08:00 MANAGEMENT

Chefsache mit Christoph Hofer: «Erfolg entsteht dort, wo Menschen ihre Fähigkeiten bündeln»

Geschrieben von: Corinne Pitsch-Obrecht (cpo)
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In der Rubrik «Chefsache» nehmen Exponenten der Baubranche im «Baublatt» Stellung zu Fragen rund um Führung und ihre Arbeit. Diesmal im Fokus: Christoph Hofer, der auf Teamgeist, Pragmatismus und direkte Kommunikation setzt. Er spricht über den Wert guter Zusammenarbeit, den Umgang mit Unsicherheiten – und darüber, warum die Schweiz wieder mehr Mut zur Zukunft braucht.

Symbolbild Beton

Quelle: Mélyna Côté, Unsplash

Gute Perspektiven, gute Stimmung und tolle Projekte sei es, was Arbeitskräfte in der Baubranche halte, ist Christoph Hofer überzeugt.

Was macht Sie zu einem guten Chef?

Verlässlichkeit, die Fähigkeit zu inspirieren und Menschen zu mögen.

Welcher Grundsatz prägt Ihren Führungsstil?

Zusammen geht mehr! In jedem Team gibt es Fähigkeiten, die gebündelt die beste Wirkung entfalten. Wesentlich ist, diese Fähigkeiten auf die Bedürfnisse der Kundschaft zugeschnitten zu nützen. Davon profitieren Kunden, Mitarbeiter und am Ende auch die Firma am meisten.

Wie fördern Sie junge Talente?

Jeder hat Träume. Gerade bei jungen Menschen sind es oft Pläne und Ziele, die sich mit der Zeit verändern oder weiterentwickeln. Erfolg zu haben motiviert Jeden. Doch vor dem Erfolg gibt es auch Rückschläge, Fehler passieren und Enttäuschungen gehören dazu. Davon sollte man sich nicht frustrieren lassen, sondern an diesen «Lehrstücken» wachsen. Ich glaube, jeder hat eine Chance auf Erfolg verdient. Wenn ein Betrieb solche Lehrstücke ermöglichen kann, kommen talentierte Angestellte rasch weiter.

Wie entscheiden Sie, wenn Fakten und Bauchgefühl kollidieren?

Noch gar nicht. Nachrechnen, nachdenken, austauschen, drüber schlafen und wandern. Ich stelle mir die Frage: Bin ich gezwungen, jetzt zu entscheiden? Was passiert, wenn ich es sein lasse? Manchmal lassen wir uns zu fest drängen, Zeit zum Nachdenken sollte immer bleiben.

Was beunruhigt Sie aktuell in der Bauwirtschaft – und was stimmt Sie zuversichtlich?

Es wird gebaut, erneuert, investiert, die Schweiz glaubt an die Zukunft, das ist positiv. Wir arbeiten mit knappen Margen, leisten viel, haben wenig zu Feiern und gewinnen zu wenig junge Fachkräfte, das sollten wir verbessern.

Was schätzen Sie an der Baubranche?

Ich schätze den Pragmatismus. Wir suchen Lösungen, kurze Wege, bewährte Methoden, tauschen uns aus, arbeiten in wechselnden Teams mit zahlreichen Spezialisten und unterschiedlichsten Nationalitäten. Einfache Umgangsformen und direkte Kommunikation erhöhen die Effektivität.

Was braucht es, um Fachkräfte langfristig zu halten?

Gute Perspektiven, gute Stimmung und tolle Projekte.

Welche Eigenschaften erwarten Sie von modernen Führungspersönlichkeiten in der Baubranche?

Führungskräfte sollten unbedingt bereit sein, mit allen Unwägbarkeiten und komplizierten Charakteren umzugehen. Fachkenntnisse sind wichtig, doch auch zwischenmenschliche Kompetenzen und Belastbarkeit sind ebenso wichtige Kompetenzen.

Welche politische Massnahme würde der Baubranche sofort helfen?

Die Politik muss die Baubranche nicht retten. Wir müssen den Wert des Baus selbst hochhalten.

Welches Ritual hält Ihren Kopf frei?

Im Schiessstand den Fokus auf das Korn richten oder beim Wandern, Biken und Segeln die Landschaft geniessen.

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?

Globi? So ein komischer Vogel der ständig in die Fettnäpfchen tritt, immer vom Gipfel träumt und am Ende mit besten Erfahrungen nach Hause kommt. Passt doch gar nicht schlecht.

Was wünschen Sie der Schweiz?

Die Schweiz braucht wieder mehr Mut. Mut zu gestalten, alte Zöpfe abzuschneiden, in die Zukunft zu investieren, Werte hochzuhalten, die uns helfen und an eine Zukunft zu glauben, die wir so exakt nie kennen werden.

Christoph Hofer

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Quelle: zvg

Christoph Hofer wurde 1981 geboren und absolvierte zuerst eine Lehre als Tiefbauzeichner in Langenthal. Danach studierte er Bauingenieur HTL an der FH Burgdorf und bildete sich zum eidgenössisch diplomierten Baumeister weiter. Beruflich sammelte er zunächst Erfahrungen als Projektingenieur in Neuchâtel und Trubschachen. 

Seit 2009 ist er bei der Wyss AG tätig, zuerst als Abteilungs­leiter Betonschächte, seit 2017 als Vorsitzender der Geschäftsleitung der Wyss AG Bauunternehmung. Seit 2022 ist er Geschäftsführer der neu gegründeten Wyss AG Betonschächte. 2021 gründete er die HPE Hofer Projekt Entwicklung GmbH. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert er sich seit vielen Jahren in Verbänden und der Politik. Er war etwa Präsident des Gewerbevereins Signau, Gemeinderat in Signau sowie Präsident des Landesteilverbands Emmental Berner KMU. 

2025 wurde er zum Präsidenten von SwissBeton gewählt und in den Vorstand des Berner Baumeisterverbands aufgenommen. Privat ist er seit 2010 verheiratet und Vater von vier Kindern. Zudem ist er sportlich aktiv, unter anderem im Orientierungslauf und Segelsport. (cpo)

SwissBeton

Logo SwissBeton

Quelle: zvg

Der Fachverband SwissBeton vereint 41 Unternehmen mit 44 Produktionsstandorten in der Schweiz, die Betonprodukte und vorfabrizierte Betonelemente herstellen und vertreiben. 

Die Mitgliedsfirmen decken über 60 Prozent des Schweizer Gesamtmarkts inklusive Importen ab. Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei fachlichen und strukturellen Themen und engagiert sich für die Weiterentwicklung der Produktion von Betonprodukten und Betonfertigteilen in der Schweiz. 

Ziel ist es, Produktionsstandorte langfristig zu erhalten, Fachwissen zu bündeln und die Branche sichtbar zu machen. Die Mitgliedsfirmen sind in allen Sprachregionen vertreten. Sie produzieren Elemente für den Hoch- und Tiefbau, für Innenräume und die Umgebungsgestaltung. (mgt/cpo)

Geschrieben von

Redaktorin Baublatt

Begeistert von Bauprojekten aller Art. Weitere Interessensbereiche sind Geschichte, Politik, Management und Gesellschaft. Zudem ist sie für die Kolumne und die Chefsache zuständig und steht deshalb in Kontakt mit allen Verbänden und Exponenten.

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