RBS speichert Bremsenergie von Zügen in neuem Energiespeicher
Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) hat am Standort Löffelhof in der Nähe des Bahnhofs Lohn-Lüterkofen in Bätterkinden BE einen Energiespeicher für Bremsenergie in Betrieb genommen. Pro Betriebstag sollen über 400 Kilowattstunden zurückgewonnen werden.
Quelle: zvg, RBS
Der RBS hat am Standort Löffelhof in der Nähe des Bahnhofs Lohn-Lüterkofen in der Gemeinde Bätterkinden einen stationären Energiespeicher in Betrieb genommen.
Die Anlage nimmt die beim Bremsen der Züge entstehende Energie auf und gibt sie beim Anfahren wieder ab, wie der RBS am Donnerstag mitteilte. Mit den 400 Kilowattstunden könne ein durchschnittliches Elektroauto rund 2000 Kilometer zurücklegen. Die Werte beruhen gemäss Mitteilung auf den aktuellen Betriebsannahmen und werden in den kommenden Monaten im laufenden Betrieb überprüft.
Bremsenergie ging bisher oft als Wärme verloren
Beim Bremsen wandeln Züge Bewegungsenergie in elektrische Energie um und speisen sie in die Fahrleitung ein. Genutzt werden konnte sie beim RBS bisher vor allem auf Doppelspurstrecken und nur beschränkt, weil ein anderer Zug die Energie sofort aufnehmen muss. Sonst wird sie über Widerstände auf den Fahrzeugen in Wärme umgewandelt und geht verloren. Eine Rückspeisung ins öffentliche Stromnetz lohnt sich laut RBS wegen der kurzen Bremsvorgänge bei S-Bahnen nicht.
Der Speicher setzt auf Superkondensatoren. Beim Bremsen steigt die Fahrleitungsspannung, und der Speicher nimmt die überschüssige Energie auf. Braucht ein Zug wieder Strom, sinkt die Spannung, und der Speicher gibt die Energie zurück. Dieser Vorgang wird automatisch über die Fahrleitungsspannung gesteuert. «Mit dem Energiespeicher machen wir ein Potenzial nutzbar, das jeden Tag auf unserem Netz entsteht», so Peter Studer, Projektleiter Energiespeicher beim RBS in der Mitteilung. Die bisher ungenutzte Energie bleibe damit im System und stärke zugleich die Stabilität der Bahnstromversorgung.
Quelle: zvg, RBS
Funktionsweise Energiespeicheranlage der RBS.
Erster Speicher brannte bei der Inbetriebnahme ab
Erste Überlegungen zu einem stationären Speicher reichen beim RBS bis 2010 zurück, wie es in der Mitteilung heisst. Europäische Pilotanlagen gab es damals aber nur für Spannungen unter 1000 Volt. 2019 fand der RBS einen Hersteller, der eine Anlage für höhere Spannungen entwickeln wollte. Zwei Jahre später installierte der RBS in Lohn-Lüterkofen einen ersten Speicher. Bei der Inbetriebnahme kam es aber zu einem Brand, bei dem die Anlage zerstört wurde. Die Ursachen wurden untersucht, danach wurden zusätzliche Sicherheitsmassnahmen und technische Verbesserungen umgesetzt.
Die heutige Anlage kostet nach Angaben der RBS 1,3 Millionen Franken. Das Bundesamt für Verkehr unterstützte das Projekt im Rahmen des Programms «Energiestrategie 2050 im öffentlichen Verkehr». Nach Angaben des RBS gehört der Speicher zu den ersten Anlagen dieser Art in der Schweiz. In Lohn-Lüterkofen seien die Bedingungen mit hoher Zugdichte und Einspurabschnitten gegeben. Mobile Speicher auf den neuen Zügen hat der RBS ebenfalls geprüft, die stationäre Lösung erwies sich als wirtschaftlicher. Ob sich weitere Standorte im Netz eignen, sollen die Erfahrungen aus dem Betrieb zeigen. (mgt/pb)
Quelle: zvg, RBS
Der neue Energiespeicher nimmt die Bremsenergie auf, speichert sie und stellt sie für das Anfahren und Beschleunigen von Zügen bereit.