Parlament befindet über Finanzierung von Reservekraftwerken
Ab etwa 2030 will der Bundesrat neue Reservekraftwerke in Betrieb nehmen. Dafür beantragt er dem Parlament rund 2,3 Milliarden Franken. Letztlich werden Bau und Betrieb der Kraftwerke aber nicht aus der Bundeskasse finanziert, sondern von den Stromkonsumentinnen und -konsumenten.
Der Bundesrat verabschiedete an seiner Sitzung die Botschaft ans Parlament über die Finanzierung der Reservekraftwerke, dies teilte er heute Freitag mit. Hintergrund ist das Risiko eines Strommangels,
insbesondere im Winter.
Reservekraftwerke bildeten einen unverzichtbaren Bestandteil der Stromreserve, heisst es beim Bundesrat. Laut Risikoanalysen des Bundes könnte eine dreimonatige Mangellage im Winter Schäden von bis zu 84 Milliarden Franken nach sich ziehen.
Die eidgenössischen Räte werden sich voraussichtlich bereits in der Herbst- und Wintersession 2026 mit dem Geschäft befassen. Für den Bund seien die Ausgaben haushaltsneutral, hiess es. Gemeint ist damit, dass sie an die nationale Netzgesellschaft Swissgridnweiterverrechnet und über das Netznutzungsentgelt auf dienStromkonsumentinnen und -konsumenten überwälzt werden.
Zuschläge für fünf Reservekraftwerke bereits vergeben
Der Bund hatte schon im Mai 2025 fünf Reservekraftwerken den Zuschlag gegeben. Neben dem bereits bestehenden Kraftwerk von Cimo in Montey VS handelt es sich um die Anlagen Sisslerfeld 1 (Getec) und 2 (Sidewinder) in Eiken AG, eine in Stein AG (Getec) sowie das Reservekraftwerk Auhafen der Axpo in Muttenz BL. Die Verträge mit den Anbietern seien im ersten Halbjahr 2026 unterzeichnet worden, schrieb der Bundesrat am Freitag.
Bis zur Inbetriebnahme der neuen Kraftwerke gilt eine Übergangslösun: Vergangenen Oktober hatte der Bundesrat entschieden, die Verträge der schon vorhandenen Reservekraftwerke in Monthey VS
und Cornaux NE über Ende April des laufenden Jahres hinaus zu verlängern. Bestehen bleiben auch die Notstromgruppen. Ab Februar 2027 soll zudem der Gasturbinen-Prüfstand des Unternehmens Ansaldo Energia in Birr AG als Übergangs-Reservekraftwerk bereitstehen.
WWF übt Kritik und sieht Bedarf an Neubauten nicht gegeben
Die Umweltschutzorganisation WWF übte in einer Stellungnahme Kritik am Vorhaben des Bundesrates. Sie sprach in einer Mitteilung von einer unnötigen Luxusreserve, die rund 26 mal teurer sei als die vorhandenen Alternativen. Stand heute sei der Bedarf für Neubauten nicht gegeben.
Der WWF stellte infrage, ob es für Neubauten die nötige gesetzliche Grundlage gebe. Zudem warf er dem Bundesrat vor, die Inkraftsetzung des Stromversorgungsgesetzes aus taktischen Gründen hinauszuschieben. Denn darin sei klar geregelt, dass teure Neubauten nur als letzte Option infrage kämen. (sda/mai)