08:11 BAUSPASS

Innovation um 1957: Ein Haus der Zukunft aus glasfaserverstärktem Kunststoff

Geschrieben von: Pascale Boschung (pb)
Teaserbild-Quelle: MidCentArc flickr CC BY-NC-SA 2.0

Von 1957 bis 1967 war das «Monsanto House of the Future» eine Attraktion im Disneyland im kalifornischen Anaheim. Das skurrile Bauwerk sollte «ein Haus der Zukunft» repräsentieren. Gebaut wurde es aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der mit dem MIT entwickelt wurde.

Monsanto House of the Future

Quelle: MidCentArc flickr CC BY-NC-SA 2.0

Das aus Kunststoff erbaute «Monsanto House of the Future» sollte von 1957 bis 1967 im Disneyland-Themenbereich «Tomorrowland» demonstrieren, wie eine Familie im Zukunftsjahr 1986 leben könnte.

In den 50er- und 60er Jahren erlebte Kunststoff in der Verpackungsindustrie und als Material für alle möglichen Produkte einen regelrechten Boom. Und auch die Baubranche interessierte sich für das Material. Das zeigt etwa das «Monsanto House of the Future» – eine Attraktion die von 1957 und 1967 im Disneyland-Themenbereich «Tomorrowland» im kalifornischen Anaheim stand. 

Einblick in ein Haus der Zukunft

Die Attraktion bestand aus einer Tour durch das Haus, das mit seiner Architektur und seiner Innenausstattung realitätsnah demonstrieren sollte, wie eine Familie im Zukunftsjahr 1986 leben könnte. Das Haus wurde auf einem erhöhten Sockelteil über dem Boden schwebend gebaut und breitete sich von dort wie Flügel in vier Richtungen aus

An den Seiten der abgerundeten Baukörper war jeweils eine Fensterfront integriert. Im Innenbereich wurde das Monsanto-Haus mit futuristisch anmutenden Möbeln und Dekor eingerichtet. Zudem verfügte es über ein Telefon, das mit Lautsprechern verbunden war, die in den Wänden im Haus verbaut waren. In der Küche gab es ausserdem Mikrowellen – damals noch völlig neue Haushaltsgeräte. 

Ein Video zeigt das Zukunftshaus – und erklärt all seine technischen Wunder. (Quelle: The Retronaut)

Mit Glasfaser verstärkter Kunststoff

Ein besonderer Aspekt des Hauses war das Baumaterial: glasfaserverstärkter Kunststoff. Dieser wurde in 16 Schalenteilen verbaut, die an einem anderen Ort vorgefertigt und für die Montage auf die Baustelle transportiert wurden. Entwickelt wurde das Baumaterial von Walt Disney Imagineering gemeinsam mit Bauingenieuren des Massachusetts Institute of Technology (MIT). 

Finanziert wurde das Zukunftshaus vom namensgebenden Unternehmen Monsanto, das damals noch ein eigenständiger Biotechnologiekonzern war – seit 2018 gehört das Unternehmen zur deutschen Bayer AG. Monsanto wollte mit dem Projekt im Disneyland die Vielseitigkeit von Kunststoff als hochwertiges, technisches Material demonstrieren. 

Monsanto House of the Future Disneyland

Quelle: Thomas Hawk flickr CC BY-NC 2.0

Das Haus besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der in 16 vorgefertigten Schalenteilen verbaut wurde.

Im Jahr 1967 gab das Disneyland dann Pläne für ein «New Tomorrowland» und damit verbunden neue Attraktionen bekannt. Das «Monsanto House of the Future» überstand diese Neuorientierung zunächst, wurde später aber dann doch geschlossen, da sich Monsanto auf seine neue gesponserte Attraktion «Adventure Thru Inner Space» konzentrieren wollte.

Abbruch gelang zunächst nicht

Das Haus sollte noch im selben Jahr abgerissen werden. Tatsächlich war das Gebäude an sich aber so stabil gebaut worden, dass es zunächst nicht gelang, es mit Abrissbirne, Brenner, Kettensäge oder Presslufthammer niederzureissen, wie die Architekturdatenbank «Architectuul» in einem Beitrag schreibt. Schlussendlich konnte es erst mit speziellen Würgeketten in seine Einzelteile zerlegt werden. 

Die verstärkte Polyesterstruktur des Bauwerks war sogar so stark, dass die Stahlbolzen, mit der es am Fundament befestigt war, abbrachen, bevor das Gebäude selbst zerbrach. Heute ist vom einstigen Zukunftshaus nur noch das Fundament übrig. Dieses befindet sich noch immer im «Tomorrowland» und ist bei der Attraktion «Pixie Hollow» als grüner Pflanzenkübel zu sehen.

Gebäudetechnik im Monsanto House of the Future

Quelle: MidCentArc flickr CC BY-NC-SA 2.0

Klimazentrale im Future-House: Die Designer gingen davon aus, dass es 1986 möglich sein würde, die Temperatur und Feuchtigkeit im Haus regeln zu können. Zudem sollte die Zentrale auch Duftstoffe versprühen können.

Lautsprechertelefon im Monsanto House of the Future

Quelle: MidCentArc flickr CC BY-NC-SA 2.0

Das Monsanto-Haus verfügte auch über ein Telefon, das mit Lautsprechern verbunden war, die in den Wänden im Haus verbaut waren. In der Küche gab es ausserdem Mikrowellen – was damals noch völlig neue Haushaltsgeräte waren.

Zeitungsartikel zum Monsanto Future House

Quelle: James Vaughan flickr CC BY-NC-SA 2.0

Ein alter Zeitungsartikel von 1956 zum Monsanto-House, als es noch nicht gebaut war. Darin war noch die Rede davon, dass der Prototyp im Disneyland womöglich als Haus-Modell in Massenproduktion hergestellt werden könnte.

Geschrieben von

Redaktorin Baublatt

Zeichnet, schreibt und kreiert gerne. Themenbereiche: Bauprojekte sowohl international als auch regional, News aus Wissenschaft, Forschung, Technik, Architektur und Design.

E-Mail

Auch interessant

Anzeige

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.