15:18 MEINUNG

Kolumne von Mario Freda: «Planung und Handwerk spannen zusammen»

Teaserbild-Quelle: SMGV

In der Kolumne berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Mario Freda, Zentralpräsident des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands SMGV, beschäftigt sich der Zusammenarbeit von Planern und Ausführenden. 

Mario Freda Zentralpräsident SMGV

Quelle: SMGV

Mario Freda ist ­Zentralpräsident des Schweizerischen Maler- und Gipser­unternehmer-Verbands SMGV.

Die österreichische Novellistin Marie Ebner von Eschenbach hat schon vor über 100 Jahren gewusst: «Theorie und Praxis sind eins wie Leib und Seele, und wie Seele und Leib liegen sie grossenteils miteinander im Streit.» Auch auf dem Bau geraten Theorie und Praxis, sprich: Planer und Ausführende, oftmals aneinander. Die Ausführenden werfen den Planern vor, realitätsfremd zu denken, und Planer halten Handwerker für unflexibel. Das hängt auch mit der klassischen Rollenverteilung zusammen: Viel zu oft entwerfen die Planer im stillen Kämmerlein eine Lösung, und die Handwerker führen aus, ohne die Lösung zu hinterfragen oder sich konstruktiv einzubringen.

Wenn Planer und Ausführende jedoch auf Augenhöhe zusammenarbeiten, können daraus überraschend kreative Arbeiten von hoher Qualität entstehen. Deshalb hat der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) 2014 den Innovationswettbewerb «Farbe – Putz – Dämmung» ins Leben gerufen. Der Wettbewerb löste ein positives Echo in der Ausbaubranche aus, förderte die Zusammenarbeit der Fachleute und liess Planer und Ausführende über sich hinauswachsen.

Angespornt von der hohen Qualität der eingereichten Beiträge hat der SMGV die Auszeichnung weiterentwickelt und noch breiter abgestützt. Mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) fand der SMGV einen weiteren kompetenten Fachpartner. An der Fachmesse «appli-tech» 2021 konnten wir erstmals den neuen «Schweizer Preis für Putz und Farbe» verleihen. Dabei steht der Teamgedanke noch immer im Vordergrund. So möchten wir erreichen, dass Theoretiker und Praktiker gleichermassen an einem Projekt beteiligt sind – von der Planung bis zur Umsetzung – und dass sie voneinander lernen, sich gegenseitig inspirieren und zu Höchstleistungen antreiben. Und wir möchten damit den Einsatz von Putz und Farbe bei qualitativ hochwertigen Bauten in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken. Gerade in einer Zeit, in der das Klima in aller Munde ist, sollten Putz und Farbe mehr und stärker thematisiert werden. Denn auch bei der energetischen Sanierung spielen sie eine tragende Rolle.

Die Preisträger des «Schweizer Preises für Putz und Farbe» beweisen immer wieder, dass sich Schönheit, Alltagstauglichkeit und Nachhaltigkeit durchaus verbinden lassen – sofern Planer und Handwerker an einem Strang ziehen. Gelungen ist dies auch dem diesjährigen Sieger der Kategorie «Putzfassade/Farbgestaltung»: Trotz knapper Flächenverhältnisse befinden sich im Zürcher Wohnhaus Rautihalde erstaunlich vielfältige und attraktive Wohnungen. Das prägnanteste Merkmal des Bauwerks ist aber der gestalterische Umgang mit seinen Fassaden. Die Erdverbundenheit des Sockels wird mit einem mineralischen Dickputz demonstriert, der Mittelbereich des Hauses hebt sich mit einem fein abgeriebenen Putz ab, während der obere Teil des Gebäudes durch einen senkrecht gerillten Kammputz abgeschlossen wird. Indem die Architekten ihre Ideen zusammen mit dem Handwerksbetrieb entwickelt haben, konnten sie dem Wohnhaus einen originellen Charakter verleihen.

Die vielen hochstehenden, jährlich eingereichten Projekte zeigen, dass Theorie und Praxis immer besser harmonisieren. Planer und Ausführende haben erkannt, dass sie gemeinsam stärker sind. Denn wie der Automobilhersteller Henry Ford sagte: «Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg.»

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