15:31 BAUPRAXIS

Terra Solid: Kompetenzen für Grundbau und Naturgefahren vermitteln

Teaserbild-Quelle: Lötscher Tiefbau AG

Vom 24. bis 26. Februar präsentiert die Messe Luzern eine neue Fachmesse: die Terra Solid. Sie richtet sich an Fachleute aus den Bereichen Grundbau und Naturgefahren. Thematisiert werden spezifische Herausforderungen rund um Tief- und Infrastrukturbau, Grundbau Naturgefahren, Baustoffe oder Digitalisierung im Bauwesen.

Bauarbeiten an der neuen Axenstrasse.

Quelle: Lötscher Tiefbau AG

Bauarbeiten an der neuen Axenstrasse.

Eine entsprechende Plattform existiert in der Schweiz nicht, wie Messeleiter Elio Cavazzutti erläutert (siehe «Nachgefragt»). Diese wird mit der Terra Solid ins Leben gerufen: Fachpersonen aus dem Bauingenieurwesen, der Städte- und Raumplanung, Spezialistinnen und Spezialisten für Naturgefahren sind genauso angesprochen wie Unternehmen für Grund-, Tief- und Spezialtiefbau, Strasseninspektorate sowie Verantwortliche von Verkehrsnetzen. Diese können durch die passenden Anbieter vor Ort spezifische Bau- oder Schutzprojekte planen, gezielt Projektpartner finden und neue Lösungen und Materialien kennenlernen.

Entwickelt hat das neue Format die Messe Luzern AG. Mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu), Abteilung Gefahrenprävention, ist ein starker Patronatspartner an Bord. Dieser sowie weitere Partner aus der Planung und Forschung sowie der öffentlichen Hand und aus den Unternehmungen bereichern die Fachmesse sowohl thematisch als auch organisatorisch.

Aussteller zeigen aktuelle Entwicklung

Über 50 namhafte Aussteller präsentieren an der Erstaustragung Innovationen und Dienstleistungen aus den Bereichen Spezialtiefbau, Erdbau- und Baugrubentechnik, Fels- und Hangsicherungen, Hochwasserschutz bis zu digitalen Tools für Planung und Risiko-management. Aussteller wie etwa Aco, HGC, Geobrugg, Gasser Felstechnik sowie das Bundesamt für Umwelt sind vertreten.

«Die Terra Solid bietet einen umfassenden Einblick in die innovativen Entwicklungen, praxisbewährten Methoden und zukunftsweisenden Strategien im Grundbau sowie im Schutz vor Naturgefahren», fasst der Messe-eiter zusammen. Ausserdem treffen sich in der Planerzone die geballte Kompetenz von Ingenieur- und Fachplaner sowie Gutachter- und Sachverständigenbüros an einem Ort.

Sonderschauen mit spannenden Infrastrukturprojekten

Paradebeispiele für herausfordernde, ja spektakuläre Infrastrukturbauten liefert die Terra Solid im Rahmen von zwei Sonderschauen: Zum einen präsentieren der Kanton Uri und der Sonderschaupartner Lötscher Tiefbau AG das Projekt «A4 Neue Axenstrasse». Bereits die ursprüngliche Axenstrasse zwischen Brunnen SZ und Flüelen UR, 1865 eröffnet, war ein kühnes Strassenbauprojekt. Später wurde die Strasse für den aufkommenden Motorverkehr verbreitert und danach in mehreren Projekten saniert und ausgebaut.

2014 startete das Plangenehmigungsverfahren für ein Neubauprojekt, da die bestehende Strasse den Anforderungen nicht mehr genügte. Es beinhaltet zwei neue Tunnelbauten als Kernstücke. Die Bauarbeiten am steil abfallenden östlichen Ufer des Vierwaldstättersees sind geologisch sehr anspruchsvoll, erfordern diverse Massnahmen zur Hangsicherung und zum Schutz vor Naturgefahren. Dies zeigte sich eindrücklich 2019 bei mehreren grossen Felsstürzen im Gumpischtal, die auch Projektanpassungen nötig machten. Die Bauarbeiten an diesem zentralen Projekt des Bundesamts für Strassen (Astra) begannen 2022 und wurden auf rund 1,2 Milliarden Franken veranschlagt. Die Inbetriebnahme der neuen Axenstrasse ist für 2034 vorgesehen.


Sonderschau «A4 Neue Axenstrasse» an der Terra Solid  (Visualisierung)

Quelle: Messe Luzern

So wird die Sonderschau «A4 Neue Axenstrasse» an der Terra Solid aussehen.

«Das Projekt ist durch seine Grösse, die Vorgeschichte und die Komplexität äusserst spannend für Fachleute», sagt Elio Cavazzutti. In der Sonderschau an der Terra Solid wird nicht nur das Bauprojekt vorgestellt. Vielmehr werden auch seine lange politische Vorgeschichte, die Bautechnik sowie das Thema der Nachhaltigkeit aufgezeigt.

Bereits 2030 soll ein anderes grosses Strassenbauprojekt dem Verkehr übergeben werden, dem die zweite Sonderschau gewidmet ist: die «A2 Zweite Röhre Gotthard». Die neue Verbindung zwischen Göschenen im Kanton Uri und Airolo im Kanton Tessin wurde 2016 in einer Volksabstimmung gutgeheissen. Die zweite Röhre ist nicht nur für das wachsende Verkehrsaufkommen nötig, sondern auch um die 1980 eröffnete erste Röhre umfassend instand setzen zu können. Hierfür ist eine Vollsperrung nötig, die bis 2033 andauert. Auch im Gotthard-Massiv ist die Geologie komplex: Die Röhre muss durch verschiedene Gesteinsschichten getrieben werden, durch Granit, Gneis, Paragneis und verschiedene Sedimentgesteine. Diese geologische Vielfalt sorgt für einige Gefahren und macht einen regelmässigen Wechsel der Vortriebsmethode nötig. Das Gotthard-Projekt wird deshalb nach aktuellem Stand sogar 2,14 Milliarden Franken kosten.

An der Sonderschau erhalten Besuchende der Terra Solid spannende Einblicke in das Jahrhundertbauwerk Gotthard: Sie können das massstabgetreue Modell der Tunnelbohrmaschine bestaunen, Gestein aus den geo-logischen Störzonen anfassen und sich die aufwändige Materialbewirtschaftung vom Fachpersonal erklären lassen.

35 Referate am Fachforum für Wissensvermittlung

Ein zentrales Element der Terra Solid ist das Fachforum, das von der Geobrugg AG präsentiert wird. In 35 Referaten vermitteln Branchenexpertinnen und -experten neuste Erkenntnisse aus Praxis, Forschung, Wissenschaft und Beratung. Dazu sagt Elio Cavazzutti: «Mit dem Fachforum möchten wir den Besuchenden eine Möglichkeit bieten, sich über aktuelle Themen zu informieren und sich weiterzubilden.» Das Fachforum enthält zudem eine Netzwerkzone, in der an konkreten Projekten gearbeitet oder Gehörtes diskutiert werden kann. (bb)

Infos Terra Solid
Ort: Messe Luzern
Öffnungszeiten: 
Dienstag, 24. Februar bis Donnerstag, 26. Februar9 bis 17 Uhr
Internet: www.terrasolid.ch





Nachgefragt...

... bei Messeleiter Elio Cavazzutti

Elio Cavazzutti, was hat den Anstoss gegeben, diese neue Fachmesse ins Leben zu rufen?
Ausschlaggebend war die Tatsache, dass in der Schweiz keine Plattform für Grundbau und Naturgefahren existiert. Im Hinblick auf die Entwicklungen in diesen Bereichen ist der Zeitpunkt der ersten Terra Solid geradezu ideal. Durch die wirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Monate steht insbesondere der Tiefbau unter Druck. Die Personal- und Materialkosten sind hoch. Das trifft Projekte mit hohem Material- und Logistikaufwand. Zudem wächst die Bedeutung drohender Naturgefahren aller Art. Ein Austausch zu diesen Themen ist deshalb wichtiger denn je.

Inwiefern ist die Thematik der Fachmesse nicht von anderen Ver-anstaltungen wie etwa der Swissbau abgedeckt, oder anders gefragt: Wo sehen Sie den Alleinstellungsanspruch der Terra Solid?
Wir verstehen uns als reine Fachmesse mit einem ganz konkreten Fokus auf ein spezifisches Thema. Unser Ziel ist es, an der Terra Solid den Austausch unter Fachpersonen, Expertinnen und Wissensträgern zu fördern. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen vermitteln wir Kompetenzen gezielt für die Bereiche Grundbau und Naturgefahren. So treffen die richtigen Menschen für die passenden Projekte aufeinander.

Welche Rolle spielt der Patronatspartner bei der Entwicklung der Messe?
Es war für uns von Anfang an wichtig, ei-nen starken Patronatspartner an unserer Seite zu wissen. Mit der Zusage des Bundesamts für Umwelt (Bafu), Abteilung Gefahrenprävention, ist uns das gelungen. Mit den Zuständigkeiten für den Umgang mit Risiken für Mensch, Umwelt und erhebliche Sachwerte infolge von Hochwasser, Murgängen, Rutschungen, Sturzprozessen, Lawinen, Erdbeben und Störfällen ist diese Partnerschaft von grösster Wichtigkeit für die Terra Solid. Die fachliche und thematische Unterstützung sowie das Netzwerk des Bafu haben uns in der Planungsphase sehr geholfen.

Terra Solid ist «mehr als eine Messe» und funktioniert während 365 Tagen im Jahr. Was heisst das konkret? Und liegt der Schwerpunkt aus Ihrer Sicht auf Messe oder der digitalen B2B-Plattform?
Die Fachmesse vom 24. bis 26. Februar ist die Essenz. Das Wichtigste bei der Terra Solid ist der persönliche Kontakt, der direkte Austausch und auch ein Händedruck. Wir wollen die richtigen Menschen zusammenbringen. Terra Solid ist aber mehr als eine Messe. Sie funktioniert während 365 Tagen als Informations- und Inspirationsplattform für die Bereiche Grundbau und Naturgefahren. Dabei steht das Content-Live-Marketing der Messe Luzern AG im Zentrum, das sie seit vielen Jahren bei allen ihren Messen erfolgreich umsetzt. Die Aussteller präsentieren ihr Unternehmen, ihre Lösungen, Veranstaltungen und Neuheiten nicht nur an der Messe, sondern auch davor und danach online, und erreichen so noch mehr Menschen.

Wie lauten Ihre längerfristigen Ziele, wohin soll sich die Messe entwickeln?
Die Terra Solid wird im Zweijahres-Rhythmus stattfinden – nach 2026 wieder 2028, 2030 etc. Ziel ist es, die Terra Solid als führende Fachmesse zu positionieren. Zudem soll sich die Terra Solid als Pflichttermin für Unternehmen, Planer, Forschung und Verwaltung etablieren. Selbstverständlich gilt die kontinuierliche Erhöhung der Ausstellerzahl mit Fokus auf relevante Branchen sowie die zielgerichtete Erweiterung der Besuchergruppen auch dazu. Und es sind durchaus Erweiterungen wie ein jährlicher Netzwerkanlass als zusätzlicher Touchpoint für die Community ein Thema.

Was sind die persönlichen Highlights des Messeleiters? 
In der Planungsphase war die Bereitschaft der Partner für eine Zusammenarbeit sowie das spürbare Interesse in der Branche eine grosse Freude. Überall, wo wir das Konzept präsentiert haben, wurde das Bedürfnis eines solchen Treffpunkts erkannt und mehr denn je verlangt. An der Messe freue ich mich besonders, die Aussteller zu besuchen, die an der ersten Austragung dabei sind, sowie auf das Rahmenprogramm mit den beiden Sonderschauen und einem hochkarätigen Fachforum.

Für wen ist die Messe gedacht? Wer soll sie besuchen? Und was bringt die Messe den Besuchenden?
Fachpersonen aus dem Bauingenieurwesen, der Städte- und Raumplanung oder Spezialistinnen und Spezialisten für Naturgefahren sind genauso angesprochen wie Unternehmen für Grund-, Tief- und Spezialtiefbau, Strasseninspektorate sowie Verantwortliche von Verkehrsnetzen. Diese können durch die passenden Anbieter vor Ort spezifische Bau- oder Schutzprojekte planen, gezielt Projektpartner finden und neue Lösungen und Materialien kennenlernen. 

Welche Bedeutung hat die neue Fachmesse für die Messe Luzern AG?
Mit der Terra Solid erweitert die Messe Luzern AG ihr Portfolio und bringt ihr Fachwissen nun in einem zusätzlichen Branchensegment ein. Mit unseren langjährigen Erfahrungen in der Messeorganisation, dem Verständnis für Content-Marketing sowie einem klaren Konzept bringen wir die richtigen Menschen in den Austausch. Das ist die Grundlage, um Branchen und Communities zu mobilisieren und zu stärken. Die Messe Luzern AG verfügt über langjährige Erfahrungen, Branchen zu vernetzen und bedeutende Plattformen für den Austausch und Wissenstransfer zu schaffen. (bk/pd)


Auch interessant

Anzeige

Firmenprofile

Messerli Informatik AG

Finden Sie über die neuen Firmenprofile bequem und unkompliziert Kontakte zu Handwerkern und Herstellern.

Reports

construction-report

Die neuen Baublatt Reports

Neben dem Report Baublatt Project Categories (ehem. Baublatt Analyse), bieten wir ab sofort zwei weitere brandneue Reports als Zusatz. Erfahren Sie hier was Baublatt Top Players und Baublatt Regional Projects zu bieten haben – wie gewohnt digital, prägnant und graphisch auf den Punkt gebracht.

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

newsico

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.