18:18 BAUBRANCHE

Stromversorgung in der Schweiz: Iran-Krieg sorgt für Unsicherheiten

Teaserbild-Quelle: Bild: Zvg

Nachdem die Stromversorgung letzten Winter durchgehend gewährleistet war, ist wegen des Iran-Kriegs aktuell unklar, wie es nächsten Winter bezüglich Gasversorgung aussieht. Der Konflikt könnte sich auf die Stromversorgung in der Schweiz und in Europa auswirken. Das zeigt der Rück- und Ausblick zur Versorgungssicherheit in der Schweiz der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom). 

Flüssigas-Tanks auf einem Lastschiff

Quelle: Markus Kammermann, Unsplash

Zwei Flüssigas-Tanks auf einer Barge, einem Lastschiff für Binnengewässer. (Symbolbild)

Vergangenen Winter war die Schweiz laut ElCom in «ausserordentlich grossem Ausmass» auf Netto-Stromimporte angewiesen: Sie umfassten rund 6.8 Terawattstunden, was ungefähr einem Fünftel des Winter-Landesverbrauchs entspricht. Der Grund: Im Mai letzten Jahres musste das Kernkraftwerk Gösgen wegen dringenden Reparaturarbeiten für rund zehn Monate heruntergefahren werden. – Das KKW Gösgen deckt im Winter rund 13 Prozent des landesweiten Stromverbrauchs. 

Die Importe stammten hauptsächlich aus Frankreich: Hier sorgte eine sehr hohe Produktion der Kernkraft für Überschüsse, die wiederum das Marktpreisniveau dämpften. Für die Schweiz belief sich der mittlere Spotmarktpreis auf 120 Euro pro Megawattstunde, er lag damit leicht unter dem Niveau des Winters 2024/25 (122 EUR/MWh). Dies, obwohl der Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus ab März den Gaspreis und damit auch den Strompreis in den europäischen Märkten in die Höhe trieben.

Der Unterhalt und der Erneuerung des Stromübertragungsnetzes muss laut ElCom beschleunigt werden: Etwa 60 Prozent der rund 12’000 Tragwerke seien zwischen 50 und 80 Jahre alt, schreibt sie in ihrer Medienmitteilung. Damit der in den nächsten Jahren «signifikant ansteigende Erneuerungsbedarf» sichergestellt werden kann, spricht sich die Kommission für weitere Vereinfachungen beim sogenannten Netzexpress aus. Dazu gehört neben dem «Freileitungsgrundsatz» auch ein «Verschlechterungsverbot», das sicherstellen soll, das bereits bestehende Trassen ohne Hürden weiterhin genutzt werden können.

Winter 2026/27: Die Strasse von Hormus und die Rolle der Gaskraftwerke

Was die Aussichten auf den kommenden Winter betrifft, zeichnet der Bericht der ElCom ein eher durchzogenes Bild. Dies, weil die Gaskraftwerke bei der Versorgungssicherheit in Europa eine wichtige Rolle einnehmen, vor allem dann, wenn Verbrauchsspitzen und Phasen mit reduzierter Produktion mit erneuerbare Energie abgedeckt werden muss. Die aktuellen Unsicherheiten im weltweiten Flüssiggasmarkt im Zusammenhang mit der Strasse von Hormus schlagen sich darum im Risiko bei der Stromversorgungssicherheit nieder aber auch in der Marktpreisentwicklung.  

Daneben sind die Füllstände der europäischen Gaslager aktuell tief. In welchem Ausmass sie bis Anfang kommenden Winter wieder aufgefüllt werden können, ist gemäss ElCom unklar. Der Grund dafür liegt im Einfluss des Iran-Kriegs auf die Gaspreise: kurzfristige Lieferungen sind teurer als diejenigen für den Winter. Unsicherheiten gibt es aber auch allgemeine was die Entwicklung der Gas- und Strompreise anbelangt und ebenso was die Verfügbarkeit von Gas für den Betrieb von Gaskraftwerken betrifft.

Immerhin lässt sich aus den aktuellen Marktpreisentwicklungen im Strommarkt nicht auf eine drohende physische Stromknappheit schliessen: Die Preise im Markt auch trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten deutlich unter jenen während der Krisenjahre 2021/2022, wie die ElCom in ihrer Medienmitteilung schreibt. Denn Europa verfügt heute über deutlich grössere Kapazitäten bei Flüssigas- respektive LNG-Terminals und ist damit beim Gasimport flexibler. Ausserdem ist die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke im Vergleich zur damaligen Situation ausserordentlich hoch. Daneben verweist die ElCom verweist auf Prognosen, die von einer anhaltend hohen Verfügbarkeit im kommenden Winter ausgehen.

Ein Restrisiko für die Stromversorgungssicherheit bleibt trotzdem. Dies gilt laut ElCom etwa dann, wenn die Strasse von Hormus länger geschlossen bleibt, die europäischen Gaslager nur beschränkt aufgefüllt werden, die Temperaturen besonders tief sind oder der Gasverbrauch steigt, weil zu wenig erneuerbare Energie produziert wird. (mai/mgt)


Blackout auf der Iberischen Halbinsel im April 2025 und die Lehren daraus

Vor kurzem hat das European Network of Transmission System Operators for Electricity (ENTSO-E) seinen Schlussbericht zum Blackout auf der iberischen Halbinsel vom April letzten Jahres veröffentlicht, an dem auch die Swissgrid und die ElCom mitgearbeitet haben. 

Der Bericht, bei dem der Fokus auf dem Thema Spannungshaltung liegt, illustriert laut ElCom, dass mehrere Ursachen gleichzeitig für den Blackout verantwortlich gewesen sind. Zwar erscheine heute ein ähnlicher Vorfall in der Schweiz aufgrund ihres spezifischen Produktionsmixes, ihrer geographischen Lage und der starken internationalen Vernetzung als unwahrscheinlich. Dennoch seien die Erkenntnisse in den Arbeiten zur Weiterentwicklung von Standards im Strommarkt unbedingt zu berücksichtigen. Dazu gehört gemäss ElCom, die ausreichende Bereitstellung der Spannungshaltung im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energien ausreichend bereitgestellt wird und die Schwarzstartfähigkeit und der Netzwiederaufbaus jederzeit gewährleistet sind. (mgt/mai)

Auch interessant

Anzeige

Firmenprofile

Stiftung Umwelt Arena Schweiz

Finden Sie über die neuen Firmenprofile bequem und unkompliziert Kontakte zu Handwerkern und Herstellern.

Reports

construction-report

Die neuen Baublatt Reports

Neben dem Report Baublatt Project Categories (ehem. Baublatt Analyse), bieten wir ab sofort zwei weitere brandneue Reports als Zusatz. Erfahren Sie hier was Baublatt Top Players und Baublatt Regional Projects zu bieten haben – wie gewohnt digital, prägnant und graphisch auf den Punkt gebracht.

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

newsico

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.