Brienzer Rutsch: Gemeinde bleibt auf Kosten sitzen
Der Bergsturz im Das Bündner Dorf Brienz kostet die Gemeinde Albula bis jetzt schon 4,6 Millionen Franken. Nun schlägt der Gemeindepräsident Alarm und fordert eine Diskussion darüber, wen die Kosten tragen soll.
Quelle: Lino Schmid & Moira Prati
Der Bergsturz oberhalb des Bündner Dorfes Brienz: Trotz Krediten vom Kanton bleibt die Gemeinde auf Kosten in Millionenhöhe sitzen.
Im November 2024 begann im Bündner Dorf Brienz ein Bergsturz, dem «Brienzer Rutsch», der bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist und eine komplette Evakuierung der XX Bewohnerinnen und Bewohner nötig machte. Nun schlägt Daniel Albertin, der Präsident der Gemeinde Albula, zu der Brienz seit 2015 gehört, Alarm: Albula muss für die Kosten der Naturkatastrophe aufkommen, «bis sie ausgeblutet».
Zwar wird die Gemeinde vom Kanton Graubünden finanziell unterstützt: Der Bündner Grosse Rat hat für eine präventive Umsiedlung einen Kredit von 50 Millionen Franken gesprochen. Damit sollen diejenigen entschädigt werden, die dauerhaft wegziehen wollen. Bereits vor drei Jahren sprach der Grosse Rat einen Kredit von 40 Millionen Franken für den Entwässerungsstollen unterhalb des Dorfes.
Dennoch musste die Gemeinde allein für Brienz Restkosten von rund 4,6 Millionen Franken getragen. Dazu kommen evakuationsbedingten Kosten von 600000 Franken, die von November 2024 bis November 2025 entstanden sind. In diesen Betrag sind wiederum nicht alle Kosten - etwa für die zusätzliche administrative Arbeit der Gemeindeverwaltung - einberechnet.
Quelle: Screenshot Video, ETH Zürich
Simulation des Bergaturzes «Brienzer Rutsch»: Der Berg ist seit Ewigkeiten in Bewegung.
Nicht abwälzbare Kosten
«Das sind Kosten, die nicht abwälzbar sind», sagte Albertin. Dies bei einem Budget von 18 bis 19 Millionen Franken und einem Cashflow von rund 250'000 Franken. «Das ist ein Problem, das auch auf kantonaler Ebene intensiv diskutiert werden muss». Denn mir der aktuellen Gesetzeslage bleibt Albula auf diesen Kosten sitzen. Eine Steuererhöhung kommt gemäss Albertin nicht infrage. «Wenn wir wollen, dass man in Brienz/Brienzauls weiterhin leben kann, wenn wir wollen, dass die Umsiedlung machbar ist, dann müssen wir aufzeigen, dass wir das als Gemeinde nicht mehr alleine stemmen können.»
Immerhin hat sich Ende 2025 der Schuttstrom oberhalb des evakuierten Bergdorfs weiter verlangsamt. Im Dorf selbst gab es so tiefe Rutschgeschwindigkeiten wie nach Behördenangaben zuletzt vor 15 Jahren. Hintergrund: Das Dorf ist seit Menschengedenken in Bewegung, so die Gemeindehomepage: «Die gesamte Terrasse rutscht vermutlich seit der letzten Eiszeit talwärts. In den vergangenen 100 Jahren bewegte sich Brienz jeweils wenige Zentimeter pro Jahr.» Aktuell beträgt die Bewegung rund einen Meter pro Jahr. (SDA/bk)
Quelle: Informationsdienst Gemeinde Albula/Alvra
Geplanter Entwässerungsstollen: Der Bündner Grosse Rat hat einen Kredit von 50 Millionen Franken für das Bauvorhaben bewilligt.