Buchrezension: Afrika im Blick des Bauingenieurs
Der Bauingenieur und Professor an der TU Berlin Mike Schlaich hat ein 240-seitiges, lesenswertes Buch über das Bauen in Afrika veröffentlicht. Es basiert auf einer Forschungsreise, die ihn im Sommersemester 2022 in 150 Tagen von Kapstadt nach Kairo führte.
Quelle: Mike Schlaich
Die Fiat-Tagliero-Tankstelle in Asmara, Eritrea.
Die Unterüberschrift «Cape to Cairo» des 240-seitigen Sachbuchs «Bauen in Afrika» liest sich wie der Titel eines Jules-Verne-Romans. Und tatsächlich hat Mike Schlaich, ordentlicher Professor am Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin und Partner im international agierenden Ingenieurbüro «sbp schlaich bergermann partner», in seinem Forschungssemester im Frühjahr und Sommer 2022 kein kleines Abenteuer erlebt. Zusammen mit seinem Freund und Tropen-Agronom Massimo Canossa hat er in einem Toyota Land Cruiser in 150 Tagen zwölf Staaten zwischen Kapstadt und Kairo durchquert und auf rund 30'000 Kilometern 6000 Liter Benzin verbrannt. Er selber räumt ein, dass das nicht wirklich nachhaltig war – aber sehr informativ und lehrreich hinsichtlich der unmittelbaren Konfrontation mit dem Bauen und den angewandten Techniken vor Ort.
Während am Anfang der Reise im April die Temperatur in Südafrika eher kühl und regnerisch war, brannte in der Nubischen Wüste die Sonne bei 50 °C vom Himmel. Die Qualität der Strassen oszillierte zwischen einem blank geputzten zentraleuropäischen Standard mit Radarfallen (Ruanda), wilden Offroad-Pisten durch unwegsame Steppengebiete (Tansania) oder unmarkierten Wüstendünen (Ägypten). Von einem klassischen Roadtrip zahlloser Afrika-Reisender hebt sich diese Fahrt ab durch den besonderen Blick Schlaichs auf die Bausubstanz, die er gezielt ansteuert oder auch zufällig passiert sowie durch die zahlreichen Hochschulen, die er unterwegs besucht. Spannend ist sein intensiver Austausch mit den Wissenschaftlern in den Ländern, die er bereiste, den er bis heute pflegt. So enthält sein Buch am Ende eines jeden Landeskapitels einen Aufsatz eines lokalen Wissenschaftlers, der die jeweilige Qualität der Lehre, die konkreten baulichen Herausforderungen und die Art der Umsetzung beschreibt.
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