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Adrian Wildenauer: «Digitalisierung und Real Estate – zwischen Anspruch und Wirklichkeit»

Geschrieben von: Adrian Wildenauer
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In seiner Kolumne beschäftigt sich Adrian Wildenauer von der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ mit der Frage, warum die Digitalisierung in der Immobilienbranche trotz grosser Investitionen nur schleppend vorankommt. Er zeigt, weshalb Real Estate zwischen strukturellen Hürden und kulturellem Widerstand feststeckt – und warum jetzt konsequentes Umdenken gefragt ist.


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Quelle: zvg

Seit Kurzem Leiter des neu geschaffenen Center for Smart Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ: Adrian Wildenauer.

Die Immobilienbranche ist ein Paradoxon: Einerseits wird seit Jahren die digitale Transformation gefordert, zum Teil massiv investiert, andererseits zeigt die Praxis, dass viele Unternehmen noch immer mit den Grundlagen und soliden Daten kämpfen. Während andere Branchen längst datengetrieben arbeiten, hinkt Real Estate hinterher, trotz enormer wirtschaftlicher Bedeutung und erheblicher Potenziale.

Warum fällt die Digitalisierung im Real Estate so schwer?

Die Gründe sind vielschichtig: Die Branche ist stark fragmentiert, Projekte sind komplex und involvieren zahlreiche Akteure mit unterschiedlichen Interessen. Immobilien haben Lebenszyklen von mehreren Jahrzehnten, was langfristige Datenstrategien und klare, dauerhafte Prozesse erfordert. Zudem fehlt es oft an digitalen Kompetenzen und der Bereitschaft, etablierte Prozesse grundlegend zu überdenken. Die Excelliste von Herrn Meier aus dem Controlling zählt nicht dazu!  Die anfänglichen Investitionskosten für Software, Hardware und Schulungen schrecken gerade kleinere Unternehmen ab.

Hinzu kommt: Immobilien sind physische Assets, die man anfassen, begehen und erleben kann. Diese Greifbarkeit vermittelt oft eine trügerische Sicherheit nach dem Motto «Was jahrzehntelang funktioniert hat, wird auch weiterhin funktionieren». Doch diese Haltung wird zunehmend zum gelebten Risiko.

Wo Digitalisierung bereits Wirkung zeigt

Dort, wo Digitalisierung konsequent umgesetzt wird, zeigen sich beachtliche Erfolge: Building Information Modeling (BIM) kann Planungsfehler reduzieren und kann eine präzisere Termin- und Kostenkontrolle ermöglichen. Digitale Zwillinge, virtuelle Abbilder physischer Gebäude, können den Betrieb optimieren und Energiekosten senken. PropTech-Lösungen können Vermietungsprozesse automatisieren, die Mieterkommunikation verbessern und Transparenz bei Bewirtschaftungskosten schaffen.

Besonders interessant: Datengetriebene Entscheidungen verändern das Portfoliomanagement grundlegend. Wer heute weiss, welche Gebäude wie energieeffizient sind, welche Sanierungskosten anstehen und wie sich die Nachfrage entwickelt, kann strategisch klügere Investitionsentscheidungen treffen. ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) werden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Investoren verlangen transparente Nachweise zur Nachhaltigkeit, Regulierungen wie die EU-Taxonomie verschärfen die Anforderungen, auch indirekt in der Schweiz.

Das Spannungsfeld: Technologie versus Mensch

Doch Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Die beste Software hilft nichts, wenn Menschen sie nicht verstehen oder akzeptieren. Hier liegt das eigentliche Spannungsfeld: Wie schaffen wir den Wandel von traditionellen, oft persönlich geprägten Arbeitsweisen hin zu datenbasierten, standardisierten Prozessen, ohne dabei die menschliche Kompetenz und Erfahrung zu verlieren?

Die Antwort liegt in kluger Kombination: Technologie soll repetitive Aufgaben übernehmen, Daten strukturieren und Entscheidungsgrundlagen liefern. Menschen sollen sich auf strategische Fragen, Beziehungsmanagement und kreative Lösungsfindung konzentrieren können. Change Management wird dabei zum entscheidenden Erfolgsfaktor: ohne Akzeptanz der Beteiligten scheitern selbst die besten digitalen Lösungen.

Was bedeutet das für uns in der Schweiz?

Die Schweizer Immobilienbranche steht vor einer Weichenstellung. Während Grossunternehmen und institutionelle Investoren bereits systematisch digitalisieren, tun sich kleinere und mittlere Unternehmen, also über 90% der Branche, noch schwer. Branchenverbände haben begonnen, gemeinsame Standards zu entwickeln. Erste Pilotprojekte zeigen vielversprechende Ergebnisse, insbesondere bei der Integration von BIM in Planungs- und Bewirtschaftungsprozesse.

Entscheidend wird sein, dass Digitalisierung nicht als isoliertes IT-Projekt verstanden wird, sondern als umfassende Transformation von Geschäftsmodellen, Prozessen und Kulturen. Wer heute investiert, in Technologie, aber vor allem in Kompetenzen und Change-Begleitung, wird morgen wettbewerbsfähig bleiben. Wer zögert, riskiert den Anschluss zu verlieren.

Ein Blick nach vorn

Die Zukunft von Real Estate wird digital sein, nicht, weil es technologisch möglich ist, sondern weil wirtschaftliche, regulatorische und gesellschaftliche Anforderungen es erzwingen. Klimaziele erfordern transparente Daten zu Energieverbräuchen und CO-Bilanzen. Investoren verlangen nachvollziehbare ESG-Nachweise. Nutzer erwarten zeitgemässe, flexible Lösungen für Wohnen und Arbeiten.

Das Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und Real Estate löst sich nicht in Wohlgefallen auf: es erfordert aktives Gestalten. Die Branche muss lernen, mit Daten umzugehen, neue Kompetenzen aufzubauen und Partnerschaften einzugehen. Doch wer diese Herausforderung annimmt, wird nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch nachhaltigere, wertstabilere Immobilien schaffen für kommende Generationen.


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Quelle: Proxyclick Visitor Management System, Unsplash

Entscheidend ist gemäss Adrian Wildenauer, dass Digitalisierung nicht als isoliertes IT-Projekt verstanden wird, sondern als umfassende Transformation von Geschäftsmodellen, Prozessen und Kulturen. Wer heute investiert, wird morgen wettbewerbsfähig bleiben.

Geschrieben von

Adrian Wildenauer ist Leiter Center Digital Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ und sitzt im Vorstandsausschuss von Bauen digital Schweiz.

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