Bauwirtschaft Nordwestschweiz: Wohnbau zieht an, Aargau bremst
Die Bauregion Nordwestschweiz schliesst mit einem leichten Minus ab. Dahinter verbirgt sich aber ein starkes Gefälle: Basel-Stadt verdoppelt die Wohnbausumme und Baselland erholt sich, während der Aargau einbricht und die Region ins Minus zieht.
In der Bauregion Nordwestschweiz summieren sich die geplanten Hochbauinvestitionen anhand der Baugesuche von Juni 2025 bis Mai 2026 auf 5,54 Milliarden Franken – was nominal einem Minus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hinter dem knappen Rückgang verbirgt sich ein starkes Gefälle: Während Basel-Stadt (+52,4%) und Basel-Landschaft (+36,0%) gesamthaft deutlich zulegen, bricht der Aargau um 18,2 Prozent ein, wie Zahlen der Infopro Digital Schweiz GmbH zeigen. Da der Kanton rund drei Fünftel der Bausumme in der Nordwestschweiz auf sich vereinigt, zieht er die Gesamtregion trotz starker Zuwächse in den Halbkantonen knapp ins Minus.
Wohnbau in Basel-Stadt erholt sich
Den stärksten Impuls der Region setzt der Wohnbau in
Basel-Stadt: Die Bausumme hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 564 Millionen
Franken mehr als verdoppelt. Den grössten Beitrag leistete das Mehrfamilienhaus-Segment (MFH) mit einem Plus von 113 Prozent. Das ist eine kräftige Erholung, allerdings von historisch tiefen
Werten, nachdem sich die Bausumme des Segments in den letzten vier Jahren
nahezu halbiert hatte.
Auch Basel-Landschaft legt beim Wohnbau zu (+21,0%, 997 Mio. CHF), was ebenfalls einer Erholung nach einem drastischen Einbruch in der Vorperiode (−37,7%) entspricht. Im Aargau dagegen gibt der Wohnbau um 14,8 Prozent nach, wobei das grösste Bauvorhaben im Kanton ein Wohnraumprojekt betrifft: Die zu Pensimo gehörende Immobilien-Anlagestiftung Touridomus plant für 100 Millionen Franken auf dem ehemaligen Swissprinters-Areal in Zofingen eine Überbauung mit über 300 Wohnungen.
Gewerbe weicht Wohnraum
Beim übrigen Hochbau fällt das Segment Industrie und Gewerbe in Basel-Stadt mit einem Rückgang von 89 auf 16 Millionen Franken besonders ins Auge. Ein wesentlicher Teil dürfte sich durch einen strukturellen Wandel im Stadtkanton erklären lassen: Industrie- und Gewerbeflächen weichen zunehmend Grossprojekten, die massiv mehr Wohnraum schaffen. Aktuelle Beispiele dafür sind das Areal Wolf sowie das Projekt Klybeckplus. Aber auch der neue Stadtteil Dreispitz Nord, mit dem allein rund 800 neue Wohnungen geschaffen werden sollen.
Im Aargau ist der Rückgang im Segment Handel und Verwaltung (von 431 zu 165 Mio. CHF, -61,7%) zu einem erheblichen Teil auf den Basiseffekt zurückzuführen: In der Vorperiode hatte ein Grossprojekt die Segmentsumme auf einen ausserordentlich hohen Wert getrieben. Das Segment Industrie und Gewerbe gibt im Aargau moderater nach (-11,2%), bleibt aber das gewichtigste Segment des übrigen Hochbaus der gesamten Bauregion.
Quelle: Christian Bieri
Der Kanton Basel-Stadt hat das 40'253 Quadratmeter grosse Areal «im Surinam» erworben.
MFH dominiert, EFH unter Druck
Der Wohnbau bleibt das volumenstärkste Segment der Nordwestschweiz. Gesamthaft summiert sich die geplante Wohnbausumme auf rund 4,0 Milliarden Franken, wovon 3,3 Milliarden auf das Mehrfamilienhaus-Segment (MFH) und 689 Millionen auf Einfamilienhäuser (EFH) entfallen (Zahlen per 31. Mai 2026). Das MFH-Segment dominiert den Wohnbau in allen drei Kantonen klar. In Basel-Stadt entfallen mittlerweile 93 Prozent der gesamten Wohnbausumme auf Mehrfamilienhäuser, was den zunehmenden Druck auf Bauland im dicht bebauten Stadtkanton widerspiegelt.
In Basel-Landschaft macht das Segment MFH rund 79 Prozent der Wohnbausumme aus, im Aargau sind es 82 Prozent. Das EFH-Segment dagegen bleibt in allen Kantonen unter Druck: Im Aargau gibt es um 17,6 Prozent nach, in Basel-Stadt steigt das Investitionsvolumen zwar von historisch tiefen 17 auf 41 Millionen Franken, bleibt aber auf einem niedrigen Niveau. Einzig Basel-Landschaft verzeichnet beim Bau von Einfamilienhäusern ein Plus von 18 Prozent, was aber ebenfalls einer Erholung nach starken Rückgängen der Vorjahre entspricht.
Dass der Wohnbau in Basel-Stadt strukturell zulegt, ist ausserdem kein Zufall: Der Kanton verfolgt aktiv eine Bodenpolitik zur Förderung von preisgünstigem Wohnraum. Im Mai 2026 erwarb er die Areale «im Surinam» und «Horburg» mit insgesamt knapp 600 Wohnungen von einer Anlagegruppe der UBS Anlagestiftung. Beide Areale sollen im Baurecht an Wohnbaugenossenschaften abgegeben werden und bieten darüber hinaus Verdichtungspotenzial. Ziel ist es, den Anteil gemeinnütziger Mietwohnungen bis 2050 auf 25 Prozent zu steigern.
Im Fokus: Bautätigkeit
Die Bautätigkeit in der Nordwestschweiz hat sich gemäss den Zahlen des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) von Oktober 2025 bis März 2026 mit 1,14 Milliarden Franken leicht erhöht (+3,7%) und liegt auch über dem Fünfjahresschnitt (+6,0%). Der Wohnbau gab nach dem starken Vorjahr deutlich nach (−20,3%), bleibt aber über dem langjährigen Mittel. Praktisch verdoppelt hat sich der öffentliche Hochbau (+98,3%), während der übrige Hochbau leicht unter dem Mehrjahresschnitt verharrt (−20,6%).
Im Fokus: Arbeitsvorrat
Der Arbeitsvorrat der Baufirmen ist per 31. März 2026 um 24,3 Prozent auf 1,18 Milliarden Franken gesunken, was unter dem Schnitt der letzten vier Jahre (−26,9%) liegt. Den stärksten Einbruch verzeichnete der Tiefbau, dessen Auftragsbestand sich nahezu halbierte. Auch beim übrigen Hochbau nahm der Vorrat ab (−26,0%). Einzig der öffentliche Hochbau baute seinen Arbeitsvorrat weiter aus (+34,9%) und erreichte damit einen neuen Höchstwert in der betrachteten Reihe.