14:03 BAUPRAXIS

Bündner Baustoffhersteller lanciert CO2-neutralen Beton

Teaserbild-Quelle: Zindel United / Mattias Nutt

Ein Bündner Baustoffhersteller bringt unter dem Namen «Klark» den «nachweislich ersten CO2-neutralen Beton der Schweiz» auf den Markt. Möglich macht dies unter anderem Pflanzenkohle als Zusatzstoff. Bei der Rezeptur unterstützte die Fachhochschule OST.

Pflanzenkohle und CO2-neutraler Beton Klark

Quelle: Zindel United / Mattias Nutt

Das «Geheimnis» hinter dem neuen Baustoff: INKoh-Pflanzenkohle aus einheimischer Holzwirtschaft.

Beton ist nach wie vor der meistgenutzte Baustoff in der Schweiz, gerät aufgrund seiner CO2-Bilanz aber zunehmend unter Druck. Das Bauunternehmen Zindel United und der Baustoffhersteller Logbau AG in Maienfeld haben es sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht, diese Bilanz ohne Abstriche bei der Verarbeitung und Leistung zu verbessern. Damit sei der «erste wirklich CO2-neutrale Beton der Schweiz» entstanden, schreibt die Logbau in einer Mitteilung von Donnerstag. 

Pflanzenkohle als CO2-Binder 

Möglich wird dies dank der Verwendung von INKoh-Pflanzenkohle als Zusatzstoff. Diese stammt von der ebenfalls in Maienfeld ansässigen Inega AG und wird in einem speziell entwickelten Pyrolyseverfahren aus unbehandeltem Restholz aus regionaler Forstwirtschaft nach den European Biochar Certification (EBC) Standards hergestellt. Das Prinzip hinter dem auf den Namen «Klark» getauften Beton basiert auf Holz, das auf natürliche Weise eine grosse Menge an CO2 einlagert. 

Mit einem speziell entwickelten Pyrolyseverfahren wird das CO2 dann gemäss Logbau dauerhaft in der Pflanzenkohle gebunden. Im Vergleich zu herkömmlichem Beton könnten so mehr als 200 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter Beton permanent neutralisiert werden. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit ungefähr 120 Kubikmetern Beton entspreche dies 24 Tonnen Kohlendioxid, oder in etwa so viel, wie ein durchschnittliches Auto in der Schweiz während 10 Jahren ausstosse.

2,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen

Diese Ökobilanz kann laut dem Baustoffhersteller durch sekundäre Rohstoffmaterialien, CO2-reduzierten Zement oder Betonabbruch mit CO2-Speicherung noch weiter verbessert werden. Ein CO2-negativer Beton mit über zwei Dritteln Sekundärrohstoffen sei somit in naher Zukunft ebenfalls möglich, schreibt die Logbau im Communiqué. Das Reduktionspotenzial liege bei einem Jahresbedarf von zirka 15,5 Millionen Kubikmeter Beton in der Schweiz somit bei zirka 2,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Bei der Entwicklung arbeiteten die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben mit Spezialisten der Ostschweizer Fachhochschule OST in Rapperswil zusammen. Die Forscher hätten die Grundlagenforschung beigesteuert und regelmässige Tests durchgeführt, um die ideale Rezeptur für den Beton zu ermitteln. Das bereits zum Patent angemeldete Endprodukt verfügt gemäss Mitteilung über gleichwertige Eigenschaften wie herkömmlicher Beton. Nur sei es komplett CO2-neutral oder je nach Rezeptur sogar CO2-negativ. 

Der Klimabeton soll weiter vollständig rezyklierbar sein. Erste Tests und Studien hätten zudem gezeigt, dass «Klark» potenziell weitere Vorteile biete wie etwa reduzierte Schwindrisse, eine effizientere Wärmedämmung und einen besseren Schallschutz. Weiterführende Untersuchungen sind gemäss den Unternehmen in Planung. 

Erste Wände mit neuem Baustoff betoniert 

Der neue Beton wurde ausserdem bereits in der Praxis angewandt. In Maienfeld wurden so etwa die ersten Wände der neuen InKoh-Produktionshalle der Inega mit «Klark» betoniert. Der Baustoff erfüllt gemäss der Logbau die Anforderungen der gängigen Beton-Norm SN EN 206 und kann im Hochbau problemlos eingesetzt werden. Weil Pflanzenkohle aber noch nicht als Zusatzstoff von Beton in der Norm integriert sei, müsse der Beton aktuell nach Zusammensetzung und nicht nach Eigenschaften ausgeschrieben werden, heisst es in der Mitteilung. 

Der neue Klimabeton ist gemäss dem Unternehmen marktreif, man sei bereits mit interessierten Bauherrschaften und Partnern in Kontakt und baue parallel die industrielle Produktionskette auf. Aktuell ist «Klark» in Graubünden, St. Gallen und im Fürstentum Liechtenstein lieferbar, in Zukunft soll er in der ganzen Schweiz hergestellt und vertrieben werden. (mgt/pb) 

Ansätze zur Verbesserung der CO2-Bilanz von Beton

In den letzten Jahren sind in der Schweiz viele verschiedene Projekte und Vorhaben zur Verbesserung der CO2-Bilanz von Beton vorgestellt worden. Dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt. Eine kleine Übersicht. 

Das ETH-Spin-off «neustark» versteinert mittels einem speziellen Verfahren beispielsweise das klimaschädliche Kohlendioxid im Betongranulat von aufbereitetem Abbruchmaterial. Wie das genau geht, lässt sich in einem ausführlichen Artikel im Baublatt nachlesen. 

Im März 2021 stellte der Bauchemiekonzern Sika ein ökologischeres Wiederverwertungsverfahren für Altbeton vor, bei dem CO2 gebunden wird. Das Verfahren soll dabei helfen, den ökologischen Fussabdruck der Bauindustrie zu verkleinern. 

Die Eberhard Unternehmungen haben im Oktober 2020 unter dem Namen «zirkulit» den nach eigenen Angaben «ersten zirkulären Beton der Schweiz» auf den Markt gebracht. Dank einer speziellen Rezeptur soll dieser hinsichtlich Nachhaltigkeit alle bisher bekannten Betonarten übertreffen. Zudem soll es auch bei «zirkulit» möglich sein, CO2 im Beton zu binden.

Im Juni 2021 gab der Industriekonzern Sulzer die Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Blue Planet bekannt, das einen Kohlenstoff-Mineralisierungsprozess für die Bindung von CO2 in einer festen, kristallinen Karbonatform entwickelt hat. Mit der Partnerschaft will sich Sulzer für umweltfreundlichen Beton engagieren und die Lösung von Blue Planet mit Hilfe einer Anlage zur Kohlenstoffabscheidung weiterentwickeln. (pb)

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