Brienz BE: 12,5 Millionen Franken für Massnahmen am Milibach
Auch wenn noch kein definitiver Wasserbauplan mit Kostenvoranschlag vorliegt, hat der bernische Grosse Rat einstimmig einem Verpflichtungskredit für Hochwasserschutzmassnahmen abgesegnet. Es geht um maximal 12,75 Mio. Franken für Projektierung und den Landerwerb für die Verlegung des Millibachs.
Quelle: Steff999 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Die überflutete Autobahnausfahrt der A8 bei Brienz, am 27. August 2005.
Der Rat eilte damit der örtlichen Schwellenkorporation zu Hilfe, die nach dem verheerenden Unwetter vom August 2024, bei dem der Milibach grosse Schäden angerichtet hatte, in einen Liquiditätsengpass geriet. Damals war in Brienz ein ganzen Dorfteil verwüstet worden: Rund 60 Gebäude waren betroffen. Umfangreiche Not- und Räumungsmassnahmen waren nötig. Die Schwellenkorporation erarbeitete umgehend ein Schutzkonzept mit der Verlegung des Milibachs nach Westen, es dürfte geschätzte 25 Millionen Franken kosten. Aufgrund der ausserordentlichen Situation hatte sich die Schwellenkorporation gezwungen gesehen, die Arbeiten voranzutreiben, obwohl ihr eigentlich die Mittel fehlten.
Gemäss Praxis zahlt der Kanton normalerweise erst an Hochwasserschutzprojekte, wenn mit dem Bau der Wasserbaumassnahmen begonnen worden ist. Davon wird nun ausnahmsweise abgewichen: Der Grosse Rat genehmigte heute Montag einen Verpflichtungskredit von maximal 12,75 Millionen Franken für die Projektierung und den Landerwerb für die Bachverlegung. Ein Aufschub der Massnahmen am Milibach wäre mit grossen Risiken für die Bevölkerung behaftet. Die Schwellenkorporation müsse die Projektierung am Milibach auch mit Rücksicht auf die grosse Betroffenheit der Eigentümer der zerstörten und beschädigten Gebäude "mit höchster Priorität" fortsetzen, schrieb der Regierungsrat in seinem Antrag.
Brienz leidete in den letzten Jahren immer wieder unter Unwetterschäden
Regierungsrätin Evi Allemann (SP) sprach am Montag im Rat von einem Härtefall und warb für Zustimmung; diese signalisierten die Fraktionen denn auch. Es brauche ein klares Signal nach Brienz, dass die Gemeinde unterstützt werde, forderte unter anderen Alfons Bichsel namens der Mitte. Der Rat überwies das Geschäft einstimmig mit 148 Stimmen. Das beschleunigte Verfahren wurde im Kanton Bern in der Vergangenheit nach aussergewöhnlichen Ereignissen bereits angewendet, zum Beispiel nach dem Lawinenwinter 1999.
Die Gemeinde Brienz ist seit mehreren Jahren wegen grosser Unwetterschäden und zwingend notwendiger Hochwasserschutzprojekte finanziell stark beansprucht. Von den steilen Hängen des Brienzergrates fliessen mehrere Bergbäche durch Brienz: der Trachtbach, der Glyssibach, der Lammbach, der Schwanderbach und eben der Milibach. In der Vergangenheit traten die Bäche immer wieder über die Ufer und richteten heftige Schäden an, etwa 2005, als am Glyssibach eine Schlammlawine über 20 Häuser zerstörte und zwei Personen tötete. (sda/mai)