16:11 BAUPRAXIS

Gotthardbasistunnel: Instandsetzung dauert wegen gravierenden Schäden länger als gedacht

Teaserbild-Quelle: SBB CFF FFS

Erst im Verlauf des Septembers 2024 kann der Gotthardbasistunnel wieder vollständig von Reise- und Güterzügen befahren werden. Die Entgleisung des Güterzugs am 10. August hat gravierendere Schäden angerichtete als zunächst angenommen. Dies teilt die SBB mit. 

Zugsentgleisung im Gothardbasistunnel

Quelle: SBB CFF FFS

Der entgleiste Zug im Gotthardbasistunnel richtete grössere Schäden an, als bisher angenommen.

Weil die Schienen oder vielmehr die Fahrbahn auf einer Strecke von über sieben Kilometern komplett erneuert werden muss, dauern die Reparaturarbeiten einiges länger als ursprünglich erwartet. Bei der SBB geht man von einer Schadenssumme von rund 100 bis 130 Millionen Franken aus, inklusive Ertragsausfällen. Wie die SBB schreibt, verfügt sie über keine Versicherung für solche Ereignisse.  

Die SBB prüft Möglichkeiten, die Bauarbeiten zu beschleunigen. Dies unter anderem mit dem Ziel, dass zum Fahrplanwechsel am Wochenende vom 10. Dezember wieder mehr und schnellere Reisezüge durch den Tunnel verkehren können als heute. Immerhin konnten nach relativ kurzer Zeit wieder Güterzüge durch die unbeschädigte Oströhre verkehren, und seit Ende September sind an den Wochenenden auch wieder einzelne Reisezüge im Eisenbahntunnel unterwegs.

Zerstörte Gleise im Gotthardbasistunnel.

Quelle: SBB CFF FFS

Die Gleise müssen auf einer Strecke von sieben Kilometern ersetzt werden.

Seit der Entgleisung des Güterzugs sind die Arbeiten im Gotthard-Basistunnel laut SBB mit Hochdruck vorangetrieben worden. Bis zu 80 Mitarbeiter von SBB und Drittfirmen sind täglich im Tunnel am Werk. Sie arbeiten unter zum Teil schwierigen Bedingungen: im Berg herrschen Temperaturen um 40 Grad, die Platzverhältnisse sind eng und die Logistik anspruchsvoll. 

Kompletter Ersatz von Schienen und 20'000 Schwellblöcken

Die Schäden im Tunnel sind einiges gravierender als wie es zunächst den Anschein machte: Weil es laut SBB einem Flickwerk gleichkäme, nur die zahlreichen beschädigten Stellen zu reparieren, wird die Strecke auf einer Länge von sieben Kilometern durchgehend umfassend erneuert. Das bedeutet den Ersatz der Schienen und der dazugehörigen 20’000 Schwellblöcke, eine neue Betonschicht, in die sie eingegossen sind, braucht es damit auch. – Die Fräsarbeiten haben bereits begonnen.

Des Weiteren müssen ein neues Spurwechseltor und zwei Schnellfahrweichen in der Multifunktionsstelle Faido eingebaut werden, was gemäss SBB mehrere Wochen in Aspruch nimmt. Zudem braucht es zahlreiche weitere neue sicherheits- und betriebsrelevante Anlagenteile. Nach Abschluss aller Reparaturarbeiten erfolge eine intensive Inbetriebnahmephase mit umfangreichen Abnahme- und Prüfarbeiten sowie Testfahrten.

Beschädigte Schienen.

Quelle: SBB CFF FSI

Beschädigte Fahrbahn im Gotthardbasistunnel.

Somit dauern die Reparaturarbeiten weit länger  als ursprünglich angenommen. Nach aktuellem Kenntnisstand geht die SBB davon aus, dass beide Röhren des Gotthard-Basistunnels erst im Verlauf des Septembers 2024 wieder vollständig befahrbar sind. 

Verteilung der Trassen nach sorgfältiger Abwägung

Für die Verteilung der Trassen durch den Gotthard-Basistunnel während der Reparaturarbeiten habe man zusammen mit den Branchenvertretern des Güterverkehrs und den Eisenbahnverkehrsunternehmen des Personenverkehrs sowie der unabhängigen Trassenvergabestelle eine sorgfältige Abwägung vorgenommen, schreibt die SBB. Sie trage, so weit wie möglich, den verschiedenen Bedürfnissen von Bauarbeiten, Personen- und Güterverkehr Rechnung und berücksichtige auch die angespannte Lage sowie die komplexen Abläufe in der internationalen Transitgüterlogistik und den dazugehörenden Terminals. (mai/mgt) 

Abeiten im Gotthardbasistunnel

Quelle: SBB CFF FSI

Die Arbeit im Gotthardbasistunnel ist anstrengend; hier herrschen Temperaturen von bis zu 40 Grad.

Gotthardbasistunnel, Blick auf die Arbeiten.

Quelle: SBB CFF FFS

Die Verhältnisse sind beengt, auch das macht die Arbeit im Tunnel anspruchsvoll.

Besseres Angebot zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember

Portal Gotthardbasistunnel

Quelle: SBB CFF FSI

Im Verlauf des Septembers im nächsten Jahr, sollen die Züge wieder wie gewohnt durch den Gotthardbasistunnel verkehren können.

Die Absicht der SBB ist, ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 die Kapazitäten für den Güterverkehr unter der Woche zu erhöhen, für den Personenverkehr am Wochenende. 

Von Montag bis Donnerstag sollen dem Güterverkehr nach wie vor alle Trassen durch den Gotthard-Basistunnel zur Verfügung stehen, von Freitag- bis Sonntagabend ist geplant, dass die Güter- und Reisezüge gemischt durch den Tunnel fahren. 

Auf diese Weise will die SBB den bestmöglichen Nutzen für die Kundinnen und Kunden im Güter- und Personenverkehr schaffen. Im Güterverkehr können die erforderlichen Kapazitäten für die Transit- sowie für die Binnenverkehre sichergestellt werden, gleichzeitig können übers Wochenende deutlich mehr und schnellere Reisezüge durch den Gotthard-Basistunnel fahren als heute.  

Genaues Konzept noch in Arbeit

Gegenwärtig ist das genaue Konzept laut SBB in Arbeit und bedingt die sicherheitstechnische Zulassung des Bundesamts für Verkehr (BAV). Ende November will die SBB die genauen Verbindungen kommunizieren, ab dann werden diese auch im Online-Fahrplan ersichtlich sein. Das neue Angebot gilt ab Fahrplanwechsel respektive 10. Dezember bis vor Ostern 2024. 

Zudem prüft die SBB, wie es für die Zeit danach und besonders für die verlängerten Feiertagswochenenden an Ostern, Auffahrt und Pfingsten für den Personen- und den Güterverkehr angepasst werden kann. Sie wird dazu voraussichtlich im ersten Quartal 2024 wieder informieren. (mgt/mai)

Entgleister Zug im Gotthardbasistunnel

Quelle: SBB CFF FFS

Blick auf den entgleisten Zug.

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