14:06 KOMMUNAL

Pilotprojekt für E-Mobilität: Tuktuks für den ÖV von Disentis

Teaserbild-Quelle: Dani Ammann

In der Surselva ist die Erreichbarkeit von Dörfern wie in anderen Bergregionen eine Herausforderung: Genügt das ÖV-Angebot nicht, ist das Auto oft das Verkehrsmittel der Wahl. Mit dem Pilotprojekt «E-TukTuks Disentis» wollen dies die Gemeinde Disentis und das Surselva Lab der Fachhochschule Graubünden ändern. Erste Tuktuks sind bereits unterwegs.

Die Projektgruppe mit einem der E-Tuktuks

Quelle: Dani Ammann

Die Projektgruppe mit einem der E-Tuktuks (v.l.n.r.): Tanja Bügler (FH Gaubünden/ITF), Livia Somerville (Leiterin Surselva Lab), Celine Meury (Regionalentwicklerin Regiun Surselva), René Epp (Gemeindepräsident Disentis), Stefan Arnold (Direktor Bergbahnen Disentis) und Prasad Raja (technischer Leiter).

Das Projekt steht unter der Federführung der Fachhochschule Graubünden: Sie ist seit vergangenem Jahr mit dem Surselva Lab in Ilanz präsent und arbeitet gemeinsam mit den Gemeinden der Surselva an Lösungen für regionale Herausforderungen arbeitet. Im Auftrag der Gemeinde Disentis konzipieren Livia Somerville, Leiterin des Regionallabors, und Tanja Bügler, wissenschaftliche Projektleiterin vom Institut für Tourismus und Freizeit der FH Graubünden, in einem Pilotprojekt ein ausbaubares Mobilitätssystem.

Die Idee, Gemeinden und Siedlungen in der Surselva mit E-Tuktuks zu erschliessen, stammt von Prasad Raja, dem technischen Leiter des Projekts. Der Unternehmer kümmerte sich auch um die Anschaffung und Instandsetzung der beiden ersten Fahrzeuge. Er sammelte bereits Erfahrungen mit den kleinen Fahrzeugen in Cornwall (UK). Und René Epp, Gemeindepräsident von Disentis, gelangte schliesslich mit dem Projekt ans Surselva Lab: «Wir möchten gemeinsam mit Expertinnen und Experten der Fachhochschule Graubünden und mit lokalen Partnern prüfen, ob eine solche zukünftige, attraktive und flexible Lösung im Bereich Mobilität praxistauglich ist.»

Einheimische, Pendlerinnen und Pendler

Die Anforderungen an die Mobilität in Berggebieten sind vielfältig. Die Fahrzeuge eines Sharing-Angebots müssen den örtlichen Gegebenheiten standhalten können. Daneben gilt es den unterschiedlichen Bedürfnissen von Pendlerinnen und Pendlern  sowie der Mobilität vor Ort gerecht zu werden. In der ersten Testphase wurde das Fahrzeug auf Funktion und Fahrtechnik überprüft und entsprechend angepasst. In der zweiten Testphase wird nun mit Einheimischen und Gästen Erfahrungen im Betrieb gesammelt. Das künftige Konzept soll eine Einwegnutzung (nur Hin- oder nur Rückweg) mit möglichst vielen Start- und Endpunkten ermöglichen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Fahrzeuge nicht an strategisch ungünstigen Orten abgestellt und von dort zurück transportiert werden müssen.

Dabei könnten die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse zur Lösung der Herausforderungen beitragen. Eine genaue Untersuchung des Nutzungsverhaltens soll zeigen, ob sich die Mobilitätsströme in die Hände spielen. Am Herzen liegt der Projektleitung deshalb auch, dass die Bevölkerung eingebunden wird. «In der Pilotphase ist es wichtig die Bedürfnisse und Erfahrungen der Bevölkerung miteinzubeziehen», sagt Céline Meury, Regionalentwicklerin der Regiun Surselva.  «Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt sollen Lösungsansätze für die Herausforderung der flexiblen und zeitunabhängigen Erreichbarkeit in der ganzen Surselva ermöglichen und somit zu einer Steigerung der Attraktivität der Region durch eine verbesserte Erreichbarkeit beitragen. » -  Mittlerweile ist das Pilotprojekt auf Interesse und Zustimmung gestossen. Vor kurzem hat sich der Regionalausschuss an seiner Sitzung für eine finanzielle Unterstützung ausgesprochen.

Bergbahnen Disentis unterstützen das Projekt

Die Gemeinde Disentis sowie Disentis Bergbahnen unterstützen das Projekt ebenfalls. Letztere stellen zudem Parkplätze mit Ladestationen zur Verfügung. Weitere Projektpartner kündigten ihr Interesse am Projekt an: «Unser Mobilitätssystem soll in drei Jahren in einen ordentlichen Betrieb überführt werden, der zugeschnitten ist auf die Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort», sagt Somerville. Nach erfolgreicher Testphase ist eine Ausweitung auf andere Gemeinden möglich. «Wir wollen ein breit abgestütztes Angebot und in der Bevölkerung dafür Vertrauen schaffen.» Das Projektteam wird bei der Koordinationsstelle für nachhaltigen Mobilität auf Bundesebene einen Antrag für die Mitfinanzierung der Pilotphase einreichen. (mgt/mai)

Surselva Lab als Reallabor

Die Fachhochschule Graubünden strebt mit dem Surselva Lab eine noch unmittelbarere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis an. Insbesondere durch die Kompetenzen im Department «Entwicklung im alpinen Raum» und durch die räumliche Nähe zur Surselva bieten sich gegenseitig Chancen, um partizipativ und kooperativ mit den Akteuren in der Region zukunftsfähige Lösungen für den Lebens- und Wirtschaftsraum Surselva zu entwickeln. Das Surselva Lab als Reallabor soll dabei die nachhaltige Regionalentwicklung mit partizipativen, angewandten wissenschaftlichen Methoden unterstützen. (mgt)

Weiterführende Links:
Projektwebsite der FH Graubünden: www.fhgr.ch/fh-graubuenden/entwicklung-im-alpinen-raum/projekte-entwicklung-im-alpinen-raum/e-tuktuks-disentis-mikromobilitaetsloesung-fuer-die-erste-und-letzte-meile/
Surselva Lab: www.fhgr.ch/forschung-und-dienstleistung/labore/surselva-lab

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