15:08 BAUPROJEKTE

Strom aus dem Vulkan: Nasa will Yellowstone anbohren

Teaserbild-Quelle: Jon Sullivan, commons.wikimedia.org, gemeinfrei

Unter dem Yellowstone-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming schlummert ein aktiver Supervulkan. Um einen Mega-Ausbruch zu verhindern, will die Nasa ihn abkühlen und seine Energie durch Anbohren als Stromquelle nutzen.

Der Old Faithful-Geysir (der alte Getreue) gehört zu den bekanntesten Geysiren im Yellowstone-Nationalpark. (Jon Sullivan, commons.wikimedia.org, gemeinfrei)

Quelle: Jon Sullivan, commons.wikimedia.org, gemeinfrei

Der Old Faithful-Geysir (der alte Getreue) gehört zu den bekanntesten Geysiren im Yellowstone-Nationalpark.

In einem Interview mit der BBC hat Brian Wilcox vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa eine spektakuläre Idee aufs Tapet gebracht: Der Supervulkan im ältesten Nationalpark der Welt soll abgekühlt werden, um einen möglichen Ausbruch zu verhindern. Denn ein solcher hätte höchstwahrscheinlich verheerende Folgen für die Menschheit. Tief unter der Erde des Yellowstone-Nationalparks befindet sich nämlich eine riesige Magmakammer von rund 60 Kilometern Länge und einer Breite von 35 Kilometern. Ginge der Vulkan hoch, würde seine Asche kilometerweit in die Atmosphäre geschleudert. Ein vulkanischer Winter wäre die Folge.

Wie Wilcox erklärt, soll ein Teil der enormen Energie aus der Kammer abgeleitet und zur Stromerzeugung genutzt werden. Die Leistung des Yellowstone liege derzeit bei etwa sechs Gigawatt. Nach seinen Schätzungen würde es reichen, die Hitze, die aus dem Erdinneren strömt – die zahlreichen Geysire sind das Resultat –, um etwa 35 Prozent zu reduzieren, damit die Gefahr eines Ausbruchs gebannt ist. Der Plan der Nasa sieht eine zehn Kilometer tiefe Bohrung vor, um an das dort befindliche, zirka 350 Grad heisse Wasser zu gelangen. Dieses soll dann zu einem Geothermiekraftwerk umgeleitet und in Strom umgewandelt werden. Wilcox: „Dadurch könnte eine Anlage geschaffen werden, die elektrische Energie für rund zehn Cent pro Kilowattstunde erzeugt.“ Die Energie könne die Umgebung möglicherweise für zehntausend Jahre mit Strom versorgen.

Das Geothermie-Verfahren birgt jedoch auch Risiken. „Es besteht die Gefahr, einen Ausbruch auszulösen, den man ja gerade verhindern will“, so Wilcox im BBC-Interview. Den Vulkan an der Spitze anzubohren kommt für ihn nicht in Frage. „Das könnte die Kappe über der Magmakammer spröde machen, womit sie anfälliger für Risse wäre. Ausserdem könnten schädliche flüchtige Gase im Magma an die Oberfläche gelangen.“ Deshalb will man von den unteren Seiten bohren, beginnend ausserhalb der Grenzen des Nationalparks. „Auf diese Weise kann man verhindern, dass die Hitze die Spitze der Kammer erreicht – denn dort entsteht die wirkliche Bedrohung.“

Das Kühlen des Yellowstone ist laut Wilcox ein Jahrhundertprojekt, dessen Kosten er auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar schätzt. Ausserdem würden die Initianten es niemals vollendet sehen. Doch dieses langfristige Denken und Planen sei die einzige Chance, um eine Katastrophe zu verhindern. Vor allem aber gelte es, dieses neue Angebot an elektrischer Energie zu nutzen. (mt/pd)

Auch interessant

Anzeige

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.