16:07 VERSCHIEDENES

Bödmerenwald im Muothoathal: Wenn der Nutzwald zum Urwald wird

Teaserbild-Quelle: Peter Brang, WSL

Hochgelegene, unbewirtschaftete Nadelwälder in kaltem Klima verändern sich zwar langsam, aber deutlich: Im Muotathaler Bödmerenwald hat sich die Holzmenge lebender Bäume innert 44 Jahre um 50 Prozent erhöht. Das zeigt die aktuelle Waldinventur der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL.

Bödmerenwald

Quelle: Peter Brang, WSL

Ein grosser Teil des Bödmerenwalds befindet sich auf einem über 1500 m Meereshöhe gelegenen Hochplateau. Aufgrund des an vielen Orten felsreichen, stark zerklüfteten Untergrunds gibt es sehr unterschiedliche Licht- und Bodenverhältnisse. Viele er bis zu 35 Meter hohen Fichten haben schmale Kronen, damit im Winter nicht zu viel Schnee auf den Ästen liegen bleibt, wodurch diese abbrechen könnten.

Der Bödmerenwald ist eines der 50 Reservate in der Schweiz, in denen die Entwicklung vom Nutzwald zum Urwald mit wissenschaftlichen Methoden erforscht wird: Vom Wald, der Eigentum der Oberallmeindkoroporation Schwyz ist, sind 1971 fünf Hektaren unter Schutz gestellt und die Holznutzung ist beendet worden. Mittlerweile sind 463 Hektaren geschützt, was einer Fläche von über 500 Fussballfeldern entspricht.

Holzvolumen nahm um 50 Prozent zu

Wie die WSL mitteilt, hat das durchschnittliche Holzvolumen in den 44 Jahren seit der letzten Inventur um die Hälfte zugenommen, von 187 auf 280 Kubikmeter pro Hektare. Der Sturm Vivian, der 1990 auch im Bödmerenwald gewütet hat, konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Dass sich der Sturm Vivian auswirken konnte, dürfte vor allem daran liegen, dass die Waldbewirtschaftung eingestellt wurde und die Bäume seitdem ungestört wachsen können. Bis sich das in einem grösseren Holzvolumen zeige, dauere es allerdings im nasskalten, schneereichen Klima dieses Gebirgswaldes Jahrzehnte, schreibt die WSL.

Weil aber höhere Temperaturen die jährliche Wachstumszeit verlängern, wird andererseits der Klimawandel den Zuwachs wohl leicht fördern: Die Anzahl lebender Bäume mit einem Stammdurchmesser von mehr als 7 Zentimetern blieb seit 1974 unverändert. Das heisst, das nachwachsende junge Bäume die Anzahl der abgestorbenen Bäume kompensiert haben. Zudem sind immer mehr Bäume - zurzeit sind es etwa 3.5 Bäume pro Hektare - zu Giganten mit Stammdurchmessern von 80 Zentimetern und mehr geworden.

Bei über 85 Prozent der Bäume handelt es sich um Fichten, etwa 7% Bergföhren, 4% Birken und 1.5% Weisstannen – wie die WSL festhält ist diese eine für dieses kalte Klima typische natürliche Baumartenzusammensetzung.

Totholz als Basis für mehr Biodiversität


Bödmerenwald

Quelle: Peter Brang / WSL

Tief beastete, stark vermoderte Baumleiche auf einer Teilfläche des Bödmerenwalds, auf welcher der Orkan «Vivian» 1990 zahlreiche Bäume umwarf. Nach drei Jahrzehnten sind junge Fichten, Vogelbeerbäume und Birken nachgewachsen, die Baumhöhen von bis zu zehn Metern erreichen.

Totholz ist für die Biodiversität eine wichtige Grundlage. Davon gibt es in diesem Waldreservat 52 Kubikmeter pro Hektare, wovon drei Viertel auf liegende Stämme und ein erheblicher Anteil auf stark vermodertes Totholz entfallen. Im Vergleich zu anderen ungenutzten Waldgebieten und zu den meisten bewirtschafteten Wäldern ist dies zwar viel, aber weniger als in Urwäldern in klimatisch ähnlichen Gebieten, etwa in den Alpen oder den Karpaten. Dass es nicht mehr ist, führen die Wissenschaftler der WSL auf die Alpwirtschaft zurck, für die noch lange Holz genutzt wurde.

Dennoch sei der Bödmerenwald ist in einem sehr naturnahen Zustand und wirkt stellenweise schon fast wie ein Urwald, teilt die WSL mit. Die Menge von stehendem und liegendem toten Holz nimmt zu, was vielen holzbewohnenden und -abbauenden Organismen wie Käfern, Holzwespen und anderen Insekten nützt, aber auch Lignin- und Zellulose abbauenden Baumpilzen. Viele Bäume weisen auch Kleinlebensräume wie Baumhöhlen und Stammverletzungen auf, die sie für Vögel, Insekten und Pilze interessant machen. Daneben gedeihen im Bödmerenwald viele seltene Moose, Flechten und Pilze, was aber für die aktuelle Studie nicht weiter untersucht worden ist. (mgt/mai)

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