14:08 BAUPRAXIS

Forscher rekonstruieren die Ur-Blüte

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Insgesamt gibt es rund 300‘000 Blütenarten. Sie sind damit die grösste Pflanzengruppe. Die ersten gediehen vor rund 140 Millionen Jahren. Wie solche „Urblumen“ ausgesehen haben könnten, hat ein internationales Forscherteam rekonstruiert.

Die Blätter der Urzeitblüte waren drei Kreisen angeordnet, ausserdem war sie zweigeschlechtlich. (zvg)

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Die Blätter der Urzeitblüte waren drei Kreisen angeordnet, ausserdem war sie zweigeschlechtlich.

„Unsere Ergebnisse sind extrem spannend, weil sie einen völlig neuen Denkansatz eröffnen und sich damit viele Aspekte der frühen Evolution der Blüten sehr viel leichter erklären lassen“, sagt Studienleiter Hervé Sauquet von der Université Paris-Sud. So kamen der Wissenschafter und seine Kollegen unter anderem zum Schluss, dass die „Urblume“ zweigeschlechtlich gewesen ist: Sie besass sowohl (männliche) Staubblätter als auch (weibliche) Fruchtblätter.

Allerdings war die Zweigeschlechtlichkeit der ersten Blüten nicht das einzig überraschende Resultat. So fanden die Forscher fanden auch heraus, dass die Hülle der Blüte aus mehreren dreizähligen Kreisen aus Kronblättern bestand. Etwa 20 Prozent der heutigen Blütenpflanzen haben eine ähnliche Blütenhülle. Dies gilt beispielsweise für Lilien oder Magnolien. „Dieses Ergebnis ist besonders bedeutend, weil viele Botaniker noch immer der Auffassung sind, dass in der ursprünglichen Blüte alle Organe spiralig angeordnet waren, ähnlich wie die Samenschuppen eines Kiefernzapfens“, erklärt Jürg Schönenberger von der Universität Wien, der die Studie zusammen mit Sauquet geleitet hat. Dies stelle vieles, was früher über die Evolution der Blüte geschrieben und gelehrt worden sei, auf den Kopf.

Zudem rekonstruierten die Forscher auch, Blüten auch an allen anderen Schlüsselstellen im Evolutionsstammbaum ausgesehen haben, etwa die Vorfahren der sogenannten Monokotyledonen –das sind etwa Gräsern oder Orchideen – oder von den „Eudikotyledonen“, wie Mohnblumen oder Rosen.

Die Studie eröffne einen neuen Blickwinkel auf die frühesten Phasen der Pflanzen, heisst es in der Medienmitteilung der Universität Wien. Sie liefere ein plausibles Szenario für die Evolution der spektakulären Formenvielfalt der Blüten. (mai/mgt)

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