Europas längste Stadtseilbahn hängt an Schweizer Technik
Im Süden von Paris verkürzt neuerdings eine Kabinenbahn die Wegezeiten der Pendlerinnen und Pendler. Was viele nicht wissen: Für die Sicherheit beim schnellen Schweben über die Banlieue sorgt moderne Seilbahn-Technik aus der Schweiz.
Quelle: Laurent Grandguillot/IDFM
Bringt Tausenden Pendlerinnen und Pendlern im Südosten von Paris erhebliche Fahrtzeitgewinne: Europas längste Seilbahn über städtischem Grund.
Seit gut einem Monat schwebt die Câble C1 als erste Seilbahn der Hauptstadt-Region Île-de-France auf einer Strecke von 4,5 Kilometern über den Südosten von Paris. Dort sorgt das neue Transportmittel für eine hochwillkommene Entlastung. Denn an ihrem Standort im Département Val-de-Marne, das zum stetig wachsenden Grossraum Paris gehört, gelten die Verkehrswege als besonders stark belastet. Das bisherige, überwiegend bus- und metrobasierte öffentliche Verkehrssystem konnte die steigenden Anforderungen nicht mehr ausreichend erfüllen.
Die urbane Seilbahnanlage Câble C1 stellt eine neue Mobilitätslösung dar, welche das Gebiet verkehrlich entlasten, CO₂-Emissionen reduzieren und die südöstlichen Vororte besser an die Weltstadt Paris anzubinden vermag. Mit einer geschätzten Kapazität von rund 11'000 Passagieren pro Tag stellt die Bahn eine schnelle und zuverlässige Lösung für Pendlerinnen und Anwohner dar. Die Seilbahn schafft eine vom Strassenverkehr unabhängige Verbindung und erweitert das bestehende Netz.
Quer über urbanes Gebiet
Die 4,5 Kilometer lange Strecke der Câble C1 verbindet den Vorort Créteil und die dort gelegene Endstation der Linie B der Pariser Métro mit den Banlieue-Gemeinden Limeil-Brévannes, Valenton und Villeneuve-Saint-Georges. Entlang der Linie liegen fünf Stationen. Ihre 105 Kabinen verkehren über 30 Stützen, die Fahrzeit zwischen den Endstationen beträgt 18 Minuten. Dabei durchquert die Seilbahn ein urbanes Gebiet, das von einer TGV- und Güterbahnlinie, dem Rangierbahnhof Valenton, der Schnellstrasse RN 406 sowie wichtigen städtischen Verkehrsachsen durchschnitten wird. Dies alles geht aus einer Medienmitteilung der Brugg Group AG hervor.
Quelle: zvg/Fatzer
An diesem Seil des Typs Performa hängen moderne, urbane Seilbahnen von Zürich über Paris bis Mexiko City.
Schliesslich stammen die Förderseile der längsten Kabinenbahn des Kontinents auf städtischem Grund von der Fatzer AG in Romanshorn TG, die wiederum zur Aargauer Brugg Group gehört. Die Seilbahn besteht aus drei Seilschlaufen. Fatzer lieferte daher drei Seile mit einem Gesamtgewicht von rund 90 Tonnen. Zum Einsatz kommt dabei der Seiltyp Performa DT, der speziell für urbane Bahnen mit hoher Belastung entwickelt wurde. Charakteristisch für Performa DT sind Kunststoff-Profile zwischen den Litzen. Diese Konstruktion erhöht die Langlebigkeit der Seile und sorgt gleichzeitig für geräuscharmen, ruhigen Lauf, heisst es im Communiqué weiter.
Mehr als ein Seil
Das sei ein wichtiger Faktor für Seilbahnen, die über dicht besiedelte Gebiete führen. So installierte eine Fatzer-Crew unlängst auch in der Stadt Zürich ein Seil des Typs Performa. Dies im vergangenen Sommer während der umfassenden Erneuerung der (Stand-)Seilbahn Rigiblick.
Für den Einsatz des Seils ist der Anspruch an die Verfügbarkeit der Anlage entscheidend. Denn die Câble C1 ist unter der Woche von 5.30 bis 23.30 Uhr sowie am Wochenende bis 00.30 Uhr durchgängig in Betrieb. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, kommt eine zweite Schweizer High-Tech-Komponente ins Spiel: die von Fatzer entwickelte Überwachungslösung TRU-Scan.
Quelle: Fatzer AG
Dieses Gerät überwacht den Zustand der Förderseile auf Basis einer magnetinduktiven Messung.
Mit Hilfe einer magnetinduktiven Messung liefert dieses Gerät in Echtzeit Auskunft über den Seilzustand. Gemäss der Medienmitteilung macht es dadurch Wartungsarbeiten planbar und entdeckt etwaige Unregelmässigkeiten sofort.
An Seilen des Typs Performa hängen nicht nur in Paris hochfrequentierte, urbane Seilbahnkabinen. Vielmehr sind La Paz, Medellín, Mexico-Stadt, Guayaquil, La Réunion, Ajaccio Beispiele für seine Einsatzorte. Zu ihnen wird sich demnächst auch eine Kabinenbahn in der mexikanischen Grossstadt Uruapan gesellen. (mgt/pew)