13:08 BAUPROJEKTE

Mikrobibliothek in Indonesien: Lesen hinter Glace-Bechern

Teaserbild-Quelle: Sanrok studio/ SHAU

Ausgediente Glace-Becher schirmen grelles Sonnenlicht ab und schaffen eine kleine Oase der Ruhe für grosse und kleine Leser. Die Mikrobibliothek im indonesischen Bandung ist die erste von hundert geplanten Lesepavillons im Inselstaat.

Obwohl die Alphabetisierungsrate in Indonesien laut Unesco bei über 90 Prozent liegt, ist der Zugang zu Literatur und Büchern für viele schwierig. Das Projekt „100 Microlibraries“ soll dies ändern: Kleine Bibliotheken, die in ländlichen Gebieten sowie in Quartieren ausserhalb der Stadtzentren Raum zum Lesen und Lernen bieten. Eine der ersten steht in einem Stadtteil von Bandung, der Hauptstadt Westjavas. Der verspielte Pavillon stammt aus der Feder des Architektur- und Städteplanungsbüros SHAU aus Rotterdam mit Niederlassungen in Passau D und Bandung.

Am augenfälligsten ist die Hülle des kleinen Bauwerks: Sie besteht aus 2000 ausgedienten Glace-Bechern. Sie sind so angeordnet, dass sie als Binärcode gelesen den Satz „buku adalah jendela dunia“ bedeuten oder vielmehr „Bücher sind die Fenster zur Welt“. Dabei stehen die mit der Öffnung gegen aussen montierten Becher für „0“ und jene mit dem Boden gegen aussen für „1“. Allerdings ist die umweltfreundliche Fassade mehr als eine hübsche Spielerei. Der weisse Kunststoff sorgt drinnen tagsüber für ein angenehmes Licht und lässt den Pavillon nachts – sofern es im Innern hell ist – sanft schimmern.

Ursprünglich wollten die Architekten ausgediente Kanister statt Becher verwenden. Nachdem diese aber nicht in genügender Zahl aufgetrieben werden konnten, mussten sie sich nach einem anderen Material umsehen. Schliesslich wurden sie bei Händlern fündig, welche die ausgedienten Plastikbehälter verkaufen. Da Glace-Becher ein positiveres Image als Kanister hätten, sei diese dem Projekt dienlicher, so die Architekten. Ausserdem ist ihre Form besser um für Luftzirkulation und damit für eine natürliche Kühlung zu sorgen.

Abgesehen von den Bechern besteht das kleine Haus aus einer Stahlstruktur, in der die Behälter wurden, und Beton. Gebaut wurde die es auf einer bereits bestehenden Bühne, die im Quartier für Konzerte und andere Darbietungen genutzt worden ist. Die Bühne blieb allerdings erhalten, denn der kleine Büchertempel steht auf Stützen, eine Treppe führt ins Innere. (mai)

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