08:11 MANAGEMENT

Chefsache mit Martin Tschirren: «Ich will mich selber sein»

Autoren: Stefan Gyr (stg)
Teaserbild-Quelle: Urs Bigler

«Ich will nicht irgendeine Rolle spielen, sondern mich selber sein», sagt Martin Tschirren, Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO). In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Martin Tschirren Direktor Bundesamt für Wohnungswesen (BWO)

Quelle: Urs Bigler

Martin Tschirren ist Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO).

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Martin Tschirren: Ich habe für mich eine Art Führungsformel entwickelt: K2-V2-W2. Ausgedeutscht heisst das: Klare Kommunikation, Vorbild und Vertrauen, Wertschätzung und Witz (Humor).

Was macht Sie zu einem guten Chef?

Ob ich ein guter Chef bin, weiss ich nicht, aber ich versuche es zu sein. Wichtig ist mir dabei, nicht irgendeine Rolle zu spielen, sondern mich selber zu sein. Dazu gehört für mich auch, meinen Mitarbeitenden zuzuhören und auch Zwischentöne wahrzunehmen.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Ich könnte mir vorstellen, dass sie sagen, dass ich viel fordere und klare Vorstellungen habe. Aber auch, dass ich zeige und sage, wenn etwas gut gemacht wurde und ich mit dem Resultat zufrieden bin.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Ich versuche, die Kritik zu verstehen – allenfalls auch den Hintergrund, der nicht explizit genannt wird. Anschliessend versuche ich, die Kritikpunkte zu klären und eine befriedigende Lösung zu finden.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Indem ich sie hin und wieder mit neuen und vielleicht ungewohnten Aufgaben betraue und ihnen Verantwortung übertrage.

Wollten Sie schon immer Chef werden? Weshalb oder weshalb nicht?

Nein, das war nicht von Kindesbeinen an vorgezeichnet. Allerdings hatte ich schon immer gern Verantwortung, und in gut zehn Jahren als stellvertretender Direktor des Schweizerischen Städteverbandes bin ich auf den Geschmack gekommen – l’appétit vient en mangeant.

Darf ein Chef oder eine Chefin auch Schwächen zeigen? Warum?

Ja, auch als Führungsperson bin ich ein Mensch, und Schwächen gehören für mich zum Menschsein. Das heisst allerdings nicht, dass ich jeden Zweifel offenlege, der mich plagt.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?

Es kommt immer wieder vor, dass ich mich als Führungsperson bei Entscheiden einsam fühle. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ich weiss, dass ich mit meinem Entscheid Menschen enttäuschen werde.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Ich habe den Eindruck, dass sich die Bauwirtschaft insgesamt in einer robusten Verfassung befindet und auch mit den Corona-Einschränkungen gut zurande kommt.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Ich sehe in der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken. Sie kann unser Leben und unsere Arbeit in vielen Bereichen erleichtern. Allerdings wünsche ich mir zuweilen mehr Nutzer- und Anwenderfreundlichkeit. Aus meiner Sicht sind digitale Tools zwar technisch auf der Höhe, aber zu wenig für die intuitive Anwendung im Alltag konzipiert. Die Folge sind gute Anwendungen, die trotzdem nicht oder nur beschränkt benutzt werden.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

Ich schätze an der Baubranche ihr Qualitätsbewusstsein, das sich – so mein Eindruck – auch an der Qualität vieler Bauten in der Schweiz ablesen lässt. Auch habe ich den Eindruck, dass viele Unternehmen in dieser Branche der Nachhaltigkeit eine grosse Bedeutung beimessen. Eher kritisch beurteile ich, dass nach meinem Dafürhalten im Moment vor allem im Wohnungsbau teilweise an den falschen Orten gebaut wird. Ich hoffe, dass sich dies nicht einmal rächt.

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?

Adrian von Bubenberg, der 1476 die Stadt Murten gegen Karl den Kühnen verteidigt hat. Ich habe als Bub Geschichtsbücher verschlungen – vor allem zur Geschichte der alten Eidgenossenschaft. Kommt hinzu, dass in Spiez, wo ich aufgewachsen bin, das Schloss einmal der Familie der Bubenberg gehört hatte und deshalb diese Figur auch sonst präsent war.

Wo können Sie wirklich abschalten?

Energie geben mir das regelmässige Rennradfahren und das Musizieren in einem Orchester. (stg)


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Dossier

Interview-Serie «Chefsache»

Interview-Serie «Chefsache»

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

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