Jonas Lauwiner: Der König der Schweiz ohne Schloss
Jonas Lauwiner hat ein bislang brachliegendes Geschäftsfeld entdeckt: Der Berner lässt herrenlose Grundstücke auf sich eintragen und verkauft sie anschliessend weiter. Das hat ihm den Übernamen «König der Schweiz» eingebracht – und einigen Ärger.
Quelle: zvg
Der «König der Schweiz» in seiner Paradeuniform. Den Übernamen gab ihm eine ausländische Zeitung.Jonas Lauwiner tritt zwischendurch entsprechend auf – um seinem Tun ein Augenzwinkern hinzuzufügen, sagt er.
Jonas Lauwiner wohnt in einem schlichten Einfamilienhaus auf einem nicht gerade prachtvollen Stück Land am Rande von Oberburg bei Burgdorf BE. Hohe Bäume überschatten den Ort. Einen Kontakt zum Besitzer der Immobilie findet man nicht. Ausser man kennt Jonas Lauwiner persönlich, auch bekannt als «König der Schweiz». Seine Hoheit ist nur per Briefpost erreichbar. Natürlich arbeitet aber auch er mit Handy, Computer und E-Mail. Der Brief ist angekommen und Lauwiner hat das Baublatt eingeladen. Gerne würde er das Haus neben dem seinen kaufen, sagt er im Interview. Doch der Nachbar hält daran fest. Sonst hätte Lauwiner die Immobilie längst in seinem Portfolio und aus dem Fleck eine Idylle gezaubert, die einem König gerecht wird.
Wie er mit Ländereien Geld verdient
So konzentriert er sich auf den Handel mit Grundstücken – allerdings nicht auf konventionelle Art: Der 31-Jährige lässt sich im Grundbuchamt als Besitzer herrenloser Ländereien und Immobilien eintragen und verkauft sie an Interessenten. Ein Geschäft, an dem sich einige stören – wohl zu Recht, denn «auf die Idee hätte jeder kommen können», sagt Lauwiner. Er allerdings liess der Idee Taten folgen. Nun schauen viele neidisch auf den «König der Schweiz». Ein Name, den ihm übrigens die deutsche Presse gab. «Ich kreiere keinen Charakter zur Bespassung der Nation. Das ist ernst, aber mit einem Augenzwinkern, das mag ich an meinem Übernamen.»
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Das «Schloss» von Lauwiner in Oberburg BE. Davor stehen auch Militärfahrzeuge, wie etwa ein Panzer, mit dem er nach einem Gezänke mit dem Strassenverkehrsamt wieder auf öffentlichen Strassen fahren darf.
Er habe stets auf seinem eigenen Land leben wollen, erzählt Lauwiner, für den Interview-Termin im eleganten Anzug gekleidet. Der 31-Jährige wirkt unkompliziert, offen, nahbar, voller Tatendrang. Kein Springinsfeld, der nur grosse Worte spuckt. Er weiss genau, was er tut. Lauwiners Vater kaufte bei einer Auktion eine Wiese von 800 Quadratmetern und schenkte sie seinem Sohn zum 20. Geburtstag. Damit begann alles.
Lauwiner hatte den Plan, ab 45 nicht mehr arbeiten zu müssen, und fing früh an, sein Ziel zu verfolgen: Er wohnte in einer Berner Mansarde für 200 Franken pro Monat: «Es war sauheiss da drin.» Selten ging er in den Ausgang und wenn, kaufte er sich die Drinks nicht teuer in Bars. Zum «Vorglühen» erstand er alkoholische Getränke im Coop. «Mit kleinen Sachen kommst du weiter», hat er gelernt. Das widerspricht seinem Anspruch, mehr zu wollen, nicht. Wer gross raus will, muss oft erst untendurch.
Eines Tages sah er ein Gelände, das brach lag. Als er bei der Gemeinde nachfragte, wem es gehöre, bekam er zur Antwort: Es gebe keinen Besitzer, kaufen könne man das Land dennoch nicht. Lauwiner liess sich beraten. Ein befreundeter Notar sagte ihm, dass man in der Schweiz herrenlose Grundstücke okkupieren, also besetzen, könne – ganz legal.
Mit einer Erklärung und der Unterschrift des Notars liess er sich beim Grundbuchamt als Besitzer jenes Geländes eintragen. «Ich dachte mir, das kann nicht das einzige herrenlose Grundstück im Land sein.» Er sah sich im Internet um, bei Gemeinden und Grundbuchämtern. «Viele Gemeinden machen nichts aus ihren herrenlosen Ländereien, trotzdem soll sie kein anderer bekommen. Man legt mir ständig Steine in den Weg.»
Hohe öffentliche Präsenz
Seit sein Name durch die Medien geistert, sind Kommunen und Kantone aufgescheucht, Volk und Medien empören sich. Viele wollen ein Gesetz, das den Umgang mit herrenlosen Grundstücken regelt. Jonas Lauwiner lächelt schelmisch. «Im Kanton Zürich habe ich bereits alles, was ich will.» Seine Eltern sind stolz auf ihn. Er, der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, hat sich selbst übertroffen und seinen Traum, ab 45 nicht mehr arbeiten zu müssen, um 14 Jahre unterboten. Woher er seinen Geschäftssinn hat, weiss er nicht. Seine Eltern, ein Walliser und eine Marokkanerin, sind beide eher künstlerisch interessiert: Der Vater macht bis heute leidenschaftlich gerne Musik, die Mutter war Kunstturnerin.
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Jonas Lauwiner verfügt über eine zehnköpfige Privatarmee, die ihn schützen soll und Übungen abhält. Trotzdem spricht er sich für eine starke Schweizer Armee aus.
Was auch immer Lauwiner tut, ist medienwirksam – gut für ihn, der um den Wert eines guten Images und hoher Medienpräsenz weiss. So ging er schon in der Militäruniform auf die Strasse. Er ist für eine starke Schweizer Armee. Aktuell ist ein Tauziehen im Gange, ob Lauwiner seinen Panzer auf öffentlichen Strassen fahren darf. Das Strassenverkehrsamt habe ihm unrechtlich die Schilder für den Panzer entzogen. Er erstritt sich das Recht zurück, wieder auf öffentlichen Strassen zu fahren. «Sie zögern absichtlich, mir die Schilder zurückzugeben.» Doch der Sieg im juristischen Gerangel ging an ihn. Nebenbei hat Lauwiner eine zehn Mann starke, gut ausgerüstete Privatarmee aufgebaut. «Das ist meine Schutztruppe. Wenn etwas passieren sollte, rücken sie an.»
Und dies, obwohl er, wie er betont, keine Angst vor dem Tod hat. Aber vielleicht sieht das bald anders aus, denn der «König» sagt: «Ich wünsche mir eine Frau und zwei Kinder». Und er will die Schweiz politisch retten. Dafür hat er alle Zeit der Welt, weil er momentan nur zum Spass arbeitet. 2025 umfasste sein Besitz 151 Grundstücke in neun Schweizer Kantonen – darunter Bauparzellen, Strassen, Wälder und landwirtschaftliche Flächen. Er betont, dass er mit den Ländereien keine politische Macht beansprucht. «Ich handle innerhalb der Gesetze, zahle Steuern. Ich sehe das ‹Königsein› mehr als Leitbild denn als Herrschaftsanspruch.» Und sein Grundbesitz soll vor allem der Nutzung dienen: Forstwirtschaft, touristische Projekte, Strasseneinnahmen – alles Teil seines «Imperiums».
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Lauwiner weiss sich öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Das Spiel mit seinem Übernamen «König der Schweiz» macht ihm offensichtlich Spass.
Zum Besitz von Ländereien gehört die Verantwortung, diese zu unterhalten, nicht einfach brach liegen lassen, so seine Meinung. «Das bringt mir keine Einnahmen, sondern Ausgaben für den Unterhalt», stellt er klar. Lauwiner hat die Vision, mit und auf seinem Grund und Boden etwas Eigenes zu gestalten. Und zu zeigen, dass Besitz nicht nur finanzieller Natur sein muss, sondern auch kulturell, symbolisch und gesellschaftlich wirken kann.
Seine politische Rettungs-Mission
Um die Schweiz politisch zu retten, braucht es möglichst viel politische Aktivität. 2025 wurde Lauwiner als Parteiloser in den Stadtrat von Burgdorf gewählt. 2026 kandidierte er für einen Sitz im Grossen Rat des Kantons Bern. Sein Wahlprogramm: den Staat verschlanken, staatliche Ausgaben einsparen, etwa für Fahrzeuge von Feuerwehr oder Polizei. Die Zuwanderung begrenzen und die Vergabe von Sozialgeldern überarbeiten. Dafür hat er sogar eine eigene Partei gegründet: «König Jonas Lauwiner im Dienst für die Berner». Der «König» schaffte es im Frühling nicht, in den Grossen Berner Rat gewählt zu werden. Und nun? «Ich schaue, wie sich die Resultate entwickeln, bleibe aber sicher weiterhin politisch aktiv.» Die Geschichte hat gezeigt: Jonas Lauwiners Träume wurden bisher immer wahr.