10:16 KOMMUNAL

Blatten VS: Kantonsgeologe sieht Gefahr nicht vollständig gebannt

Teaserbild-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Im Mai 2025 kam es im Walliser Lötschental zu einem Gletscherabbruch und Erdrutsch. Damals fielen zehn Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis auf das Dorf Blatten. Doch gemäss dem Kantonsgeologen könnte jederzeit noch mehr nachrutschen.

Lötschental bei Blatten nach Bergsturz

Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Das Lötschental nach dem Bergsturz oberhalb von Blatten: Ein neuerlicher Erdrutsch ist gemäss Experten jederzeit möglich.

Am 28. Mai 2025 kam es zum Gletscherabbruch und anschliessendem Erdrutsch am Kleinen Nesthorn oberhalb von Blatten VS. Guillaume Favre-Bulle von der kantonalen Dienststelle für Naturgefahren erlebte damals die Naturkatastrophe am Bildschirm live mit: «Als der Gletscher abbrach, schaute ich gerade auf die Webcam und war mir bewusst, dass in diesem Gebiet viel los war» erzählt er der Nachrichtenagentur SDA. «Plötzlich sah ich, wie der Erdrutsch losging. Ich sprang von meinem Stuhl auf. Das schlimmste Szenario war vor meinen Augen Wirklichkeit geworden.»

Seit dem 1. Oktober 2025 leitet Favre-Bulle die Dienststelle für seinen in den Ruhestand getretenen Vorgänger. Und die Naturkatastrophe von Blatten dominiert den Alltag des neuen Kantonsgeologen nach wie vor. Und er warnt, dass der Berg noch immer für Überraschungen sorgen könne. «Eine Million Kubikmeter können von heute auf morgen vom Kleinen Nesthorn herunterfallen».

BR: 306 Mio für 3. Rhonekorrektion zw. Massongex und Vouvry

Quelle: Wikimedia Commons - Christian David – eigenes Werk

Aktuell laufen die Arbeiten zur dritten Rhônekorrektion, um diesen Gefahrenherd für Naturkatastrophen zu beseitigen.

Weitere Erdrutsche möglich

Daher sei eine vorrangige Überwachung des Gebiets nach wie vor erforderlich. Darüber hinaus könnten weitere Erdrutsche oder Murgänge auftreten. Diese würden zu einer Vergrösserung der aktuellen Fläche des Sees führen. Nach der Naturkatastrophe zuerst darum, diesen See, der durch den Erdrutsch entstand, für den Winter zu sichern und die Gefahren unterhalb und oberhalb der Ablagerung zu bewerten. Gleichzeitig wurde eine aktualisierte Gefahrenkarte erstellt, wobei sich inzwischen 70 Prozent des zerstörten Dorfes in der roten Zone befinden.

Als nächstes werden die Fachleute versuchen, die drei 3 Millionen Kubikmeter in der Sedimentmasse eingeschlossenes Eis zum Schmelzen zu bringen: Man will grosse Gräben anlegen, um das gesamte Wasser aus der Ablagerung abzuleiten. Dies dürfte etwa fünf Jahre dauern. Für die kommenden Monate wäre es laut dem Kantonsgeologen ideal, wenn der Fluss Lonza in seinem derzeitigen Bett bleiben würde. Dazu müsste es einen Sommer ohne grosse Unwetter geben. Seit 2024 ist das Wallis allerdings mehrfach von schweren Unwettern heimgesucht worden, was unter anderem das Überlaufen der Rhone in der Region Siders oder die Dutzenden von Murgängen in der Nähe von Lourtier führte.

Gorge de Vièze bei Monthey.

Quelle: Espandero, e Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Auch in Arbeit: die Arbeiten an der Vièze in Monthey, die rund 20 Millionen Franken kosten werden.

150 Orte überwacht

Derzeit werden im Wallis 150 Orte überwacht, um grössere Katastrophen zu verhindern. Dennoch lehnte der Walliser Grosse Rat die Schaffung von neun zusätzlichen Vollzeitstellen bei der kantonalen Dienststelle für Naturgefahren ab, weshalb bestimmte Projekte priorisiert werden müssen.

Neben Blatten und den Arbeiten zur dritten Rhonekorrektion sind die Gestaltung der Dranse in Martigny (über 30 Millionen), die Arbeiten an der Vièze in Monthey (rund 20 Millionen), an der Navizence in Anniviers (40 Millionen) und am Baltschiederbach (23 Millionen) die wichtigsten Projekte der Dienststelle. (SDA/bk)


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