06:07 KOMMUNAL

Verkehr: Tempo 30 in Zürich bis 2030

Teaserbild-Quelle: Kenneth-Brockmann_pixelio.de

Wer in der Stadt Zürich mit dem Auto unterwegs ist, wird vermehrt auf die Bremse treten müssen: Auf Stadtzürcher Strassen soll künftig Tempo 30 gelten. Der Stadtrat will damit die Bevölkerung vor übermässigem Strassenlärm schützen. - Die  Umsetzung des neuen Temporegimes ist etappenweise geplant.

Kanton und Stadt seien verpflichtet, Sanierungen vorzunehmen, wo die Immissionsgrenzwerte gemäss eidgenössischer Lärmschutzverordnung (LSV) überschritten werden, heisst es in der Medienmitteilung des Sicherheitsdepartements. Massnahmen an der Quelle oder vielmehr, dort wo der Lärm auf der Strasse haben für den Stadtrat erste Priorität. Temporeduktionen seien eine wirksame Massnahme.

Wie diese Pläne konkret realisiert werden sollen,  will der Stadtrat zu gegebener Zeit bekannt geben. Klar ist hingegen bereits, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis die Strassen ruhiger geworden sind. Bei der Stadt rechnet man damit, dass es erst 2030 so weit sein dürfte. Zudem sind schon viele Verkehrswege in der Stadt akustisch beruhigt worden: In den Jahren 2012 und 2013 waren bereits zahlreiche Tempo-30-Strassen eingeführt worden. Laut Stadt haben davon bislang 35'000 Anwohner profitiert. Nun sollen diejenigen 105'000 mehr Ruhe erhalten, die nach wie vor übermässigem Lärm ausgesetzt sind.

Mehrkosten: Zürcher Verkehrsverbund in der Pflicht?

Anders als bisher soll neu auch auf Strassen Tempo-30 gelten, auf denen Busse unterwegs sind. Sich daraus ergebende negative Auswirkungen wie längere Reisezeiten, will der Stadtrat mit flankierenden Massnahmen abfedern. Dies soll unter anderem mit Hilfe von Lichtsignalanlagen geschehen, mit einem eigenen Trassee, mit Fahrbahnhaltestellen oder dem Vermeiden von Rechtsvortritt geschehen. Wo solche Massnahmen nicht ausreichen, soll zusätzliche Busse die Situation entschärfen, was allerdings Mehrausgaben für den Öffentlichen Verkehr zur Folge haben wird.

Laut Stadtrat lässt sich die Funktion des Öffentlichen Verkehrs nur unter Berücksichtigung des Lärmschutzes sichern, wenn zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Der Kanton stellt diese aktuell jedoch nicht zur Verfügung. Der Stadtrat sieht hier den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) in der Pflicht und ist aber bereit, bis zur Klärung dieser Grundsatzfrage die Mehrkosten mit einer städtischen Übergangsfinanzierung zu tragen.

Etappenweise Umsetzung der Tempo-30-Massnahmen

Konkretisiert und umgesetzt werden soll das neue Temporegime etappenweise: In einem ersten Schritt will der Stadtrat diejenigen Strecken planen und festlegen, die sich lediglich gering auf den öffentlichen Verkehr auswirken. Für jeden Streckenabschnitt müsse in einer Einzelfallbetrachtung ein Verkehrsgutachten erstellt werden. Daraus können gemäss Stadtrat auch Abweichungen zu geplanten Temporegime-Vorhaben resultieren.

In einem zweiten Schritt werden die übrigen Strecken bearbeitet. Dies sind Strecken, auf denen die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer spürbare Zeitverluste für den öffentlichen Verkehr zur Folge hat und von denen eine grössere Anzahl Fahrgäste betroffen ist. Auf den Strassenabschnitten, wo niemand von übermässigem Strassenlärm betroffen ist, soll in der Stadt Zürich weiterhin Tempo 50 gelten.

VCS begrüsst Entscheid, ACS ist dagegen

Über die positiven Auswirkungen der Massnahmen sind sich nicht alle einig. Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) begrüsst die Ankündigung des Zürcher Stadtrates und kritisiert gleichzeitig das Tempo, mit dem der Entscheid gefällt worden ist. „Das hat viel zu lang gedauert“, betonte der VCS in einer Mitteilung. Der Stadtrat habe diesen Entscheid rund zehn Jahre vor sich hergeschoben. Lärmschutz sei in dieser Zeit nur in homöopathischen Dosen verordnet worden.

Derweil passt dem Automobil Club der Schweiz (ACS) der Entscheid nicht: Autofahrer seien in der Stadt Zürich nicht mehr erwünscht. Bei flächendeckendem Tempo 30 bestehe zudem die Gefahr, dass sich der Verkehr weg von den Hauptachsen in die Quartiere verlagere. Dazu wären Velofahrer teils schneller unterwegs als Autos, was der Verkehrssicherheit abträglich sei.

Winterthur plant flächendeckend Tempo 30

Ähnliche Pläne wie Zürich hegt Winterthur. Vergangene Woche hatte Winterthur bekannt gegeben, dass auf den meisten Strassen Tempo 30 eingeführt werden soll. Zunächst soll bis 2025  auf den Strassen um die Altstadt und in den Quartierzentren Tempo 30 eingeführt werden. Danach folgen die Strassen rund um die Zentren. – Und in den Wohnquartieren soll das Tempo auf 20 Stundenkilometer beschränkt werden. (sda/mai)

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