15:09 BAUPRAXIS

Stadtentwicklung München: Zwischen «Townhouse» und den «Verlorenen»

Teaserbild-Quelle: Rudolf Stumberger

Die bayerische Landeshauptstadt München gilt als eine der attraktivsten Städte überhaupt und wird von High-Tech-Firmen wie Microsoft als Unternehmensstandort gewählt. Doch der stete Zuzug und die daraus entstehende Nachfrage nach Immobilien sind dabei, sich als Bumerang für die Stadtentwicklung zu erweisen. München ist teilweise auf dem Weg, zur negativen Blaupause für die Stadt der Zukunft zu werden.

Neubau an der Münchner Regerstrasse

Quelle: Rudolf Stumberger

Die «steigende Vorfreude» dürfte nur begrenzten Umfangs sein. Die hochpreisigen Wohnungen im Neubau an der Münchner Regerstrasse können sich nur noch Besserverdienende leisten.

Von Rudolf Stumberger

«DNA des Erfolges. Stadt der Zukunft 2040. Investorenchance München» so lautet der Titel einer 2017 erstellten Studie der Immobilienfirma Wealthcap – das ist der grösste Investor am Münchner Gewerbeimmobilienmarkt – gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft. Darin werden verschiedene Zukunftsszenarien entworfen, und eines davon nennt sich «die entfesselte Stadt». Dabei wird davon ausgegangen, dass die bisherige soziale und ökonomische Ausgeglichenheit in der bayerischen Landeshauptstadt in eine Schieflage gerät, sich die Schere zwischen Reich und Arm weitet. Die Attraktivität der Stadt schlägt in das Gegenteil um: Die hohen Mieten führen zur Verdrängung der Normalverdiener. In der Folge werden drei Münchner Stadtviertel vorgestellt, die heute bereits der Entwicklungstendenz einer «entfesselten Stadt» folgen.

Die Stadt der Reichen

Die Au und das Isar-Hochufer in München waren früher ein Arme-Leute-Viertel. Unten am Auermühlbach reihten sich in krummen Gassen Holzhütte an Bretterbude, bis alles in einer Bombennacht zum Opfer der Flammen wurde. Oben am Hochufer baute ein katholischer Siedlungsverein Wohnhäuser für die Arbeiter, damit diese nicht zu den Sozialisten überliefen. Schräg gegenüber zu diesen «Josephs-Häusern» errichtete eine Wohnungsgenossenschaft in den 1920er-Jahren ihren Wohnblock mit den Genossenschaftswohnungen.

Das Gebiet war ein Viertel der Arbeiter, die ihr Geld  entweder bei der Paulaner-Brauerei, beim Pfanni-Werk oder in der Zündapp-Fabrik verdienten. Das war grundsätzlich so bis Ende der 1980er-Jahre, dann begann sich das Viertel zu ändern, die Tante-Emma-Läden verschwanden und die Kneipen begannen sich zu ändern. Jetzt können die Anwohner einen neuer Modernisierungsschub beiwohnen: dem Bau von Luxuswohnungen.

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