Ermitteln, wo für die Solarenergie in der Schweiz die Sonne scheint
Wo lohnt sich der Bau einer Solar- oder Windkraftlage? Wie hoch ist die Ausbeute? Und ist ein Netzanschluss vorhanden? Solche Fragen kann der kostenlose, frei zugängliche «Swiss SolarWind Explorer» der ETH beantworten. Das Online-Tool ist auf den neusten Stand gebracht worden.
«Die Frage ist nicht, ob, sondern wo wir Solar- und Windanlagen bauen», sagt Marc Reusser, Professor für Planung und Landschaft und urbanen Systemen an der Zürcher ETH. Er leitet das Projekt «Swiss SolarWind Explorer».
Konkret handelt es sich um ein Tool, mit dem mögliche Standorte für solche Anlagen ermittelt werden können, die einerseits über ausreichendes Sonnen- und Windenergiepotenzial verfügen sowie wirtschaftlich sinnvoll sind, und die sich andererseits mit ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen vertragen. So können zum Beispiel bei der Suche geschützte Gebiete ausgeschlossen werden, etwa im ISOS-Inventar gelistete Orte oder Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Weiter ist es möglich, Standorte nach dem Umfang des winterlichen oder jährlichen Strompotenzials, nach Strasseninfrastuktur oder verfügbarem Netzanschluss abzufragen. Daneben zeigt das virtuelle Werkzeug mögliche Interessenskonflikte auf.
Die so erstellten Karten können heruntergeladen und exportiert werden. Zudem kann mit dem Tool schweizweit berechnet werden, wie in welchem Umfang in den ausgewählten Gebieten Strom produziert werden könnte; Und die Anlagen können auch in 3D in der Landschaft visualisiert werden.
Geodaten des Bundes und wissenschaftliche Datensätze als Grundlage
Für das Tool haben Reusser und seine Kollegen offizielle Grundlagen- und Geodaten des Bundes mit wissenschaftlichen Datensätzen zu Biodiversität, Energiepotenzialen und Landschaftsschutz miteinander verbunden.
Weiter liegt dem Tool ein Kriterienkatalog zu Grunde, der auf Initiative der Akademien der Wissenschaften Schweiz im Rahmen eines partizipativen Prozesses erarbeitet worden ist, mit Fachleuten aus der Wissenschaft, von Kantonen, NGOs sowie von Verbänden aus der Energie und Raumplanung.
Der «Swiss SolarWind Explorer» wird laut Medienmitteilung bereits auf kantonaler und überregionaler Ebene mit Erfolg genutzt. Dies gilt etwa für den Kanton Solothurn, wo die Behörden, das Potenzial von Eignungsgebieten für freistehende Solaranlagen zu erheben wollten. «Wir hatten bereits eine eigene kantonale Studie durchgeführt und konnten diese mit Hilfe des Swiss SolarWind Explorers anhand anderer Kriterien spiegeln und neu bewerten», erklärt dazu Marco Maurer von der Abteilung «Grundlagen/Richtplanung» beim Kanton Solothurn. Das Tool habe uns auch weitere Gebiete aufgezeigt, die man vorher noch nicht betrachtet habe.
«Massgeschneiderte Dienstleistungen» für Kantone und Planungsbüros
Die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt zeigten, dass frei zugängliche digitale Werkzeuge wie der «Swiss SolarWind Explorer» eine wichtige Grundlage für evidenzbasierte Planungsprozesse schaffen, schreibt die ETH: Für die Anwendung in der Praxis brauche es jedoch häufig zusätzliche fachliche Begleitung, vor allem bei der Integration kantonaler Datengrundlagen und regionaler Anforderungen.
Um diesem Bedarf Rechnung zu tragen, arbeitet das Projektteam laut ETH künftig eng mit «iconolab», einem Spin-off der ETH Zürich. zusammen: «Gemeinsam sollten Kantone und Planungsbüros mit massgeschneiderten Dienstleistungen unterstützt werden, von der Begleitung von Richtplanungs- und Partizipationsprozessen über die Umsetzung kantonsspezifischer Anforderungen bis hin zu Energieberechnungen und der Analyse räumlicher Auswirkungen.» (mai/mgt)
Angaben zum Online-Launch der neusten Version von morgen Mittwoch, 4. November, Zoom-Link zum Online-Workshop sowie das Tool selber auf https://swiss-solarwind-explorer.ethz.ch/