Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG): Sauberer Strom aus dem Quartier
Seit Anfang des Jahres können private Betreiberinnen von Photovoltaik-Anlagen mit mehr Nachbarn als bisher zusammenspannen. In den Lokalen Elektrizitätsgemeinschaften finden Produzenten in ihrer ganzen Gemeinde Abnehmerinnen für den überschüssigen Strom. Was hinter dem Modell steckt.
Quelle: Malcolm Mittendrin/Unsplash
Die strahlende Sonne über Winterthur kurbelt die lokale Stromproduktion in den Lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) an. Die gemessen an der Bevölkerungszahl sechstgrösste Stadt des Landes ist in puncto LEG die Nummer eins.
Der Weg zur Mitgliedschaft in einer Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) ist schnell und unkompliziert. Auf der Webseite www.leghub.ch finden Interessierte einen LEG-Check. Fällt er positiv aus, das heisst wenn an ihrer Adresse der Anschluss an eine LEG möglich ist, gelangen sie ein paar Klicks und Angaben später zu einem Beitrittsformular. Wer eine Stromrechnung mit der Kunden- und der Messpunkt-Nummer in Griffweite hat, kann dieses rasch ausfüllen.
Das gilt zumindest für jene, die als blosse Stromkonsumenten der nächsten LEG im Verteilgebiet von Stadtwerk Winterthur beitreten möchten, wie das beim Schreibenden der Fall ist. Nach gut zehn
Minuten erhält er schliesslich ein Bestätigungs-Mail: Die Anfrage zum Beitritt
in die lokale Elektrizitätsgemeinschaft, die zu seinem grossen Erstaunen wenige
Hausnummern weiter in derselben Siedlung ihren Sitz hat, sei eingegangen.
Sobald die Anfrage vom LEG-Vertreter und dem lokalen Stromversorger freigegeben
sei, werde der angehängte Vertrag zur digitalen Unterzeichnung zugestellt.
Läuft weiterhin alles so reibungslos, so könnte er – stets
bei genügend Sonnenschein – bereits ab dem übernächsten Monat Solarstrom direkt
aus dem Quartier beziehen. Und womöglich bei der Stromrechnung ein paar Franken
sparen. Denn laut der Webseite von Stadtwerk
Winterthur erhalten Konsumeniernde einen Rabatt von 40 Prozent auf den Bestandteil Netznutzung ihrer Stromrechnung. Auf den Gesamtpreis des Standard-Stromprodukts bezogen, beträgt die Reduktion 15 Prozent. Jede bei Sonnenschein konsumierte Kilowattstunde Solarstrom aus den LEG sei somit stets günstiger als eine solche mit Netzstrom.
Starke regionale Unterschiede
Womöglich haben diese Kostenvorteile – die nicht überall mit
dem neuen Modell verbunden sind – neben den seit längerem fliessenden
Informationen seitens des örtlichen Stadtwerks dazu geführt, dass sich die Eulachstadt zu
einer Hochburg der LEG zu entwickeln scheint. Laut Angaben des Bundesamts für
Energie (BFE) sind aktuell bereits 155 LEG in Winterthur aktiv. Zum Vergleich: Innerhalb des
Verteilnetzes des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) wurden gemäss BFE 130 LEG gebildet, von denen 108 aktiv sind. Der Berner Energieversorger BKW
meldet 28 aktive und 100 geplante LEG. Im Verteilgebiet der Zentralschweizer
CKW haben laut BFE 54 LEG den bis zu drei Monate dauernden Prozess zwischen
Gründung und Aktivierung abgeschlossen und den Betrieb aufgenommen (Zahlen per
April/Mai).
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