Künstliche Intelligenz: KI-Nutzung wächst laut Studie, bleibt aber ungleich verteilt
Bei Schweizer Unternehmen ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zwar weit verbreitet, KI wird aber meist selektiv und nicht systematisch genutzt. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage bei rund 2500 Unternehmen im Rahmen einer heute Dienstag veröffentlichten Studie der UBS und des Marktfoschunginstituts Intervista.
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Mensch und KI - ein eingespieltes Team? Die wenigsten Unternehmen setzen KI systematisch ein.
«Viele Firmen nutzen KI, wenige systematisch», wird UBS-Ökonom Alessandro Bee in der Medienmitteilung zitiert. «Nur die wenigsten Firmen setzen KI systematisch in allen Geschäftsprozessen - Entscheidungsfindung, Produktentwicklung, Prozessautomatisierung und Kundenbetreuung - ein». Kleine Unternehmen nutzen KI gemäss der Umfrage vor allem für Analysezwecke, während bei grossen Firmen die Automatisierung von Geschäftsprozessen die meistgenannte Anwendung ist. Je höher der Digitalisierungsgrad einer Branche, desto eher eigne sich das Unternehmen für den Einsatz von KI, heisst im Communiqué.
Laut den Studienautoren deutet das Gesamtbild auf eine pragmatische Nutzung hin. Rund 60 Prozent der Schweizer Unternehmen setzen demnach bereits KI ein, wobei sich deutliche Unterschiede je nach Unternehmensgrösse und Branche zeigen. Besonders stark verbreitet ist die Nutzung in grossen Unternehmen sowie in digitalisierten Wissensbranchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), bei Finanzdienstleistern und in der Pharmaindustrie. Deutlich zurück liegen hingegen der Bau, Verkehr, Gesundheit, Handel sowie traditionelle Industriebranchen wie Holz, Papier und Textil.
KI hilft vor allem bei Datenanalyse, bei Entscheiden und bei der Produktverbesserung
In der Praxis wird KI laut der Studie vor allem für vergleichsweise niederschwellige Anwendungen eingesetzt. Rund die Hälfte der Unternehmen nutzt sie zur Datenanalyse und Entscheidungsunterstützung oder zur Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen. Die Automatisierung von Geschäftsprozessen spiele insbesondere bei grösseren Firmen eine wichtige Rolle. Etwa ein Viertel der Unternehmen setzt KI zudem für Innovation und Produktentwicklung ein. Nur wenige Unternehmen hätten KI bereits zum Kern ihres Geschäftsmodells gemacht - eine Ausnahme bilde die IKT-Branche.
Als zentrales Ergebnis hebt die UBS die starke Abhängigkeit der KI-Nutzung vom Digitalisierungsgrad hervor. Unternehmen mit gut ausgebauter IT-Infrastruktur und strukturierten Daten - typischerweise grössere Firmen - könnten KI deutlich besser einsetzen und sähen auch mehr Nutzen darin. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügten dagegen oft nicht über diese Voraussetzungen und nutzten KI daher seltener und weniger umfassend.
KI wird wegen Automatisierungspotenzial überwiegend als Chance gesehen
Auch bei der Bewertung zeigt sich laut Umfrage ein klares Muster: Stark digitalisierte Branchen wie IKT und Finanzwesen betrachten KI überwiegend als Chance - insbesondere wegen Produktivitätssteigerungen, besserer Entscheidungen und Qualitätsverbesserungen. Branchen mit tieferem Digitalisierungsgrad - etwa Bildung, Kultur oder Teile der Industrie - sähen KI häufiger als Risiko. Insgesamt überwiege aber klar die Wahrnehmung von KI als Chance, nicht zuletzt wegen der Automatisierungspotenziale.
Für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen keine radikale Umwälzung, sondern eine schrittweise Ausweitung der KI-Nutzung.
Viele planten eine Intensivierung, nur wenige wollten ganz darauf verzichten. Gleichzeitig rechnen die Unternehmen eher mit moderaten Auswirkungen auf die Beschäftigung: Erwartet werde zwar ein leichter Rückgang, aber kein massiver Stellenabbau. KI werde vor allem als Entlastung für Mitarbeitende gesehen, nicht als vollständiger Ersatz. Am stärksten verändere KI die Anforderungen an Arbeitskräfte. Der Bedarf steige insbesondere bei IT- und Digitalkompetenzen sowie bei analytischen und kreativen Fähigkeiten, während einfache Kommunikationsaufgaben eher an Bedeutung verlören. Gleichzeitig bleibe der Fachkräftemangel für viele Unternehmen ein zentrales Hindernis, heisst es in der Studie.
Insgesamt zeichnet die Untersuchung eine zweigeteiltes Bild: Grosse, digital gut aufgestellte Unternehmen treiben KI aktiv voran und profitieren stärker davon, während viele kleinere Firmen noch abwartend sind und den Zugang zu KI durch fehlende Digitalisierung, begrenzte Ressourcen und Unsicherheit über den konkreten Nutzen erschwert sehen
Wenn die Datenbasis den Forschritt bei der KI-Anwendung ausbremst
Eine zweite Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach verfügen 97 Prozent der befragten Organisationen in der Schweiz über laufende KI-Initiativen. Viele sähen sich beim nächsten Schritt jedoch ausgebremst: Nur 5 Prozent gaben an, dass ihre Datenbasis bereits ausreichend auf den Einsatz von KI vorbereitet sei. 60 Prozent der Unternehmen planen laut der ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Erhebung, ihre Investitionen in den kommenden zwölf Monaten weiter zu erhöhen. Gleichzeitig berichteten bereits 69 Prozent von ersten messbaren Erträgen aus KI.
Die quartalsweise durchgeführte globale "D&B AI Momentum"-Umfrage basiert auf Befragungen von 10'000 Unternehmen in 32 Ländern. (awp sda/mgt/mai)