15:06 MANAGEMENT

Chefsache mit Esther Keller: «Den Blick nach vorne richten»

Teaserbild-Quelle: Nico Schmied

Esther Keller ist Vorsteherin des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel Stadt. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt sie Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Esther Keller Vorsteherin Bau- und Verkehrsdepartement Basel Stadt

Quelle: Nico Schmied

Esther Keller ist Vorsteherin des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel Stadt.

Was macht Sie zu einer guten Chefin?

Esther Keller: Ich führe so wie ich selbst gerne geführt worden bin: Mit einer Balance aus klaren strategischen Vorgaben und Gestaltungsspielraum in der Umsetzung. Ich begegne meinen Mitarbeitenden mit Respekt, bringe ihnen Vertrauen entgegen und erwarte vice versa, dass sie mitdenken und sich einbringen. Das stärkt die Identifikation mit der Tätigkeit und die Freude daran. Ob das eine gute Chefin ausmacht? Das müssen andere beurteilen.

Was glauben Sie, was sagen Ihre Mitarbeitenden über Sie?

Dass ich ihnen zuhöre und sie ernst nehme, egal auf welcher Funktionsstufe. Im Alltag sind für mich Hierarchien weniger entscheidend als die richtige Team-Zusammensetzung für eine spezifische Diskussion oder anstehende Entscheidung.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Ich überlege mir, welche Inhalte der Kritik mich weiterbringen. Kritik abzuwehren oder zu überhören, bringt einen nicht weiter.

Bei welchen wichtigen Entscheiden haben Sie sich schon einsam gefühlt?

Ich fälle meine Entscheide nicht im luftleeren Raum, sondern auf Basis von Gesprächen mit meinem Umfeld in und ausserhalb des Departements. Deshalb fühle ich mich nicht einsam mit Entscheiden.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Durch unsere zahlreichen Bauprojekte sind wir in engem Kontakt mit den Bauunternehmen und merken, wie sehr alle Beteiligten mit Lieferengpässen und Rohstoffknappheit zu kämpfen haben. Das ist kurz- und mittelfristig ein Problem, für das wir eine gemeinsame Lösung finden müssen.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Natürlich eine Chance. Ich denke da beispielsweise an digitale Gebäudezwillinge, die während des gesamten Lebenszyklus für eine bessere Klimabilanz sorgen – von der Energieeffizienz in der Bewirtschaftung bis hin zur Wiederverwertung von Baustoffen beim Rückbau.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?

Ich spüre zurzeit einen grossen Innovationswillen, der sicher auch dem erhöhten Klimabewusstsein geschuldet ist. Die Bauunternehmen haben erkannt, dass sie ein Teil der Lösung sein können. Die bisherige Ökobilanz im Bereich Bau und Betrieb ist nicht befriedigend.

Welche Probleme sollte die Politik sofort angehen?

Für mich ist die grosse Herausforderung der nächsten Jahre die konkrete Umsetzung der Klimaziele, die wir uns auf nationaler und kantonaler Ebene gesetzt haben und weiter setzen werden. Es ist immer einfacher, auf abstrakter Ebene mit einem Ziel einverstanden zu sein, als dann tatsächlich Veränderungen im Alltag zu akzeptieren.

Was wünschen Sie der Schweiz?

Dass wir den Blick nach vorne richten, auf kommende Generationen, und unsere Entscheide unter dieser Perspektive fällen. Da gilt es auch mal, eigene Interessen etwas zurück zu stecken.

Welche Fähigkeiten möchten Sie besitzen?

Es gibt Menschen, die können sich ins Bett legen und innert Minuten einschlafen. Das wäre nach vollen Tagen mit tausend Eindrücken zuweilen hilfreich.

Als welches Tier würden Sie gerne ein zweites Mal leben?

Als Tiefsee-Wesen. Das ist eine Welt, die man als Mensch kaum je entdecken kann und die sicher unvorstellbar spannend und vielfältig ist.

Wie bringen Sie Beruf und Privatleben unter einen Hut?

In all meinen bisherigen Tätigkeiten gab es nie eine trennscharfe Linie zwischen Beruf und Privatleben. Mein Beruf ist für mich Inspiration und Lebensenergie, so wie mir private Begegnungen Inspiration und Energie für den Beruf liefern. Und erstaunlicherweise bleibt trotz langer Arbeitstage noch Zeit für den Teamsport. Sobald Bälle fliegen, bleibt wenig Zeit, um über anderes nachzudenken. (cet)

Chefsache

In der neuen Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf aus-wählen und schriftlich beantworten können.

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