Hochrechnung: Mehr als 1800 lokale Stromgemeinschaften gegründet
Das Anfang Jahr neu eingeführte Modell für lokale Stromgemeinschaften ist laut Swissolar ein Erfolg. Bereits nach sechs Monaten gibt es schweizweit rund 1800 solcher Zusammenschlüsse, wie eine erste Hochrechnung des Branchenverbands für Sonnenenergie zeigt.
Die Zahlen basieren auf einer Erhebung bei den 30 grössten Schweizer Verteilnetzbetreibern und Daten der Plattform für lokale Elektrizitätsgemeinschaften, wie Swissolar am Mittwoch mitteilte. Für die Erhebung wurden 1323 lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) erfasst. Da die Netzgebiete der befragten Betreibenden rund 71 Prozent der Bevölkerung abdecken, rechnete der Verband die Zahl auf die ganze Schweiz hoch.
Eine LEG – oft lokale Stromgemeinschaft genannt – ist ein Zusammenschluss von Stromproduzenten, Verbraucherinnen und optional Speicherbetreibenden in einer Gemeinde. Das Modell ermöglicht es, selbst produzierten Solarstrom direkt an die Nachbarschaft zu verkaufen oder von dort zu beziehen.
Die Verbreitung der Gemeinschaften ist laut Swissolar nicht gleichmässig. In manchen Regionen seien bereits viele Projekte aktiv, in anderen noch keine. Als mögliche Gründe dafür nannte der Verband die unterschiedliche Nachfrage sowie abweichende Prozesse, IT-Systeme oder Angebote der jeweiligen Netzbetreiber.
Auch die Grösse der einzelnen LEG variiert stark. Im Durchschnitt besteht eine Gemeinschaft aus 7,2 Teilnehmenden oder Anschlüssen. Die Spanne der regionalen Durchschnittswerte reicht jedoch von drei bis 29 Teilnehmenden pro LEG. Dies zeige, dass neben kleinen Nachbarschaftsverbünden auch grössere Zusammenschlüsse entstünden, hiess es weiter.
Ein Fünftel produziert Strom
Die Daten geben auch Einblick in die Zusammensetzung der Gemeinschaften: Rund 22 Prozent der Teilnehmenden produzierten selbst erneuerbaren Strom. Davon waren 13 Prozent sogenannte «Prosumer», die Strom sowohl produzieren als auch verbrauchen, und neun Prozent reine Produzenten. 78 Prozent der Mitglieder wiederum bezogen lediglich Strom.
Laut Swissolar besteht noch erhebliches Potenzial. Denn trotz des positiven Starts sieht der Verband weiterhin Hürden. Er fordert etwa, das gesetzliche Potenzial beim Rabatt auf die Netznutzung auszuschöpfen. Zudem sollten unnötige Gebühren vermieden und die Stromlieferung innerhalb einer LEG auch über Gemeindegrenzen hinweg ermöglicht werden. (sda)
Lesetipp: Wie eine Lokale Elektrizitätsgemeinschaft konkret funktioniert und wer davon profitiert, lesen Sie in unserem Hintergrundbericht «Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG): Sauberer Strom aus dem Quartier».