetriebe von der Erstabklärung bis zur Projektumsetzung begleiten. Dies, weil Agri-PV-Projekte Fragen der Landwirtschaft, Photovoltaik, Raumplanung, des Netzanschlusses und der Stromvermarktung miteinander verbinden. So lassen sich Risiken bereits in einer frühen Projektphase reduzieren.
Die in der Publikation präsentierten Forschungsergebnisse wurden mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Bundesamts für Energie im Rahmen des SWEET-Konsortiums EDGE erarbeitet. (mgt/mai)
Der Bericht kann hier heruntergeladen werden: https://digitalcollection.zhaw.ch