15:03 BAUPRAXIS

In Rom wird am Kopfsteinpflaster immer gehämmert

Teaserbild-Quelle: Di Lalupa, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Das Kopfsteinpflaster in Rom polarisiert. Die Sanpietrini – wie die Pflastersteine auch genannt werden – werden gehasst und geliebt.

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Quelle: KW76, Pixabay-Lizenz

Seine Farbe hat der Petersplatz in Rom von den charakteristischen Sampietrini.

Das Verhältnis der Römer und Römerinnen zu ihren traditionellen Pflastersteinen hat etwas Verrücktes. Hassliebe nennen es manche. Zweiradfahrer fluchen über die Holperpisten im Zentrum der Millionenstadt. Wer mit hochhackigen Schuhen unterwegs ist, riskiert wegen der Ritzen und Löcher einen Knöchelbruch. Fans dagegen schwärmen von der Schönheit des Strassenbelags aus dunklen Steinen, die Sampietrini (Sanktpeterchen) genannt werden.

Die Corona-Pandemie stoppte die ewigen Wanderbaustellen der Steinleger nicht – im Gegenteil. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi lässt keine Gelegenheit aus, um in sozialen Netzwerken stolz auf die Pflasterarbeiten an Strassen und Plätzen hinzuweisen. Da wegen der Corona-Sperren weniger Menschen unterwegs seien, könnten die Vorhaben problemloser durchgezogen werden, schrieb die Politikerin von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung auf Facebook.

Neue Muster vor dem Pantheon

Kurz vor Ostern lobte Raggi, dass das Pflaster vor dem antiken Pantheon in der verkehrsberuhigten Altstadt aufgefrischt wird. Am Kolosseum legten Arbeiter kürzlich ebenfalls neue Muster. Und die Piazza Venezia, einer der von schweren Stadtbussen meistbefahrenen Plätze Roms, war 2020 dran. Die Kommentare im Netz zu den Sampietrini-Arbeiten spiegeln die Debatte, die in den vergangenen Jahrzehnten Wellen schlug: Sie reichen von «Geldverschwendung» bis «wunderschön». Manchmal klingt der Verdacht an, dass die anstehenden Bürgermeisterwahlen die Strassenarbeiten befeuern: Die Stadtspitze zeige so Aktivität.

«Das Pflaster muss alle paar Jahre neu gemacht werden. Das ist auch richtig so», sagt eine Bar-Betreiberin im Szeneviertel Monti. «Sonst sind die Strassen und der Platz zu uneben.» In den umliegenden Gassen an der Piazza della Madonna dei Monti hatten Steinleger die Sampietrini im Vorjahr aufgenommen und wieder verlegt. Wochenlang klang ihr Hämmern durchs Viertel. Einige Monate später lässt sich der Unterschied zwischen vorher und nachher nicht überall mehr erkennen.

Eine Rutschbahn für Passanten?

Zeitweise hatte sich Roms Strassenbau-Debatte im Schwerpunkt um Sicherheit gedreht: Das dunkle Pflaster verwandle sich bei Regen in eine glitschige Rutschbahn, es werde schneller wellig als Asphalt, sagten die Gegner. Vor mehr als 15 Jahren beschloss ein früherer Bürgermeister, Walter Veltroni, grössere Strassen konsequent in Asphaltpisten umzubauen. Doch auch daran nagt längst der Zahn der Zeit. Manche Löcher dort sind fast noch tiefer als im Pflaster, auch sie werden regelmässig zu Unfallfallen für Autos und Roller.


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